Montag, 24. November:
Vieles brennt den Sportverantwortlichen unter den Nägeln
Sehr gut besuchte Videokonferenz zur künftigen Sollstärke in den Erwachsenen-Verbandsspielklassen, zu Mannschaftsgröße und Turnierlizenz
Von Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit
Das Präsidium hatte eingeladen – und viele, viele hatten sich zugeschaltet: Genau 92 Verantwortliche aus den Vereinen des Verbandsgebietes von TTBW nahmen vergangenen Montag an einer Videokonferenz zum Thema „Sport“ teil – eine mehr als respektable Teilnehmerzahl! Einführende Worte sprach Präsident Rainer Franke: Er freute sich sehr über die prima Resonanz wie auch über die Anwesenheit des kompletten Präsidiums – Beleg dafür, dass es sein Team ernst nehme mit der Aussage, dem Sport künftig eine hohe Priorität zu widmen.
Die Moderation lag dann bei Daniel Siegele (Freiburg), kommissarischer Vizepräsident Erwachsenensport, und seinem verantwortlichen Kollegen für den Jugendbereich, Matthias Grünenwald (Bietigheim-Bissingen). Satte zwei Stunden wurden Argumente mündlich (Mikro) und schriftlich (Chat) ausgetauscht – sehr engagiert, sachlich-konstruktiv und geprägt von hohem Sachverstand – Beleg dafür, dass wohl maßgeblich Leute aus der Praxis zugegen waren. Alle ebenfalls davon beseelt, der aktiven Tischtennis-Szene gute Ideen für die Zukunft zu liefern.
Die drei Themenbereiche wurden hintereinander abgearbeitet. Dabei fiel auf, dass es manchem Diskutanten alles andere als leicht fiel, sich auf eine bestimmte Richtung festzulegen – erst recht nicht, als der Vorredner gesprochen hatte. Hier die drei Themenkomplexe:
Thema Nr. 1: Künftige Sollstärke in den Verbandsspielklassen von TTBW
Daniel Siegele führte ins Thema ein: Es sei auffällig, dass seit Corona sich viele Spieler nicht mehr gerne für eine längere Tischtennis-Saison verpflichten wollen, sie hätten neben dem regelmäßig betriebenen Mannschaftssport noch ein anderes Leben für sich entdeckt. Das sei ablesbar an den immer zahlreicheren Mannschaften mit – im Laufe der Saison - zehn und noch viel mehr Mitspielern. So sahen es mehrere weitere Teilnehmer.
Umgekehrt: Wer angesichts von Plänen, die Sollstärke zu reduzieren, weiterhin viele Spiele gegen Leute aus anderen Vereinen bestreiten will, möge einfach die Vielzahl an Turnieren nutzen, so Siegele, wobei er auch klar sagte: „Wenn alle für 10er-Staffeln sind, werden wir auch das in der Zukunft weiter diskutieren.“ Eine gezielte Umfrage unter den Vereinen könnte zielführend sein, wie es auch mehrere Diskussionsteilnehmer formulierten.
Die Diskussion wogte hin und her. Folgende Pro- und Contra-Argumente für eine Reduzierung der Sollstärke – von zehn auf neun oder gar acht Teams – wurden vorgebracht:
- „Ja, es stimmt, wir haben immer mehr Leute, die nicht mehr zu hundert Prozent spielen wollen“, sagte jemand: „Acht Mannschaften“ wären eine perfekte Staffelgröße.
- Widerrede eines Teilnehmers: Im Fußball gebe es selbst auf Bezirksebene 15 Spiele pro Halbrunde: „Sind dann 18 Spiele pro Tischtennis-Saison wirklich zu viel?“
- Ein anderer: „Ich spiele Tischtennis seit 24 Jahren: Bei uns haben alle Bock, wie gewohnt zu spielen. Ich sehe keine Notwendigkeit, dass man etwas ändern müsste.“
- Ein jüngerer Spieler meinte: Für die Älteren sei der Mannschaftssport attraktiver als Einzelturniere, sie würden wohl eher die bestehende Regelung favorisieren. Matthias Grünenwald machte indes folgende Erfahrung: „Ältere Semester sind oft froh, wenn sie nicht mehr neunmal pro Halbrunde spielen müssen.“ So sah es auch ein Bezirksvorsitzender: Viele Ältere wären dankbar, wenn sie ein bisschen mehr Freizeit bekämen. Dem wollte wiederum ein anderer Teilnehmer nicht folgen: „Ich bin für 10er-Staffeln, obwohl ich kein Jugendlicher mehr bin.“
- Bezirke, sagte jemand, können ihre Sollstärke ohnehin selbst festlegen, es handele sich bei der aktuellen Diskussion um die überbezirklichen Spielklassen innerhalb des Verbandes.
- Referent Chris Kratzenstein (TTBW-Geschäftsstelle) teilte mit, dass in den Bezirken etwa zur Hälfte mit 10-er-Teams und zur anderen Hälfte mit 9er- oder gar 8er-Teams gespielt wird.
Thema Nr. 2: Erwachsenenteams künftig mit 6er- oder 4er-Mannschaftern?
Vizepräsident Daniel Siegele hat sich eingangs gleich festgelegt: „Wir müssen alles dafür tun, die 6er-Mannschaften zu halten.“ Gleich der nächste Wortbeitrag eines Teilnehmers pflichtete ihm bei – dabei gingen am Bildschirm zahlreiche Daumen hoch. Hier weitere Wortbeiträge:
- Der Teamgeist bei 6er-Teams sei größer als bei kleineren Mannschaften. Mannschaftsgedanke oder Gemeinschaftsgefühl würden bei 4er-Teams sicherlich verlorengehen.
- Das rief mehrere Verfechter der 4er-Teams auf den Plan: Man möge einfach mal den Blick ins Elsass werfen, dort seien 4er-Teams eine durchaus übliche Mannschaftsgröße. Ein anderer Teilnehmer wies zudem darauf hin, dass 4er-Teams in der Regel ausgeglichener besetzt seien „und alle Spieler zweimal drankommen“.
- Wieder ein anderer meinte: „Für kleinere Vereine mit ungefähr elf Spielern wird es immer schwieriger, den Spielbetrieb mit 6er-Teams aufrecht zu erhalten.“
- 4er-Teams seien „ökonomischer“ und „ökologischer“: Sie kämen mit einem Auto aus, warf jemand ein.
- Gewichtiges Gegenargument gegen die 4er-Variante: Die Vereine, sagte jemand, müssten mehr Teams melden, es könnte an Spieltagen zu „Hallenkapazitätsproblemen“ kommen. Genau dies befürchtet auch ein weiterer Diskussionsteilnehmer, der nach eigenen Angaben „seit 50 Jahren Tischtennis spielt“: Kleinere Teams bedeuten eben insgesamt pro Verein mehr Teams, was wiederum mehr Probleme bei der Hallenkapazität verursacht – „und bei der Suche nach Mannschaftsführern“.
- Einer meinte: „Wenn von einem 4er-Team ein wichtiger Spieler ausfällt, wäre dies schlimmer als beim 6er-Team.“
- Hat ein Verein personelle Probleme, möge er doch über eine Spielgemeinschaft nachdenken, warf jemand ein.
- „Insgesamt ein sehr schwieriges Thema“, warf ein Teilnehmer ein, der zudem meinte: „Was mich aufregt, ist, dass wir in Deutschland, vielleicht von der 1. Bundesliga abgesehen, kein einheitliches Spielsystem haben.“ Er jedenfalls sei für die 6er-Variante. Wobei es legitim wäre, ein Spielsystem einzuführen, „bei dem auch das hintere Paarkreuz zwei Spiele macht“ und nicht häufig unnötig lange warten müsse.
- Jemand verwies auf Bayern: Dort sei die 4er-Variante eingeführt worden – „doch sie funktioniert nicht mehr“. Die anfängliche Begeisterung sei „komplett verflogen“.
- Und wie meinte noch jemand: „Eigentlich sind neun Spiele pro Halbrunde zu wenig. Tischtennis lebt doch von Gemeinschaft.“
- Meinte abschließend noch jemand: Man könnte doch die 4er-Variante wählen, dabei aber in der jeweiligen Begegnung 4 bis 6 Spieler einsetzen: „Das brächte Würze rein.“
Thema Nr. 3: Turnierlizenz
Vizepräsident Daniel Siegele meinte: „Viele Spieler sind nicht bereit, sich eine Turnierlizenz zuzulegen.“ Als Gründe würden häufig genannt: Preis, Aufwand, Datenschutz. Der Verband werde bei nächster Gelegenheit den Antrag stellen, diese abzuschaffen. Siegele sprach damit offenbar den meisten an den Bildschirmen aus dem Herzen.
- Bei manchen Sportlern habe der Widerstand gegen die Turnierlizenz inzwischen schon Züge von „Denen da oben zeigen wir es mal“, fügte jemand hinzu. Andere legten sie sich „aus Prinzip nicht zu“.
- Heftige Kritik übten mehrere Konferenzteilnehmer an MyTischtennis: Die Performance sei alles andere als gut. Auch sei manches an dem Geschäftsmodell nebulös: Wo gehen nur die ganzen Daten hin? Wo gehen die Einnahmen hin? TTBW-Präsident Rainer Franke sicherte zu, eifrig nach Lösungen zu fahnden.
Franke dankte am Ende der Debatte seinen beiden Präsidiumskollegen für die umsichtige Moderation und versprach, die Kommunikation mit den Vereinen im Verband weiter zu vertiefen, auch mit der modernen – und für manchen vielleicht immer noch etwas gewöhnungsbedürftigen Form der Videokonferenz: „Wir werden das jedenfalls wiederholen!“ Die Vereine sollen unbedingt das Gefühl haben, gehört zu werden.
Dienstag, 25. November:
Videokonferenz Sportentwicklung
„Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung in der Grundschule“ und „Sportentwicklung für Vereine“ waren die beiden Themen der Videokonferenz „TTBW-Sportentwicklung“. 18 Mitarbeiter aus Vereinen sowie dem Präsidium engagierten sich 70 Minuten. Zunächst folgten sie den Ausführungen des Experten Dr. Philipp Rosendahl (Württ. Landessportbund) zum Start des verbindlichen Ganztages am 1.07.2026 in den ersten Klassen der Grundschulen. Dargestellt wurden Faktoren des Gelingens solcher Schul-AGs, Kooperationsmöglichkeiten zwischen Schulen und Vereinen, Qualifizierung von Trainer-Personal („Bewegungscoach“) sowie Finanzierungsmöglichkeiten. Mit Blickrichtung auf die Umsetzung solcher Tischtennis-Angebote wurde anschließend zu aufkommenden Fragen diskutiert. TTBW wird das Thema weiterhin verfolgen und den Vereinen die wichtigsten Informationen weiterhin zukommen lassen.
Im zweiten Teil zu den Mitgliedergewinnungs-Maßnahmen gab zunächst Thomas Walter (Geschäftsführer Sportentwicklung) einen kurzen Überblick der vorhandenen Aktionen, damit Vereine Nachwuchs aus allen Zielgruppen gewinnen können. Ergänzend nannten die Teilnehmer bereits mit Erfolg praktizierte Maßnahmen: „14 neue Mitglieder durch TTBW-on-Tour, super!“, zeigte sich Joachim Süß begeistert. In der Kooperation „Schule/Verein“ sieht Marco König Potential, ebenso in der Organisation von Ferienprogramm-Tischtennis mit der Kommune/Stadt. Hubert Röderer sieht einen weiteren Erfolgsfaktor zum Beispiel in der Jugendarbeit, die Eltern mit ins Boot zu holen, sie ins Training einzubinden oder auch Elternturniere anzubieten. Dieses Thema der Helfer-Gewinnung sei enorm wichtig, weil häufig zu wenige Schultern zu viel leisten müssten. Um junge Mitglieder zu binden, leisten Sparringspartner-Programme durchaus wertvolle Dienste. Aussage eines Teilnehmers: „Wenn erwachsene Spieler/innen im Jugendtraining regelmäßig als Zuspieler aushelfen: Das ist sehr wirkungsvoll!“
Fazit: „Grundsätzlich finde ich es eine super Idee, diese Videokonferenzen“, so Georg Dlugosch. Von Verbandsseite war das Ziel trotz der sicherlich ausbaufähigen Beteiligung erreicht: Die Nähe und der fachliche Austausch zwischen dem TTBW-Präsidium und der Vereinsbasis sollte hergestellt und gepflegt werden. Das Hauptamt kann die im so geführten Dialog favorisierten Maßnahmen zur Unterstützung der Vereine umsetzen. Entsprechend wird der Hauptausschuss Sportentwicklung in seiner nächsten Sitzung am 11. Dezember die Ideen und Vorschläge dieser Videokonferenz besprechen und in ein Gesamtkonzept gießen.
gez. Thomas Walter

