Wettkampfsport

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Baden-Württembergisches Schiedsrichterteam bei den Weltmeisterschaften in Düsseldorf

Eindrücke von einer Veranstaltung der besonderen Art

Dass eine Großveranstaltung wie die Tischtennis-Weltmeisterschaften in Düsseldorf nicht nur für die teilnehmenden Akteure und die Organisatoren aus dem Gastgeberland einen echten Höhepunkt darstellen, belegen die Rückmeldungen der zahlreichen Schiedsrichter aus Baden-Württemberg. Insgesamt siebzehn Unparteiische aus der Region waren bei der Heim-WM im Einsatz – und hatten viel zu erzählen.

Bei dieser großen Anzahl an teilnehmenden Schiedsrichtern lag im Nachgang nichts näher, als dieses Top-Event einmal etwas näher zu beleuchten – und die Damen und Herren hinter dem Zählgerät nach ihren Eindrücken und Erlebnissen zu befragen. Insgesamt waren 145 Schiedsrichter in Düsseldorf im Einsatz, davon kam etwa ein Drittel aus dem Ausland (aus 43 Nationen). Ebenfalls dabei waren zwanzig deutsche Schiedsrichter mit Blue Badge-Status. Lukas Eichhorn ist als internationaler Schiedsrichter mit seinen 30 Jahren einer der Jüngeren aus der Gilde. Der Ressortleiter Schiedsrichter aus dem TTVWH-Bezirk Hohenlohe fand es beeindruckend, dass das „vielköpfige Team der Schiedsrichter trotz der zuweilen vorhandenen Sprachbarrieren in der Lage ist, gemeinsam auf hohem Level Spiele zu leiten.“ Der Ressortleiter Schiedsrichter im Bezirk Hohenlohe hatte Einsätze in der Haupthalle und an den Showcourts in Halle 2,  unter anderem leitete er das Erstrundenspiel der späteren Vizeweltmeisterin Zhu Yuling. Weiterer Höhepunkt war eine „eingelegte Spätschicht“ in der Haupthalle, in der er die späteren Mixed-Weltmeister Maharu Yoshimura und Kasumi Ishikawa am Tisch hatte. „Das war insofern etwas Besonderes, dass diese Partie am Tisch für das japanische Fernsehen stattfand und beim Einsatz mehrerer Kameras sicherlich unter einem besonderen Fokus stand.“ In guter Erinnerung wird Eichhorn auch die gelebte Fairness unter den Sportlern bleiben, für die der Tischtennissport seit vielen Jahren steht. Lukas Eichhorn: „Ich hatte erlebt, wie ein Spieler auf eine Ballberührung am eigenen Trikot hinwies und den Punkt dementsprechend für den Gegner werten ließ.“     

Durchgehend einig war man sich im Schiedsrichter-Team, dass allein die WM schon etwas Besonderes darstellte. Die Veranstaltung bestach durch eine insgesamt professionelle Organisation. „Von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, lief die Einsatzplanung der Schiedsrichter reibungslos ab“, sagt Björn Thiele. Der stellvertretende Bezirksvorsitzende des Bezirks Ulm war ebenfalls als internationaler Schiedsrichter zu Gange und wollte am Ende keine Partie unter seiner Regie hervorheben. „Bei einer WM im eigenen Land sind doch alle Einsätze etwas Besonderes.“ Bemerkenswert fand er die Teamarbeit mit seinen Kollegen, unter anderem mit Verbandsressortleiter Martin Reinauer: „Das hat auf professioneller Ebene richtig Spaß gemacht.“ Ins selbe Horn bläst Kai-Uwe Krohmer, der Bezirksressortleiter Esslingen zeigte sich positiv angetan vom reibungslosen Ablauf. „Außergewöhnlich war auch, dass man zahlreiche Spiele der Exoten, also der kleineren Nationen, leiten durfte.“ Nicht ohne Stolz erwähnte Krohmer, dass gleich fünf Unparteiische aus seinem Heimatbezirk in Düsseldorf am Start waren. „Und natürlich war es schön, nach längerer Zeit mal wieder viele Kollegen und Kolleginnen aus dem In- und Ausland zu treffen“, so Krohmer weiter. 

Auch wenn bei vielen Schiedsrichtern an einen normalen Acht-Stunden-Tag nicht immer zu denken war (Sven Weiland: „Als Deputy Referee war ich oftmals der Erste, der in die Halle kam und der Letzte, der sie wieder verließ“), so blieb für die Schiedsrichter doch auch Zeit, Gespräche mit den Gleichgesinnten zu führen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam zu „fachsimpeln“. Diesen Bonus hob unter anderem Heike Mucha hervor. Die Vizepräsidentin des TTVWH gehörte als Blue Badge-Inhaberin zur Creme de la Creme der Schiedsrichter. Nach zahlreichen Topveranstaltungen in den vergangenen Jahren, darunter die Europameisterschaft 2009 in Stuttgart, die Weltmeisterschaften 2012 in Dortmund und 2014 in Tokio sowie zuletzt die Paralympics in Rio de Janeiro, stellten die Düsseldorfer Weltmeisterschaften ein weiteres „Highlight“ dar. „Als Schiedsrichter leitete ich das Halbfinale im Mixed sowie das Achtelfinale im Damendoppel, in dem gleich vier Spielerinnen aus den Top Ten aufeinandertrafen“, erzählt Mucha, „nicht nur da, sondern im Generellen gab es schon tolle Ballwechsel zu bestaunen.“

Die spielerische Qualität war es dann auch, die einige im Schiedsrichterteam (in Zuschauerrolle) ins Staunen brachte. „Schon Wahnsinn, was die Topspieler so drauf haben“, sagt Sibylle Maas, Verbandslehrwartin Südbaden, die als internationale Schiedsrichterin bereits bei zahlreichen Großveranstaltungen eingesetzt wurde und in Düsseldorf mit ihrem Team insgesamt 22 Mal aktiv war. Knifflige Situationen gab es während des Turniers keine. Sibylle Maas: „Ich bin nun bereits 21 Jahre lang Schiedsrichterin und hatte noch nie irgendwelche Probleme“. Als Zuschauer war auch Jürgen Schödel – wie viele Tischtennisfans auch - tief beeindruckt vom Endspiel des Herren-Einzelwettbewerbs. Der Verbandsschiedsrichterobmann des südbadischen Tischtennisverbands war ansonsten in hochrangiger Position als Blue Badge-Referee unterwegs.

Egal, ob nationaler oder internationaler Schiedsrichter, allein die WM-Atmosphäre zu schnuppern und Teil des großen Ganzen zu sein, stellte für den Großteil der Schiedsrichter das Außergewöhnliche dar. „Unsere Sportart Tischtennis wurde sehr gut präsentiert“, resümiert Heike Mucha. Dies bestätigt auch Werner Nüssle, stellvertretender Ressortleiter Schiedsrichter im Bezirk Böblingen: „Die Organisation war in allen Belangen vorzüglich. Der Einmarsch zu den Spielen in der Haupthalle mit Vorstellung der Spieler und einer Lichtershow sorgte immer für einen besonderen Moment“, meint der Bezirksligaspieler des VfL Oberjettingen. Letztendlich brachte es Jutta Gronen (TTVWH-Vizepräsidentin Sportentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit) auf den Punkt: „Die Atmosphäre war einmalig. Das Highlight für mich war, dass ich bei einer WM dabei sein durfte.“

Eine besondere Funktion übte in Düsseldorf Hans-Peter Wörner aus. Der im TTVWH für die Finanzen verantwortliche Funktionär hatte als „ITTF-Evaluator“ die reizvolle Aufgabe, internationale Blue Badge-Schiedsrichter bei ihrer Tätigkeit zu beobachten und letzten Endes auch zu bewerten. „Im Prinzip geht es darum, die Leistungen zu beurteilen und auch entsprechendes Feedback zu geben, um die Qualität der Arbeit weiter zu steigern.“ Wörner nahm unter anderem einen erfahrenen Unparteiischen unter seine Fittiche und stellte ihm für die Leitung eines bestimmten Spiels eine positive Beurteilung aus. „Lediglich die Aufschläge einer der Spieler waren etwas grenzwertig, was man auch beim Auswerten des Videomaterials erkennen konnte. Das Kuriose war: Wenige Stunden nach dem Spiel erhielt ich den Hinweis, dass der betreffende Schiedsrichter genau in diesem Spiel zwei gravierende Fehler gemacht hatte. So wurde das Ergebnis nicht korrekt auf dem Schiedsrichterzettel eingetragen und das Zücken einer gelben Karte wurde ebenfalls nicht vermerkt. So wurde es dann doch nichts mit der guten Bewertung für diesen Teil des Turniers.“ Negative Folgen hatte für einen Schiedsrichter zudem das Hochladen von Fotos und Kommentaren in den sozialen Medien. Wörner: „Dieser Schiedsrichter wurde in der Nacht vor dem Finaltag von seinem Einsatz suspendiert und musste sich über die verpasste Chance ärgern, bei einem Halbfinale oder Finale als Schiedsrichter zu agieren.“ Alles in allem waren sich die Evaluierer in Düsseldorf indes einig, dass das Niveau der deutschen Schiedsrichter, die zusätzlich zu den Blue Badge-Schiedsrichtern eingesetzt waren, sehr gut war. „Unterschiede waren hier teilweise kaum zu erkennen“, so Wörner. 

Große Freude kam bei Hans-Peter Wörner bereits einen Tag vor der WM auf, da er vom Internationalen Tischtennisverband ausgewählt wurde, zusammen mit einem Kollegen aus Malaysia die eintägige Schulung mit abschließender Prüfung für die neuen Blue Badge-Kandidaten durchzuführen. „Das war für mich der Höhepunkt, vom Umpire and Referee Committee der ITTF das Vertrauen geschenkt zu bekommen, diese wichtige Aufgabe auszuführen.“   

Bericht: Thomas Holzapfel
Foto: privat

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