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Pressemitteilung  

Elmar Stegmann

Aus der Serie: Was macht eigentlich...?

WM-Medaille und Europacup-Sieg – einer der ganz Großen beim Sportbund

Spricht man in Stuttgarter Tischtenniskreisen über vergangene Erfolgsspieler und Triumphe, kommt man an Elmar Stegmann nicht vorbei. Der heute 85-jährige Freiberger war einer von bislang drei deutschen Nationalspielern beim PSV Stuttgart und im Anschluss daran beim Sportbund. Zudem ist sein Name fest verbunden mit dem Gewinn des Europapokals in der Spielzeit 1964/1965, dem wohl größten Erfolg in der Vereinsgeschichte des Sportbunds. Ein Gespräch mit Elmar Stegmann ist zugleich ein Eintauchen in vergangene Zeiten, die mit den heutigen wohl nur noch ansatzweise zu vergleichen sind.

Elmar Stegmann war mehr als nur eine Tischtennisgröße, als er 1964 den Wechsel vom PSV zum Sportbund vollzog. Zu diesem Zeitpunkt konnte er bereits zahlreiche Erfolge wie den deutschen Pokalsieg und – über allem stehend – den dritten Platz mit der Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Prag feiern. Keine Frage, Stegmann war auf dem Zenit seines Tischtennis-Schaffens angekommen. Auf Initiative von Heinz Harst konnte der damals 29-jährige zu einem innerstädtischen Wechsel animiert werden. Im neuen Trikot setzte sich die Erfolgsserie nahtlos fort: Mit den Teamkollegen Peter Grieb, Heinz Harst, Ernst Kegreiss, Rainer Köchling, Richard Peycke, Peter von Klaudy und Günter Stierle wurde man Vizemeister im damaligen Oberhaus der Oberliga, Mannschafts-Meister in Württemberg und darauf folgend auch in Süddeutschland.

Krönender Höhepunkt war 1964/1965 der Gewinn des ETTU-Pokals, der damals noch „Europäischer Messestadt-Pokal“ hieß. Kurioserweise in einem Stadtderby gegen Stegmanns Ex-Klub PSV Stuttgart konnte das Trio Stegmann, Harst und von Klaudy - wohlgemerkt als erste deutsche Mannschaft – den Wettbewerb auf internationaler Ebene für sich entscheiden. Im Folgejahr schaffte man noch einmal den Sprung ins Endspiel, in dem man allerdings Slavia Prag unterlag. Auf regionaler Ebene bleibt das Finale des württembergischen Pokals unvergessen, in dem sich der Sportbund 1967 trotz zweier Einzelerfolge von Elmar Stegmann knapp mit 3:5 dem Favoriten aus Reutlingen geschlagen geben musste. Diverse Versuche mit dem Verein, sich für die neu gegründete Bundesliga zu qualifizieren, scheiterten im Lauf der folgenden Jahre. „Heute kann man sagen, dass der Nichtaufstieg in die Bundesliga für den Verein ein Segen war“, kann man in einem früheren Bericht von Vereinskollege Eugen Vetter lesen, der dies mit einer möglichen Überforderung des Vereins hinsichtlich der einsetzenden Professionalisierung im deutschen Tischtennissport begründete.

Rückblende: Geboren 1935 in Vöhringen im Kreis Neu-Ulm, sah sich Elmar Stegmann im Laufe seiner Jugendjahre mit den Wirrungen in der Zeit des Nationalsozialismus konfrontiert. „Mein Vater war bei der Polizei und wurde öfters versetzt“, erinnert sich Elmar Stegmann noch gut, „dies hatte zur Folge, dass wir auch in Polen wohnten, wo ich auf eine deutsche Schule ging. Nach einem mehrwöchigen Fußmarsch ging es nach Kriegsende mit der Familie über das bayerische Hof bis nach Augsburg und im Dezember 1948 landeten wir in Neu-Ulm.“ Der Fußball war Stegmanns größte Leidenschaft, beim TSV 1880 Neu-Ulm fand er dabei viele Mitstreiter. „Darf man hier mal ein paar Schläge machen“, fragte er eines Tages die Tischtennisspieler im anliegenden Vereinsheim, auf die er durch das regelmäßig schallende „Ping“ und „Pong“ aufmerksam wurde. „Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber irgendwann hatte ich dann einen Spielerpass“, erzählt Elmar Stegmann, der sich im Alter von siebzehn Jahren offiziell dem Vereinstischtennis zuwandte. „Dennoch hatte der Fußball noch eine Zeitlang oberste Priorität. So zog ich in den Tischtennis-Punktspielen am Sonntagvormittag meine Einzel vor, da meine Fußballkameraden bereits ungeduldig an der Hallentür warteten, um mich zum Kicken abzuholen.“ Dennoch wurde Elmar Stegmann recht schnell ein mehr als nur passabler Tischtennisspieler, bei dem sich schnell die Erfolge einstellten. Über den TSV 1880 Neu-Ulm ging es 1954 zum TSV Illertissen, 1956 zum SSV Ulm 1846 und vier Jahre später zum PSV Stuttgart. Die dortigen Verantwortlichen um Erwin Lutz und Georg Bannthaler verschafften dem Mittzwanziger eine Arbeitsstelle bei Siemens, wo er vierzig Jahre lang seinen Mann stand. „Die Arbeitsstelle hatte bei mir immer oberste Priorität“, sagt der gelernte Großhandelskaufmann – und denkt gerne an seine Zeiten in der Zollabteilung zurück, wo er es als Abteilungsleiter mit Niederlassungen auf der ganzen Welt zu tun hatte.

Im Tischtennissport hielt Elmar Stegmanns Höhenflug zu Beginn der 1960er-Jahre weiter an. „Ich habe nach der Arbeit eigentlich jeden Tag trainiert“, sagt Stegmann, dessen Spiel äußerst vorhand-geprägt war. Der Journalist Guido Dobbratz erwähnte in einem Bericht, dass „Stegmanns Beinarbeit jedem Boxer zu Ehren reichen würde.“ 1962 wurde Stegmann erstmals württembergischer Meister und erhielt vom DTTB eine Einladung ins Nationalteam. „Sieben Mal war ich für die deutsche Mannschaft offiziell im Einsatz, Höhepunkt war natürlich das WM-Turnier. In Prag ging es gegen Brasilien, Frankreich und Indonesien.“ Stegmanns Anteil am Gewinn der Bronzemedaille war mit einer 3:2-Einzelbilanz nicht unerheblich. „Die Medaille habe ich natürlich noch, sie hat einen ganz besonderen Platz in unserem Haus“, sagt der 85-jährige. Mit dem PSV bezwang er 1963 im Endspiel des deutschen Pokalwettbewerbs den scheinbar übermächtigen TuSA Düsseldorf mit 5:2, wobei ihm ein wichtiger Erfolg über Eberhard Schöler gelang. In der deutschen Rangliste war Elmar Stegmann zu dieser Zeit auf Position drei notiert, hinter VfB-Torhüter Günter Sawitzki belegte er bei der Proklamation zu „Stuttgarts Sportler des Jahres“ den zweiten Platz.

Die Zeit in der Landeshauptstadt – zuerst beim PSV, dann beim Sportbund – fand 1969 ein Ende, als Elmar Stegmann „das allerbeste Stück meines Lebens“ (Zitat) kennenlernte. Der Traum vom Eigenheim ließ sich in Stuttgart nicht verwirklichen, so dass er mit Freundin (und später Ehegattin) Marion den privaten Standort nach Ludwigsburg verlegte und zugleich zu Oberliga-Aufsteiger SV 07 Ludwigsburg wechselte. Im Seniorenbereich fuhr Stegmann dann noch zahlreiche Erfolge ein, dabei ragt vor allem die dreimalige deutsche Vizemeisterschaft im Mixed mit der Botnangerin Christel Widmann und der Saarbrückerin Ella Lauer (2) heraus. Mit siebzig Jahren beendete der Freiberger auf Grund von langwierigen Schulterproblemen seine Karriere. Gut und gerne 300 Urkunden hat Elmar Stegmann seitdem zuhause in einem großen Karton verstaut, fünfzig Pokale und noch mehr Medaillen sind im Ehrenschrank gut aufgehoben. Stegmann abschließend: „Auch wenn ich mich mehrere Monate im Jahr in unserem kleinen Häuschen in Spanien aufhalte, interessiere ich mich immer noch viel für den Tischtennissport, lese alle Berichte, auch im Internet. Was meine Vereine angeht, war ich mit allen zufrieden, aber der Sportbund Stuttgart war auf Grund des Vereinsklimas und des tollen Verhältnisses mit allen Mitgliedern irgendwie nochmal etwas ganz Besonderes.“

Text: Thomas Holzapfel  Fotos: privat

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