Wettkampfsport

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Hintergrundbericht: Deutsches Liebherr Pokalfinale 2020

Sieben TTBW – und drei BTTV Schiedsrichter

Meist stehen für Hallensportler die Highlights ihrer Sportart im Frühjahr, Sommer oder Herbst an. Die zehn Schiedsrichter von TTBW und des BTTV dagegen hatten ihren großen Auftritt gleich zu Beginn des neuen Jahres beim Liebherr Pokal – Final – Four der Herren in der Neu – Ulmer Ratiopharm – Arena. Diese liegt zwar auf bayrischem Gebiet, gehört aber noch zum Verbandsgebiet TTBW. Auch wenn der TT – Bundesligist TTC Neu – Ulm aus anderen Gründen beim BTTV gemeldet ist.

Das Liebherr Pokal – Final – Four ist immer eine tolle Gelegenheit die sich kein Schiedsrichter entgehen lassen möchte. Alle schwärmen zurecht von der so besonderen Atmosphäre, der unglaublichen Spannung, der Dramatik und diesem lange anhaltenden, so unbeschreiblichen Gänsehautmoment wenn die Schlachtenbummler und Zuschauer ihre Mannschaften und Spieler anfeuern. Diesmal war es noch eine Nummer besser. Das Beste dabei, die Schiedsrichter sind ganz vorne in der Box mittendrin dabei.

Richtig breitwillig nahmen die TTBW – und  BTTV – Schiedsrichter Gerhard Schnabel (OSR/BTTV), Martin Reinauer (Materialtest/TTBW), Sven Weiland (Technik/TTBW), Bernadette Schelle (BTTV), Jutta Gronen (TTBW), Dr. Tobias Wille (BTTV), Melanie Timke, Lukas Eichhorn, Andreas Kopp (alle TTBW) am 04. Januar schon ganz früh am Morgen die Reise zum Final – Four in Angriff.

Richtig früh aufstehen und zeitig starten hieß es dabei für alle. Lukas Eichhorn beispielsweise musste schon kurz nach fünf Uhr aus den Federn und um 6.15 Uhr nach Neu-Ulm aufbrechen. Allen anderen Schiedsrichtern erging es jedoch auch nicht anders. Das wirklich Gute diesmal aber war, dass die Straßen wenigstens frei waren und auch kein Schnee lag. Kaum in der Ratiopharm – Arena angekommen, ging es daran alles genau zu überprüfen und für optimale Spielbedingungen zu sorgen. Auch wenn der eine oder andere erst einmal einen Kaffee getrunken hätte. Die gewissenhafte Vorbereitung auf das Final – Four hatte eindeutig Vorrang. Es galt die Rahmenbedingungen in der Halle, die Boxengrößen, die Tische und Netze sowie viele weitere Dinge genau zu überprüfen und vorzubereiten. Erst später, als die Zuschauer schon in die Halle strömten, war nun endlich auch Zeit um noch ein wenig zu entspannen, genüsslich einen Kaffee zu trinken und sich mental auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. Obwohl allesamt gestandene und wirklich erfahrene Referees sind, machte sich jedoch beim einen oder anderen, je näher der Beginn heranrückte etwas Lampenfieber, Nervosität und vereinzelt feuchte Hände bemerkbar. Die war dann aber beim betreten der Box sehr rasch verflogen.

Das Pokal – Finale ist schließlich nicht nur für die Zuschauer, sondern auch die Spieler und Schiedsrichter einer der Höhepunkte im Jahreslauf. Für einige stehen dieses Jahr allerdings noch weitere Höhepunkte wie die Olympischen Spiele, die Weltmeisterschaften und der Weltcup an. Oberschiedsrichter Gerhard Schnabel (Deputy Referee) und Schiedsrichterin Bernadette Schelle (Nationale Schiedsrichterin seit 2011) beispielsweise sind bereits Ende Januar bei den German Open in Magdeburg erneut wieder im Einsatz. Gerhard Schnabel ist dabei einer der am längsten aktiven Schiedsrichter. Seine Einsätze als Internationaler Oberschiedsrichter (seit 2002) führten ihn schon in die ganze Welt. Fast alle Kontinente und auch alle möglichen Veranstaltungen wie Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Weltcups, usw. durfte er durch seine „Hobby“ als Schiedsrichter schon besuchen und richtig viele tolle Erfahrungen sammeln. Trotz allem war aber auch das Pokal – Final – Four in Neu – Ulm, für den ehemaligen Vorsitzenden des ETTU - Schiedsrichterkomitees eine Premiere, denn es war sein allererstes. Ganz unglaublich eigentlich für jemanden, der schon auf über 25 Deutschen Meisterschaften im Einsatz war. Jederzeit Herr der Lage, gelassen und trotzdem voll Konzentriert brachte er mit toller Unterstützung seiner Kolleginnen und Kollegen die Veranstaltung völlig Reibungslos über die Bühne. Damit stehen jetzt nur noch die Olympischen Spiele auf seiner Wunschliste und harren darauf endlich abgehakt zu werden. Bernadette Schelle, Bayerns erste Internationale Schiedsrichterin (seit 2016) und Dr. Tobias Wille (ebenfalls BTTV), mit seinem bereits dritten Einsatz beim Final – Four komplettierten die bayrische Abordnung der Schiedsrichter. Beide waren von der großen Zuschauerresonanz stark beeindruck und hellauf begeistert von der tollen Atmosphäre. Dr. Tobias Wille (seit 2018 nationaler Schiedsrichter) kannte das ja schon, verspürte aber erneut ein großes „Kribbeln“ vor seinem Einsatz. „Dies ist immer ein wirklich besonderer Moment“, befand er. Materialtester Martin Reinauer (TTBW – seit 1994 nationaler und seit 2004 internationaler Schiedsrichter) dagegen freute sich besonders, dass er keinen Grund fand etwas zu beanstanden. „Alles hat toll gepasst. Wirklich alle Schläger waren komplett in Ordnung“, meinte er gut gelaunt. „Das macht mich aber nicht überflüssig, sondern zeigt nur, dass die Maßnahmen greifen und sich auch alle daran halten. Wer weiß wie es sonst aussehen würde“ führte er weiter aus. Auch Sven Weiland (Technik) sonst für den Schiedsrichtereinsatz bei großen Turnieren verantwortlich, ruhte in sich selbst. Bei nur 2 Tischen und einem überschaubaren Pensum, gab es nichts was zu Sorge Anlass gegeben hätte. Mit ausschlaggebend dafür ist auch seine wirklich große Erfahrung mit solchen Turnieren. Jutta Gronen (TTBW – seit 2015 nationale – und seit 2018 internationale Schiedsrichterin) und Melanie Timke (seit 2014 nationale Schiedsrichterin und Ausbilderin in TTBW) sind beide vor solch großen Turnieren immer noch ein klein wenig nervös. Was aber an der so großen Zuschauerresonanz (über 4600 Zuschauer in Neu – Ulm) liegt. „Auch der Einmarsch in die Halle, mit Vorstellung der Spieler und einer Lichtershow sorgt dabei immer für einen ganz besonderen Moment“, meinen beide. Ebenfalls Tischtennis im Blut haben die TTBW - Schiedsrichter Lukas Eichhorn (nationaler Schiedsrichter seit 2014 und Schiedsrichter – Ausbilder) und Andreas Kopp (nationaler Schiedsrichter seit 2009 und Vorsitzender im TT-Bezirk Böblingen seit 2018) die beide bereits zum dritten Mal in Neu – Ulm zum Einsatz kamen. Dieses wirklich richtig einmalige Flair und die unglaubliche Spannung des Pokalfinales fasziniert beide Refeeres erneut ganz enorm. „Das ist wirklich ein Highlight schlechthin“, sind beide überzeugt. Nicht immer sind die Schiedsrichter, die mit ganzem Herzen dabei sind, vor einer so großen Anzahl Zuschauer im Einsatz. Auch geht es wegen des Berufs nicht immer. Trotzdem sind alle hier eingesetzten Schiedsrichter stets gern auch bereit neue Aufgaben und Turniere in Angriff zu nehmen, auch im Ausland. Gerhard Schnabel gilt allen dabei als Vorbild. Wirklich froh waren dann aber trotzdem alle, als kurz nach 18 Uhr mit der Siegerehrung die Veranstaltung fehlerfrei zu Ende ging und die Teilweise lange Heimreise angetreten werden durfte. Glücklicherweise schlossen sich ja noch zwei freie Tage zur Erholung an. Den Einen oder Anderen von ihnen wird man dann ja 2021 vielleicht wieder in Neu – Ulm sehen. Die Planungen dazu jedenfalls laufen ja schon.

Text & Fotos: Hans-Peter Wörtz

Andreas Kopp

Lukas Eichhorn

Bernadette Schelle

links Dr. Tobias Wille & rechts: Jutta Gronen

Melanie Timke

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