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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Hongi Gotsch führt SV Böblingen-Bundesliga-Team auch 2021/22

Hoffnung auf eine weniger sorgenbehaftete Saison

Genau ein Vierteljahrhundert ist Qianhong Gotsch inzwischen für die SV Böblingen im Einsatz, 21 Jahre davon im Bundesliga-Oberhaus. Wo der Verein ohne ihren damaligen Glücksgriff aus dem Reich der Mitte heute stehen würde, kann nur gemutmaßt werden. Fakt ist: Nach wie vor ist die SVB in der ersten Liga ohne ihre Kultspielerin nur die Hälfte wert. Dementsprechend sehnen in der Kreisstadt alle die Rückkehr von „Hongi“ Gotsch herbei. Und es gibt Anlass zur Hoffnung.

Den Beweis, dass das Team auch ohne die mittlerweile 52-jährige Topspielerin Qianhong Gotsch konkurrenzfähig ist, sind die Bundesligafrauen der SV Böblingen bislang noch schuldig geblieben. Zwar qualifizierte man sich in der Schlussphase der Saison noch für die PlayOff-Spiele, doch setzte es dort gegen Langstadt zwei empfindliche Niederlagen (1:7, 0:8). Ergebnisse mit derart klarem Ausgang gab es in den letzten Jahren nur selten, was meistens daran lag, dass Qianhong Gotsch am vorderen Paarkreuz eifrig punktete. In der nunmehr abgeschlossenen Bundesliga-Saison bilanzierte Gotsch mit einer 7:3-Bilanz in den Einzeln, bis dann nach Beendigung der Vorrunde aus persönlichen Gründen frühzeitig der Vorhang fiel. Zu groß waren im weiteren Verlauf die Corona-Bedenken im Hause Gotsch, auf Grund einer Vorerkrankung sah sich die Abwehrspielerin im Ansteckungsfall mit dem Virus einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt, eventuell mit einem schweren Verlauf der Krankheit kämpfen zu müssen. Nach Absprache mit den Vereinsverantwortlichen entschied sich das Urgestein dafür, in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr anzutreten. Am Ende, nach dem Aus in den PlayOff-Spielen, war SVB-Manager Frank Tartsch sichtlich erleichtert, einen Schlussstrich unter eine letztendlich unattraktive Spielzeit gezogen zu haben: „Ohne Zuschauer, ohne Doppel und ohne Hongi Gotsch machte es am Ende nur noch begrenzt Freude, wenngleich es natürlich vor allem für unsere jungen Kaufmann-Schwestern gut war, dass sie weiter Wettkampfpraxis erhielten.“ Die Hoffnung galt laut Tartsch einer neuen Saison mit der langjährigen Nummer eins, „die dann hoffentlich geimpft sein wird.“

Dementsprechend muss sich der Böblinger Manager nach aktueller Sachlage keine Sorgen machen. Qianhong Gotsch, zuletzt auch auf der Impf-Prioritätenliste, lässt sich in diesen Tagen das zweite Mal impfen. „Wenn dann nach weiteren zwei Wochen die vollständige Immunität gegeben ist, lege ich auch wieder mit dem Training los“, sagt die Gärtringerin, die in den letzten Monaten auf alle „Nice to have“-Aktionen verzichtete und die Kontakte, so gut es eben ging, minimierte. „Was mir vor allem zuletzt fehlte, waren die sportliche Bewegung und das Treffen mit den Teamkolleginnen“, bekennt die 52-jährige, die zuletzt im Dezember-Heimspiel gegen Kolbermoor einen Schläger in der Hand hielt. Mit Krafttraining und Ergometer hielt sich die SVB-Ikone fit, Langweile kam bei ihren zahlreichen Aktivitäten mit der Familie oder im Gärtringer Gemeinderat sowieso nicht auf.

Ab Mitte Juni startet bei Qianhong Gotsch sozusagen die lange Phase der Saisonvorbereitung. „Der Sommer muss dann ein Stück weit für intensiveres Training genutzt werden, um den Trainingsrückstand wieder aufzuholen“, schildert sie ihr Vorhaben. Und fügt hinzu, dass sie durchaus in der Lage sein dürfte, noch einmal an ihre Bestform anzuknüpfen. „Meine früheren Erfahrungen nach den Wiedereinsteigen, insbesondere nach meinen Schwangerschaften, zeigen, dass dies möglich ist“, meint sie. Zudem freut sie sich schon jetzt auf die neue Saison. Aus zweierlei Gründen. „Natürlich muss man die Entwicklung trotz Impfungen und sinkenden Inzidenzen weiter abwarten, aber ich hoffe auf eine weniger sorgenbehaftete Spielzeit, in der wir auch wieder Zuschauer in der Halle begrüßen dürfen. Zudem dürfte das kommende Spieljahr auch sportlich äußerst reizvoll werden.“ Gotsch spielt dabei auf die Rückkehr von Doppelpartnerin Rosalia Behringer und die beeindruckende Entwicklung von SVB-Küken Annett Kaufmann an. „Wenn dann Mitsuki Yoshida am hinteren Paarkreuz aufgeboten werden kann und wir auch zwei gute Doppel aufbieten können, sollte unser Team für fast jeden Gegner eine harte Nuss darstellen.“

Einen möglichen Motivationsverlust nach der langen Coronapause weist Qianhong Gotsch kategorisch von sich. „Es kribbelt schon noch, die Motivation ist jetzt deutlich größer als zur Situation am Jahresende 2020“, sagt die ehemalige Weltranglistenfünfte und Olympiateilnehmerin von Sydney. Und wie sieht es mit den Gedanken um ein Karriereende aus? „Klar, das geht einem schon immer mal wieder durch den Kopf, aber das ist schon seit einigen Jahren so. Den richtigen Zeitpunkt muss man spüren, natürlich wird der Tag irgendwann kommen. Ende 2021 werde ich entscheiden, ob es weitergeht.“ Zumindest über das Wie ist sich Gotsch seit längerem im Klaren. „Wenn Schluss ist, dann mit einem klaren Schnitt. Ein scheibchenweises Herunterreichen in tiefere Klassen oder in den Hobbybereich wird es nicht geben.“

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Die SV Böblingen wird in unveränderter Aufstellung mit Qianhong Gotsch, Annett Kaufmann, Mitsuki Yoshida, Rosi Behringer und Alexandra Kaufmann in die neue Bundesliga-Saison gehen. Die 19-jährige Alexandra bemüht sich aktuell um einen Studienplatz in Baden-Württemberg. Nur noch an der Spielfeldumrandung in Betreuerfunktion wird man Xu Yanhua zu Gesicht bekommen, die 54-jährige kann aufgrund ihrer Kniebeschwerden nicht mehr in der Bundesliga spielen.

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Folgende Vereine spielen in der Saison 2021/2022 in der Bundesliga: ttc berlin eastside, SV DJK Kolbermoor, TSV 1909 Langstadt, TSV Schwabhausen, ESV Weil, SV Böblingen, TTG Bingen/Münster-Sarmsheim und Aufsteiger TTC 1946 Weinheim. Da die Sollstärke in der Liga erreicht ist, wird es dann auch wieder einen zu ermittelnden Absteiger geben.

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Qianhong „Hongi“ Gotsch

  • geboren 7.9.1968 in Tianjin (China)
  • chinesische Tischtennis-Jugendmeisterin 1985
  • chinesische Einzelmeisterin 1986
  • Studentenweltmeisterin im Einzel 1987 in Sofia (Bulgarien)
  • 1991 siedelt sie nach Deutschland über, erste Spiele für die SV Böblingen
  • 1996 Heirat mit Ingo Gotsch
  • seit 1998 deutsche Staatsbürgerin, Wechsel zum TSV Betzingen
  • 1999 Mitglied der deutschen Nationalmannschaft
  • 2003 Rückkehr zur SV Böblingen
  • Beste Bundesligaspielerin in den Jahren 1992, 1994, 1995, 1997, 2007

im Trikot der SV Böblingen, unter anderem mit einer 51:1-Bilanz

in der Saison 1991/1992; Vorrunde 2007/2008 mit 15:0-Bilanz

  • Gewinnerin Swedish Open 1998 (Pro Tour-Weltklasseturnier)
  • Platz 5 bei der Mannschafts-WM in Malaysia
  • Gewinnerin Europe Top 12 Split (Kroatien) 1999
  • Gewinnerin Austrian Open 1999 (Pro Tour-Weltklasseturnier)
  • Zum zweiten Mal Gewinnerin Europe Top 12 Alassio (Italien) 2000
  • Deutsche Meisterin Magdeburg 2000
  • Europameisterin Einzel Bremen 2000
  • Vize-Europameisterin Mannschaft Bremen 2000
  • beste Weltranglistenplatzierung: 4
  • Platz 5 bei Olympiade Sydney 2000 (Einzel), danach beendet sie ihre internationale Karriere
  • Gewinn des Europapokals mit dem TSV Betzingen Mai 2001
  • 4-maliger Gewinn Ladies Cup Backnang

Bericht: Thomas Holzapfel

Fotos: Volker Arnold

 

 

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