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TTBL-Pokalfinale

Nachbetrachtung zum Final Four

Leere Ränge, maskierte Gesichter, blutende Herzen: So lief das Pokal-Final-Four in Pandemie-Zeiten

Ohne Übertreibung wird das TTBL-Pokalfinale 2021 in der Neu Ulmer Ratiopharm-Arena als das Seltsamste der Geschichte eingehen. Denn obwohl fehlende Zuschauer, desinfizierte Tische, neue Bälle vor jedem Aufschlag, Masken für alle außer für die Spielenden in Pandemiezeiten bereits längst Bundesliga-Alltag sind, bluteten Spielern, Trainern und Organisationen besonders aufgrund der fehlender Zuschauerkulisse in Neu Ulm das Herz. Aber Not macht erfinderisch. Und ein Hygiene-Finale ohne Publikum ist besser als gar keines – diese Einsicht gehörte zum allgemeinen Tenor innerhalb der Liga-Gemeinde dann auch dazu.

Immerhin konnten die Fans in diesem Jahr am Fernsehgerät mitfiebern. Die TTBL freute sich über eine Live-Übertragung des Senders SPORT1: „Das TV hat Lust auf Tischtennis“, resümierte TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle erfreut. Wir erklären, wie das Pokal-Final-Four der besonderen Art vonstatten ging.

Überlegte die TTBL, das Event sogar gänzlich abzusagen?

Die TTBL wollte das Pokalfinale unbedingt durchführen. Dennoch hatten die Organisatoren eine möglicherweise verordnete Streichung des Tischtennis-Spektakels immer im Hinterkopf, teilt TTBL-Pressesprecher Patrick Wichmann mit: „In der aktuellen Situation gehört das Denken an alle möglichen Szenarien einfach dazu. Die Faktenlage in den vergangenen Monaten war rasanten Veränderungen unterzogen, entsprechend war Flexibilität in der Vorbereitung gefragt.“ Dazu habe die TTBL bereits Monate vor dem Finale die epidemiologische Faktenlage deutschlandweit und regional genau beobachtet, um sich auf eventuelle Planänderungen vorzubereiten. Die Entwicklungen hätten jedoch zu keiner Zeit dazu beigetragen, das Geschehen in diesem Jahr an einen anderen Ort zu verlagern, ließ TTBL-Geschäftsführer Nico Stehle durchblicken: „Wir wollten unbedingt nach Neu-Ulm zurückkehren. Daher haben wir in guter Absprache mit den Städten aufgezeigt, dass es geht und das Finale in unserem Wohnzimmer umgesetzt.“

Wie geht die Liga mit den fehlenden Zuschauern um?

Finanziell gesehen sind die fehlenden Zuschauereinnahmen ein harter Schlag für die Liga, muss Patrick Wichmann einräumen. „Ohne wesentliche Einnahmen ist Profisport auf Dauer natürlich nicht möglich.“ Die TTBL-Geschäftsführung prüfe nun, ob eine Kompensation über die Corona-Hilfen des Bundes möglich seien, erklärt Wichmann. „Ob das klappt, können wir aber derzeit noch nicht abschätzen.“ Trotz alledem sei die Erleichterung spürbar gewesen, das Ereignis überhaupt über die Bühne bringen zu können. „Das Glas ist insofern halb voll und nicht halb leer. Ermöglicht hat dies die Unterstützung der Städte Ulm und Neu-Ulm sowie zahlreicher treuer Sponsoren, die dem Liebherr Pokal-Finale auch in dieser schweren Zeit treu geblieben sind, wofür wir uns ausdrücklich bedanken möchten.“

Die fehlenden Zuschauer bringen natürlich nicht nur finanzielle Einbußen mit sich. Vielmehr erinnerten sich Spieler, Betreuer und Organisationen fast wehmütig an die vergangenen Final-Fours zurück und bedauern die fehlende Atmosphäre, die unter Normalbedingungen von den Fans ausgeht. „Das ist extrem schade und bedauerlich. Die Sportler haben es vermisst“, meint Nico Stehle. Auch der Pokalsieger-Trainer Danny Heister, Borussia Düsseldorf, sieht die ausbleibenden Zuschauer trotz des Titelgewinns als einen Wermutstropfen am Pokalwochenende an: „Wir haben die Stimmung und die Menschen vermisst. Es hat sich etwas komisch angefühlt.“ Lediglich einzelne mitgereiste Mitglieder sorgten auf ihren Plätzen mit Trommeln, Rasseln oder vereinzelten Anfeuerungsrufen für etwas Pokalstimmung.

Wie wirkten sich die veränderten Rahmenbedingungen auf die Spieler aus?

Grundsätzlich dürften sich die Spieler bereits an das in der Bundesliga eingesetzte Hygienekonzept gewöhnt haben, das der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) zusammen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgearbeitet hatte. Etwa werden die Schiedsrichter vor jedem Ballwechsel einen neuen Ball ein. Beim Eintreten in die Halle zählten die Akteure zur sogenannten „Aktivgruppe“, während Funktionäre, Journalisten und freiwillige Helfer als Passivgruppe eingestuft wurden. Vor jedem Satz wurden die Tische desinfiziert. Der Handschlag zwischen den Kontrahenten blieb aus.

Auch auf einen Seitenwechsel mussten die Spieler während den Partien verzichten. Beim Pokalfinale blieb gerade dieser Umstand nicht ganz ohne Folgen bei den Spielern. Düsseldorf-Superstar Timo Boll meint dazu: „Ich hatte den Eindruck, dass die Seite zum Vorhang hin etwas beliebter war. Dort leuchteten die Scheinwerfer etwas besser aus.“ Kontrahent Simon Gauzy, Spitzenspieler der TTF Liebherr Ochsenhausen. bevorzugte dieselbe Seite, jedoch aus einem anderen Grund: „Mir ist es wichtig, mit dem Rücken zur eigenen Bank zu spielen.“

Inwiefern musste die TTBL ihre Arbeit im Vorfeld abändern?

Eine große Änderung im Arbeitsablauf war natürlich die Integration eines Hygienekonzepts, verrät TTBL-Sprecher Patrick Wichmann. „Dafür fiel das Ticketing weg, dadurch war die Konzept-Erarbeitung nicht mit einer längeren Vorbereitungszeit verbunden.“ Bis Herbst spekulierte die TTBL sogar noch auf eine reduzierte Zuschaueranzahl in der Ratiopharm-Arena, was zur Erarbeitung mehrerer Szenarien führte. Bereits im Sommer musste die TTBL ihr Ligafinale in der Frankfurter Fraport-Arena unter ähnlichen Bedingungen durchführen. „Diese Erfahrung war natürlich hilfreich, ein Event unter diesen Bedingungen bereits durchgeführt zu haben. Jedoch mussten wir unser Konzept an das der Ratiopharm-Arena und der pandemischen Entwicklung etwas anpassen“, erklärt Wichmann.

Zudem waren auch weniger Volunteers im Einsatz, als im vergangenen Jahr. 2020 verzeichnete die TTBL noch rund 50 freiwillige Helfer für das Spektakel. 2021 waren es nur noch 30. „Zu berücksichtigen ist dabei, dass einige Aufgabengebiete in diesem Jahr aufgrund der Zuschauersituation wegfielen und wir daher die Personenzahl auf ein absolutes Minimum begrenzen konnten“, ergänzt der TTBL-Pressesprecher.

Insgesamt musste die TTBL gleich mehrere Ersatzpläne entwickeln, um etwa auf eventuelle Coronafälle in den Teams oder politische Verordnungen reagieren zu können. Diese kamen jedoch nicht zum Einsatz, berichtet Wichmann: „Zum Glück blieben diese Pläne in der Schublade.“

Fotos: Reinhard Arras      Text: Christian Scharbert

 

 

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