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Baden-Württembergische Einzelmeisterschaften der Damen und Herren in Angelbachtal

Alexandra Schankula und Florian Bluhm sind im Kraichgau nicht zu schlagen. Neue Fotos!

Mixed-Sieger: Alexandra Schankula/Gerd Richter

Zwei Tage lang über eine Turnierdauer von jeweils etwa elf Stunden gab es im badischen Angelbachtal Tischtennissport vom Feinsten zu genießen. Bei den durchführenden TTF Eschelbach-Angelbachtal in deren schmucken Sonnenberghalle fühlten sich die besten Tischtennisspielerinnen und –spieler aus Baden-Württemberg gut aufgehoben. Alexandra Schankula vom DJK Sportbund Stuttgart setzte dem Turnier mit zwei Titeln im Einzel und im Mixed die Krone auf, Abwehrkünstler Florian Bluhm (SU Neckarsulm) wurde nach 2015 und 2020 bereits zum dritten Mal baden-württembergischer Einzelmeister. Beide qualifizierten sich für die TT-Finals vom 13. bis 16. Juni in Erfurt.

Die Baden-Württembergischen Meisterschaften im badischen Angelbachtal waren deutliches Indiz dafür, dass es die Älteren noch können. Alexandra Schankula bewies dies in genauso eindrucksvoller Manier wie der 49-jährige Gerd Richter von Verbandsoberliga-Tabellenführer SC Staig, der sich nach starken Auftritten bis ins Einzelfinale spielte. Beide Routiniers hatten sich bereits in der Vorwoche bei den baden-württembergischen Senioren-Meisterschaften ins Rampenlicht gespielt, nun sorgten sie auch im Kreis der Jüngeren für Furore.

Aber der Reihe nach: Gut bestückt waren die Teilnehmerfelder am Qualifikations-Samstag, wenngleich es bei den Damen nicht gelang, alle Gruppen mit vier Spielerinnen zu befüllen. Die Turnierleitung um Roland Pietsch (Vizepräsident Sport im Badischen Tischtennisverband) und Gerd Michenfelder (Fachwart Mannschaftssport) wurde mehr oder weniger kurzfristig mit zwölf Absagen und drei Neuanmeldungen im weiblichen Bereich konfrontiert, bei den Herren war hingegen das komplette 64er-Feld am Start.

Organisatorisch ging das Turnier am ersten Tag recht reibungslos über die Bühne, einzig die Sonnenstrahlen, die sich ihren Weg in die Sporthalle bahnten, bremsten den Zeitplan etwas aus, da einige Tische zeitweise nicht bespielbar waren. Dass in puncto EDV alles wie am Schnürchen lief, war auch der akribischen Vorarbeit von Sven Ritzal zu verdanken. Das Vorstandsmitglied der TTF Eschelbach-Angelbachtal hatte – auf Grund des krankheitsbedingten Ausfalls des bewährten Turnierleiters - im Vorfeld das IT-Netzwerk aufgebaut und Laptops mit der notwendigen Software bereitgestellt. Während des Turniers konnten an den lokalen Bildschirmen, online am Handy über QR-Code oder zuhause am Computer, die Ergebnisse eingesehen werden.

„Ein paar Schiedsrichter mehr hätten es schon sein dürfen“, sagte Oberschiedsrichter Martin Weber, der an beiden Tagen auf ein Team von vierzig Unparteiischen um Einsatzleiter Ralf Hetzel zurückgreifen konnte, das ein durchweg faires Turnier begleitete. „Eine Rote Karte gab es lediglich auf Grund eines Vergehens bei der Anmeldung des Betreuers, hinzu kamen ein paar übliche Gelbe Karten“, resümierte Martin Weber.

Die Entscheidung im Mixed fiel bereits am ersten Tag, wo sich das an Position eins gesetzte Duo Alexandra Schankula/Gerd Richter im Endspiel gegen das zweite Favoritenpaar Kathrin Hessenthaler/Julian Mohr (SU Neckarsulm) glatt in drei Sätzen durchsetzte. Die kritischste Phase hatten die Titelträger im Halbfinale beim Fünfsatzerfolg über Alexandra Kaufmann/Tom Eise (SV Böblingen/DJK Offenburg) zu überstehen. „Das war im Prinzip das vorweggenommene Finale“, meinte „Alex“ Schankula später.

Mit dem Einstieg der Topgesetzten erfuhren die Meisterschaften am Sonntag die zu erwartende Aufwertung. „Wir haben den Modus etwas angepasst und am Sonntagvormittag nach der Qualifikation noch einmal in Vierergruppen gespielt“, erläuterte Roland Pietsch das Prozedere. In diesen Gruppen setzten sich dann auch überwiegend die Spieler mit der höheren Punktzahl im Ranking durch. Etwas schmerzhaft kam das Aus für Michael Engelhardt, Drittligaspieler des TTC Bietigheim-Bissingen, der trotz einer 2:1-Bilanz passen musste. Im KO-Feld unter den sechzehn Besten ging es dann ans Eingemachte, unter anderem Youngster Manuel Prohaska (SC Staig) bekam dies beim knappen 2:3 gegen Axel Lehmann (DJK Offenburg) zu spüren.

Die 14-jährige Bao Chau Elisa Nguyen (TTV Ettlingen), Siegerin des Top 48-Bundesranglistenturniers der Jugend 15, hatte im Achtelfinale der Damen-Einzelkonkurrenz gegen Anna Gaiser (TV Öschelbronn) nach 0:2-Satzrückstand eine kritische Phase zu überstehen, meisterte diese aber noch souverän. Ebenfalls über fünf Sätze ging das Match von Alexandra Kaufmann gegen ihren früheren Schützling Fatme El Haj Ibrahim (VfL Herrenberg), das sie knapp mit 11:9 im fünften Durchgang für sich entschied. Auf dem Weg ins Endspiel lieferte dann die hochklassige Halbfinalpartie zwischen Julia Kaim (SSV Schönmünzach) und Alexandra Schankula die meisten Spannungsmomente, Schankula gewann diesmal die Neuauflage des Vorjahresfinales mit ihrem sechsten Matchball. Ähnlich dramatisch verlief das Endspiel gegen die 19-jährige Lea Lachenmayer (ESV Weil), die bis dato souverän ohne Satzverlust durch die Veranstaltung marschierte. Und beim 10:8 im fünften Satz zwei Matchbälle hatte. Doch die erfahrene Schankula von Drittligist DJK Sportbund Stuttgart riss das Ruder noch herum zum 12:10 – der Rest war Jubel. „Ich habe noch nie einen Titel gewonnen“, meinte Lea Lachenmayer nach der äußerst knappen Niederlage, „beim Stand von 10:8 war ich mir sicher, dass ich es schaffe.“ Die glückliche Gewinnerin konnte diesbezüglich mitfühlen. „Das war wirklich knapp, mit einem zweiten Platz wäre ich letztendlich auch zufrieden gewesen“, sagte Schankula, „angesichts des Verlaufs der beiden letzten Einzel hätte ich auch nur Vierte werden können.“ Das „kleine Finale“ gewann Julia Kaim in drei Sätzen gegen Bao Chau Elisa Nguyen. Wohl nur ein schwacher Trost dürfte für Lea Lachenmayer der verdiente Gewinn des Damen-Doppels gewesen sein, den sie sich zuvor mit ihrer ehemaligen Vereinskameradin Amelie Fischer (TTG Süßen) gesichert hatte. Mit 13:11, 11:6 und 11:9 gewannen die beiden gegen die Titelverteidiger Julia Kaim/Antonia Bernhard (SSV Schönmünzach). „Die beiden punkteten viel über eine gute Platzierung und warteten geduldig auf ihre Chancen“, sagte Betreuer Markus Senft. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir es schaffen“, meinte die 17-jährige Amelie Fischer erfreut, „in Süßen haben Lea und ich nur Doppel gespielt, wenn es nicht anders ging.“ Julia Kaim/Antonia Bernhard hatten in der Vorschlussrunde in vier Sätzen über das ebenfalls eingespielte Drittliga-Doppel Alexandra Schankula/Bao Chau Elisa Nguyen in vier Sätzen die Oberhand behalten.

„Wie soll man denn da einen Punkt machen?“, fragte sich Gerd Richter im Herren-Einzel-Endspiel gegen Florian Bluhm zu einem Zeitpunkt im dritten Satz, als die Vorentscheidung gefallen war. Mit 11:6 und 11:8 hatte der Defensivkünstler aus Neckarsulm die vorausgegangenen Sätze gewonnen, in denen Top-Ballwechsel an der Tagesordnung waren und die Zuschauer immer wieder begeisternd applaudierten. Nicht zuletzt wurde damit auch Gerd Richter großer Respekt gezollt, der sich mit starken Auftritten den Weg ins Endspiel verdiente. Im Viertelfinale ließ er Abwehrspieler Daniel Kleinert (TTC 95 Odenheim) nur im ersten Satz zur Entfaltung kommen, im Halbfinale musste auch Julian Mohr gratulieren, der nach Urlaub und Mandelentzündung allerdings noch etwas Trainingsrückstand aufwies. Favorit Florian Bluhm traf im Halbfinale mit Tom Eise auf einen richtig starken Widersacher, der mit seinen fulminanten Angriffsbällen Bluhm lange Zeit das Leben schwermachte.

Durchgang fünf gewann der Neckarsulmer dann jedoch mit 11:7. „So viel Schnitt hatte Florian noch nie in seinen Bällen“, analysierte Eise, der sich nach der Niederlage nicht zu grämen brauchte. „Ich bin an Position eins gesetzt, von daher habe ich auch das Ziel, das Turnier zu gewinnen“, sagte Florian Bluhm im Vorfeld. Mit dem 3:0-Finalerfolg über Gerd Richter konnte der angehende Lehrer – trotz Prüfungsstress in den letzten Tagen - das Vorhaben in die Tat umsetzen und ist zum wiederholten Male im Juni bei den „Deutschen“ dabei. Und der bezwungene Gerd Richter, der erstmals seit 2008 wieder an den Titelkämpfen teilnahm, bilanzierte nach einem Endspiel mit viel Szenenapplaus von den Rängen: „Ich spiele eigentlich ganz ordentlich gegen Abwehr, aber gegen Florian fehlten am Ende einfach die Kräfte. Zu Beginn des dritten Durchgangs war mir kurzzeitig schwindelig. In jüngeren Jahren wär wohl eher was drin gewesen.“ Das Spiel um Platz drei gewann Tom Eise glatt in drei Sätzen gegen Julian Mohr.

Durchaus Titelchancen hatte sich „Flo“ Bluhm auch im Herren-Doppel mit Daniel Kleinert ausgerechnet, mit dem er vor längerer Zeit bereits in Grünwettersbach zusammenspielte. Im Endspiel waren dann jedoch die Neckarsulmer Vladimir Anca und Julian Mohr zu stark, sie gewannen deutlich in drei Sätzen. Um 16:28 Uhr war damit der erste Titel des zweiten Turniertags vergeben. Anca/Mohr mussten sich zuvor in einer spannenden Halbfinalpartie gegen Gerd Richter/Manuel Prohaska mächtig strecken (11:6 im fünften Satz), Bluhm/Kleinert hatten sich hingegen souverän gegen Michael Engelhardt/Tim Schaufler (TTC Bietigheim-Bissingen/TTSF Hohberg) durchgesetzt.

Mit viel Herzblut und tatkräftiger Unterstützung zahlreicher Mitglieder meisterten die Tischtennisfreunde aus Eschelbach-Angelbachtal das organisatorische Drumherum mit Bravour. „Beim Catering haben wir jeweils in 3,5 Stunden-Schichten mit sieben Personen gearbeitet“, sagte Beate Fischer aus dem dreiköpfigen Vorstandsteam. „Es soll nicht das letzte größere Turnier dieser Größenordnung sein“, meinte Angelbachtals Bürgermeister Frank Werner bereits bei der Begrüßung. Die Premiere auf überregionalem Terrain für den engagierten Verein, der sich bislang hauptsächlich als Durchführer von Bezirksveranstaltungen in Szene setzte, war jedenfalls gelungen. Auch die Sieger und Platzierten dürften den Standort in guter Erinnerung behalten, nicht nur wegen des überreichten Schlossgartenhonigs aus Angelbachtal.

Bericht: Thomas Holzapfel

Fotos: Volker Arnold

Eine Bildergalerie mit einer Auswahl der insgeamt 3.300 (!) geschossenen Fotos folgt im Laufe der Woche.

 

Die Sieger

Damen-Einzel: Alexandra Schankula (DJK Sportbund Stuttgart)

Herren-Einzel: Florian Bluhm (SU Neckarsulm)

Damen-Doppel: Amelie Fischer/Lea Lachenmayer (TTG Süßen/ESV Weil)

Herren-Doppel: Vladimir Anca/Julian Mohr (SU Neckarsulm)

Mixed: Alexandra Schankula/Gerd Richter (DJK Sportbund Stuttgart/SC Staig)

Einzelergebnisse BaWü-Einzelmeisterschaften Damen/Herren 2024

click-TT–Turnierkalender: Ergebnisse Baden-Württembergische Einzelmeisterschaften Damen/Herren

Siegerehrung Herren Einzel: 1. Florian Bluhm, 2. Gerd Richter, 3. Tom Eise
Siegerehrung Damen-Einzel: 1. Alexandra Schankula, 2. Lea Lachenmayer, 3. Julia Kaim
Siegerehrung Herren-Doppel: 1. Vladimir Anca/Julian Mohr, 2. Florian Bluhm/Daniel Kleinert, 3. Manuel Prohaska/Gerd Richter
Siegerehrung Damen-Doppel: 1. Amelia Fischer/Lea Lachenmayer, 2. Antonia Bernhard/Julia Kaim, 3. Alexandra Schankula/Elisa Nguyen, Melissa Friedrich/Isabelle Schütt
Siegerehrung Mixed: 1. Alexandra Schankula/Gerd Richter, 2. Kathrin Hessenthaler/Julian Mohr, 3. Alexandra Kaufmann/Tom Eise und Antje Böhm/Samuel Schürlein
Alexandra Schankula Sekunden nach dem Match-Titel-Ball
... und beim Aufschlag
Die Mixed-Sieger Alexandra Schankula/Gerd Richter
Antonia Bernhard/Julia Kaim (SSV Schönmünzach) gewannen Silber.
Die Viertplatzierte Elisa Nguyen (TTV Ettlingen) mit Betreuer Jannis Nonnenmann
Silber für Daniel Kleinert/Florian Bluhm
Florian Bluhm nach seinem Finalsieg
... und beim Aufschlag
... und bei der Abwehr
Gerd Richter spielte eine Woche nach den Senioren-Meisterschaften erneut ein Riesenturnier.
... und beim Vorhand-Spin.
Kathrin Hessenthaler/Julian Mohr wurden erst im Mixed-Finale gestoppt.
Julian Mohr/Vladimir Anca (SU Neckarsulm) siegten souverän im Herren-Doppel.
Julia Kaim und Antonia Bernhard holten Silber im Damen-Doppel.
Shakehand nach dem Damen-Finale zwischen Lea Lachenmayer und Alexandra Schankula.
Lea Lachenmayer und Amelie Fischer heißen die neuen Titelträgerinnen im Damen-Doppel.
Nach zwei Matchbällen im Finale Silber im Damen-Einzel: Lea Lachenmayer (ESV Weil)
Shakehand nach dem Damen-Doppel-Finale
Tim Eise (DJK Offenburg) bot starke Vorstellungen und wurde Dritter. Im Halbfinale gegen den neuen Meister Florian Bluhm unterlag er erst 7:11 im 5. Satz.

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