Vergangener Dienstag, Seminarbeginn beim Vereins-Service-Tag, Thema: "Die Schläge der Weltspitze: Chop Block und Spin-Block" - "Sind wir wirklich richtig hier?" Myrna Frosch fragt ihren Trainerkollegen Lucas Handrick und prustet vor Lachen. Als aktive Landesklassen-Spieler können sich die beiden die Frage schon mal stellen, ob man da zur Zielgruppe gehört. Aber: Der gestrige Vereins-Service-Tag der ARGE Baden-Württemberg in der Sportschule Steinbach sollte ja den Blick weiten - vom Standort Baden-Baden in die weite Tischtennis-Welt ...
Teilnehmer aus Nah und Fern
60 Teilnehmer waren an diesem Dreikönigs-Feiertag gekommen, um Neues dazuzulernen und gleichzeitig die Hälfte für ihre Trainer-Weiterbildung zu absolvieren. Und sie kamen aus Nah und Fern. Die Nähe dieses dezentralen Vereins-Service-Tages - der zweite findet am 27. Juni im SpOrt Stuttgart statt - war für viele Teilnehmer aus dem Raum Offenburg/Baden-Baden die Chance für eine "Weiterbildung to go". Andere nahmen weite Wege auf sich, wie Maurice Hann (Eimsbütteler Turnverband). Der 34-Jährige engagiert sich innerhalb des Landesverbandes Hamburg im Para-Sport. Dort baut er zurzeit eine neue Gruppe mit Spielern auf, ist zudem als Jugendtrainer in seinem Verein tätig. Angereist mit dem Nachtzug ("alles pünktlich") kam er extra aus Hamburg. "Ich habe das mit zwei Tage Trainingslager in Stuttgart verbunden, die jetzt gemeinsam mit Trainerkollege Mozza Bojic mit einer Para-Gruppe auf dem Programm stehen", so Maurice Hann. Der "positiv Tischtennis-Verrückte", wie er sich selbst bezeichnet, und C-Trainer war erstmals bei einem solchen Weiterbildungstag in Sachen Tischtennis. "Der Vereins-Service-Tag hat ein sehr, sehr gutes Format, drei Seminare á zwei Stunden kompakt an einem Tag. Ich hatte für mich spannende Themen belegt: Beinarbeit, Technikverbesserung und Balleimertraining. Gerne hätte ich noch die Mental-Themen gemacht. Aufgefallen ist mir auch die sehr herzliche Atmosphäre hier in Steinbach, angefangen vom Empfang bei der Anmeldung bis zum Ablauf in den Seminaren."
Bedeutung der Veranstaltung - Bildung ist für das Präsidium wichtig
Das ständige Dazulernen, also Bildung, ist für die Personalentwicklung und damit die Entwicklung des Verbandes und seiner Mitarbeiter eine äußerst wichtige Komponente, sozusagen der Rohstoff der Verbandsarbeit. Denn: Die Teilnehmer des Vereins-Service-Tages wirken zum Großteil Woche für Woche in den Hallen ihrer Vereine als "Multiplikatoren" für viele Mitglieder des Tischtennisverbandes. Genau diese Bedeutung hob Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit, bei seiner Begrüßungsrede an die Teilnehmer hervor. Aus der Erfahrung seiner eigenen langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit stufte er den Vereins-Service-Tag als wichtige Veranstaltung ein und lobte das Engagement der Teilnehmer an diesem Tag - ganz im Sinne des Präsidiums und dessen Gestaltung der Verbandsarbeit.
Hochkarätige Referenten
Spannende Seminar-Inhalte wurden in der Sportschule des südbadischen Verbandes geboten. Präsentiert wurden diese von sechs bekannten Referenten.
Erstmals im Lehrteam am Start war Lisa Hörz (Dettingen). Sie bot das Thema "Mini-Athleten", das sie vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) übernommen hat, in ganz praktischer Form an. Die Teilnehmer tobten sich in der Rolle als Anfänger in kindgerechter Form regelrecht aus. Da fühlte sich der eine oder die andere sicherlich in den Schulsport zurückversetzt - immer mit der Zielrichtung, Tischtennis als eigene Sportart zu entdecken.
Ebenfalls zum ersten Mal dabei war Dr. Christof Armbruster, ehemaliger Handball-Europameister mit dem Jugend-Nationalteam und heute Studienleiter in Steinbach. Er bot das hoch spannende Thema "Neuro-zentriertes Training und neuro-muskuläres Krafttraining". Talent für Koordination zwischen Körper- und Gehirnfunktionen war bei den Übungen gefragt - auch das eine wichtige Voraussetzung, um gut Tischtennis zu spielen.
Morgens um halb fünf Uhr startete Michael Hagmüller an seinem Heimatort Starnberg, um rechtzeitig zum Seminarbeginn in Steinbach zu sein. Trotz Schneefalls kam er gut über die Alb. Er ist der bayerische Kollege von Frank Fürste als Leiter der Trainer-Aus- und -Fortbildung. In seinen Seminaren ging es um Fehlerkorrektur verschiedener Schlagtechniken sowie um das Balleimertraining. Hagmüller selbst demonstrierte typische Fehler wie fehlenden Unterarmeinsatz, Ellenbogen direkt am Körper und fehlende Gewichtsverlagerung beim VH-Top. Für die Trainer war es spannend, Methoden aufzuzeigen, diese Mängel zu korrigieren und dies anhand von Übungen mit den Teilnehmern in der Praxis auszuprobieren. Nicht nur Theorie also, sondern am Tisch war der Lerneffekt besonders groß.
Und noch ein Experte war am Start, Landestrainer Liu Liping, Koryphäe in Sachen Beinarbeit. Gemeinsam mit seinem Sohn Leo sowie Melina Du aus dem von ihm geleiteten Landesstützpunkt Karlsruhe-Schöneck wurden zahlreiche Schrittfolgen ausführlich demonstriert. Die Seminar-Teilnehmer hatten anschließend alle Hände, nein Füße, damit zu tun, keine Knoten in diese zu bekommen. Eine gute Basis für hochklassiges Tischtennis ist Beinarbeit auf diesem Niveau jedenfalls, wie die Erfolge von Lipings Stützpunkt-Training auf deutscher und internationaler Ebene beweisen.
Ein FAchmann ganz anderer Art ist Dirk Lion. Als Mental-Privatcoach beruflich tätig, betreut er unter anderem den Weltklasse-Mann Benedikt Duda. "Mentale Stärke" war das zentrale Thema seiner Seminar-Themen. Diese wichtige Komponente des Tischtennissports liefert den Teilnehmern Tricks und Kniffe, die auch für deren Schützlinge in den den Vereinen hilfreich sein können. "Ich bin überzeugt, dass Menschen ihr Potential langfristig vor allem von innen heraus und mit Eigenmotivation entwickeln", so Lion zu seiner grundsätzlichen Philosophie.
Er ist quasi der Geburtshelfer des Vereins-Service-Tages: Frank Fürste hatte im Jahr 2005 erstmals ein solches Event auf die Beine gestellt. Auch bei der 22. Auflage war er an vorderster Front tätig. Ganz nebenbei leitete er zwei Seminare zum Aufschlag- und Rückschlagtraining. Aufgrund der hohen Bedeutung im Wettkampf waren diese Lerneinheiten wieder früh ausgebucht. Und die Teilnehmer wurden nicht enttäuscht, denn Frank Fürste lieferte neueste Entwicklungen und einige methodische Reihen, um am Tisch im Aufschlag-/Rückschlagbereich neue Erkenntnisse zu gewinnen und damit ein höheres Spielniveau zu erreichen.
Stimmen zum Vereins-Service-Tag
Michaela Hueck (Abteilungsleiterin Spvgg Renningen): "Auch der weiteste Weg zum Vereins-Service-Tag lohnt sich. Die Referenten sind sehr gut. Diesmal habe ich das Schwerpunkt-Thema Mentale Stärke mit gleich zwei Seminaren gewählt."
Markus Umlauff (Jugendleiter VSV Büchig): "Beim Vereins-Service-Tag bekommt man immer wieder einige neue Impulse."
Lucas Handrick (Trainer DJK Sportbund Stuttgart): "Ich war in den Seminaren für Mentale Stärke und Beinarbeit. Beides kann ich als Spieler selbst gut gebrauchen."
René Weißenstein (TSV Schwieberdingen): "Solche Veranstaltungen wie der Vereins-Service-Tag sollten häufiger als einmal im Jahr stattfinden."
Liu Liping (Landestrainer und Referent): "Als Landestrainer im Hochleistungssport ist es für mich Pflicht, einmal im Jahr eine solche Weiterbildung für die Trainer an der Basis durchzuführen. Meine Frau (Shen) ist beim Sommer-Vereins-Service-Tag als Referentin dabei. Ich will die Trainer mitnehmen und ein Zeichen setzen. Denn ich selbst habe das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben und will auf diese Weise etwas weitergeben."
Andreas Leinenbach (Ressortleiter Aus- und Fortbildung TTBW): "Unser Vereinsservicetag war wieder ein voller Erfolg. Das Feedback unserer Teilnehmer ist sehr positiv, daher gebührt unseren Referenten ein großer Dank für die abwechslungsreichen Seminare. Egal, ob für die ganzen Kleinen mit den Mini-Athleten oder den Spezialschlägen, für jede Zielgruppe war sicherlich etwas dabei und durch die hohen Praxisanteile konnte auch jeder selbst zum Schläger greifen. Ein besonderer Dank geht an das gesamte Helferteam für die meist unsichtbare, aber unersetzbare Arbeit vor, während und nach der Verstaltung und an meine beiden Mitorganisatoren Thomas und Frank. "
Frank Fürste: "Am Anfang hatte ich nur die Sorge, dass es aufgrund des angesagten Neuschnees noch zu Problemen bei der Anreise für die Referenten und Teilnehmer kommt, aber dem war zum Glück nicht so. Von daher bin ich rundum sehr glücklich mit dem Ablauf der Veranstaltung und hatte auch das Gefühl, am Ende der Veranstaltung durchgängig in zufriedene Gesichter der Teilnehmer zu schauen, dass jeder etwas Neues mit nach Hause nimmt für sein eigenes Spiel und auch für das Training im Verein. Bei allen Helfern und Referenten möchte ich mich auch noch für ihr großes Engagement bedanken und freue mich schon auf die nächsten Vereinsservicetage.“
Die nächsten Termine:
Sa., 27. Juni 2026: Vereins-Service-Tag im SpOrt Stuttgart
So., 10. Januar 2027: Vereins-Service-Tag in der Sportschule Steinbach
Bericht: Thomas Walter
Fotos: Hubert Röderer + Thomas Walter


































