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Sportentwicklung: Ein - noch kleiner - Verein verjüngt sich!

„Luxusproblem“ erzwingt beim TV Forbach eine Warteliste

Foto: Glücklich fern der Warteliste - die „fortgeschrittenen“ Nachwuchsspieler des TV Forbach pilgern selbst an ihrem Geburtstag zum Übungsabend mit ihren Trainern. In der Bildmitte freut sich Abteilungsleiter Walter Dürr.

Tabellarisch dümpelt die Tischtennis-Abteilung des TVF in den Niederungen der Kreisklasse A – noch, denn die Jugendarbeit boomt

Forbach – In der gerade abgelaufenen Saison waren die Tischtennisspieler des TV Forbach (Bezirk Rastatt/Baden-Baden) weit davon entfernt, bundesweit erstklassig zu sein. Aber die kleine Abteilung, deren Wurzeln in Gausbach liegen, hat ein „Luxusproblem“, das andere Tischtennisvereine in der Bundesrepublik auch gerne hätten! Dadurch nähert sich der Tabellenvorletzte der Erstklassigkeit zumindest langfristig etwas aus den Niederungen der Kreisklasse A an.

Mit knapp eineinhalb Dutzend Aktiven bei den Erwachsenen sind die Forbacher bei Weitem nicht die kleinste Einheit innerhalb des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Nach jüngsten Erhebungen haben unter den 8.444 gemeldeten deutschen Klubs 1.348 nur eine Mannschaft im Spielbetrieb. Insofern krebst der TVF mit seinen zwei Herren-Teams noch lange nicht am Existenzminimum herum.

Und im Gegensatz zu diesem knappen Sechstel der Vereine mit lediglich einem Team stimmt die Zukunftsperspektive: Der Nachwuchs drängt nämlich in die Festhalle in Gausbach! Nicht nur, dass die Trainer Philipp Mungenast und Alfred Haas bei regem Zulauf in der Halle sogar „eine Tischtennisplatte oben auf der Bühne aufstellen müssen“, wie Haas schmunzelnd von dem einen Kuriosum erzählt. Die „große“ Bühne schätzen die Kinder besonders als Spielort, ergänzt der 59-Jährige. Damit nicht genug: Der Verein „hat eine Warteliste für Jugendliche“, wie Abteilungsleiter Walter Dürr grinsend das zweite Kuriosum in Forbach nachschiebt. Auch wenn das mit der kleinen Halle zusammenhängt, die maximal sechs Platten Platz bietet, haben dieses Luxusproblem nur wenige andere Tischtennisvereine in der Republik.

Auflösungsprozess beim TV Gausbach

Die meisten Kinder versuchen sich zuerst beim Fußball, den sie von der TV-Dauerberieselung her kennen und sie von der großen Profikarriere träumen lässt. Eine Laufbahn als Nachfolger von Timo Boll streben die wenigsten gleich an, zumal der komplexe, schnelle Ballsport hohe Anforderungen an die Kinder stellt.

Vor Corona hätte sich der verschworene Haufen um Dürr den Andrang nicht einmal in kühnsten Träumen vorstellen können. Ihr einstiger Hauptverein, der TV Gausbach, lag darnieder und löste sich mangels Bewerbern für die Klubspitze auf (das BT berichtete).

Die Tischtennisspieler hatten sich beim südbadischen Verband nicht angemeldet und frönten ihrem Hobby innerhalb der Gemeinschaft Tischtennis Mittelbaden (GTM). Die einst revolutionäre Vereinigung hatte der Söllinger „Tischtennis-Papst“ Peter Hermann aus der Taufe gehoben. Reine Hobby-, aber auch Vereinsspieler hatten ihre Freude an den ungezwungenen Sommer- und Winterrunden. So auch die Gausbacher 25 Jahre lang, ehe es der GTM ebenfalls an Führungskräften fehlte. Was jetzt nach all den Auflösungsprozessen, die die Truppe mangels Alternativen in den regulären Verbandsspielbetrieb zwang? Zumal Corona auch den Tabellenführer der Kreisklasse D, die Viererteams vorbehalten war, zusätzlich zweimal ausbremste.

Der TV Forbach „nahm die letzte verbleibende aktive Truppe des TV Gausbach mit offenen Armen auf“, wie Dürr erzählt – und zeigt sich dankbar, denn aus der einst im eigenen Saft schmorenden GTM-Gruppe wurde ein aktives Häuflein, das Kinder in Massen anzieht. „Als wir nach Corona ein Schnuppertraining anboten, waren gleich 23 Kinder da!“, erinnert sich Dürr. Seit Januar 2022 lädt die neue Abteilung innerhalb des TVF freitags zum Jugendtraining ein. Die Erwachsenen gehen danach ab 20 Uhr an die Platte, zudem montags von 20 bis 22 Uhr. Weil in der kleinen Festhalle nur sechs Tische (inklusive der Bühne!) Platz finden und die 23 Schnupper-Teilnehmer zusätzlich Freunde begeisterten, musste die Warteliste erstellt werden. Damit wenigstens 25 Kinder in den Genuss der schnellen Rückschlagsportart kommen, splitteten die Jugendtrainer Mungenast und Haas die Zeiten auf: Die „Anfänger“ rücken von 18 bis 19 Uhr an, die „Fortgeschrittenen“ üben Topspins von 19 bis 20 Uhr. Ab Herbst vergrößern Letztere die Raumnot: Die Talente sollen dann auch erstmals Mannschaften bilden, um am Punktspielbetrieb teilzunehmen.

Der kleine Ghyth al Saleh schätzt den Topspin weniger, lieber hämmert er den Ball mit Wucht auf die andere Seite, obwohl der kleine Achtjährige kaum übers Netz schauen kann. Mit Eifer trainiert er mit Mungenast und versucht, dem 27-jährigen Jugendtrainer die kleinen Plastikbälle um die Ohren zu hauen, sodass selbst der Spitzenspieler des Vereins sie nicht immer zurück auf die Platte retournieren kann.

Selbst am Geburtstag geht‘s an die Platte

Sein Bruder Omar wird zwar an dem Tag elf – aber auf das geliebte Tischtennis mag das Geburtstagskind nicht verzichten und trainiert eifrig an der Nachbarplatte! Seinem kleinen Bruder fehlt es derweil nicht an Selbstvertrauen: „Fußball kann ich auch gut!“, verkündet der Knirps und haut Mungenast den nächsten Plastikball um die Ohren und bestätigt seine Vorliebe auch verbal: „Draufschmettern macht mir am meisten Spaß!“, sagt Ghyth und bedauert, dass man „beim Fußball nicht so hart draufhauen kann“. Mit dem kleinen Haudrauf und anderen Talenten blickt die unterklassige Forbacher Tischtennis-Abteilung jetzt in eine rosigere Zukunft ...

Bericht und Foto: Hartmut Metz

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