"Er ist wie alter Wein, er wird immer besser!" Dieser Vergleich trifft irgendwie zu - aber irgendwie auch nicht. Denn Ulrich Stähle, 64 Jahre jung, erlebt als Tischtennisspieler gerade den x-ten Frühling, führt mit seinem Team des TTC Reutlingen die Landesklasse, Gruppe 5, mit 10:2 Punkten an. Er selbst steht an Position eins mit überragenden 11:1 Siegen. Doch wenn man "Uli", wie ihn alle rufen, am Telefon hört, dann sprudelt er nur so vor Energie und Begeisterung. Dann kann von "altem Wein" wahrlich keine Rede sein. Da spricht vielmehr ein jung gebliebener Vollblut-Tischtennisspieler, der sich im Kreise junger Menschen pudelwohl fühlt, darüber hinaus selbst viel positive Energie an sein junges Umfeld abgibt.
Vor wenigen Monaten gab Uli Stähle seinen Tischtennis-Shop auf, ist jetzt im "Unruhestand". Seine zahlreiche Kundschaft wird es bedauern, am Tischtennis-Tisch geht er nach wie vor mit viel Leidenschaft zu Werke. Das Besondere: Seit einem halben Jahrhundert trägt er das Trikot seines Vereins TTC Reutlingen - ein Vorbild in vielerlei Hinsicht. Unvergessen sind seine vielen Duelle, die er mit seiner "old school"-Technik nach dem Motto "der Ball muss auf den Tisch" von der Landesklasse bis zur Verbandsliga geliefert hat. Uli Stähle ist dieser Linie treu geblieben. Als Kontrahent empfindet man diese Spielweise zuweilen als Federball, als Zuschauer genießt man diesen Gegenentwurf des "Bum-Bum-Tischtennis" als höchste Kunst, den Ball weit hinter dem Tisch mit Spin auf den Tisch zu heben und klug zu platzieren. Tischtennis einfach nachvollziehbar und etwas fürs Auge ...
Wir hatten die Gelegenheit, mit Uli Stähle zu sprechen.
TTBW: Uli, Du hast nach 25 Jahren Deinen Tischtennis-Shop aufgegeben. Dort hast Du Dir schnell einen Namen gemacht – nicht nur als Fachmann für Tischtennis und Tennis, sondern auch als jemand, der mit ehrlicher Beratung, Herz und Kompetenz überzeugt. Der Laden war mehr als ein Geschäft – es war Treffpunkt, Trainingsraum und Anlaufstelle für Spieler/innen aus der ganzen Region. Die Testmöglichkeiten an der Ballmaschine und Dein Engagement für den Vereins- und Jugendsport waren Anziehungspunkt. Wie kam es jetzt zum Schlussstrich?
Uli Stähle: Meine Arbeit im Shop „Stähle, Sport &Service“ hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Durch den Umstand, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte und dadurch ständig den Kontakt mit Tischtennis- und Tennis-Spielern hatte, war es ein Leichtes, immer motiviert zu sein. Durch meine Erfahrung konnte ich hoffentlich dem einen oder anderen Spieler helfen, sich weiter zu entwickeln und seine Leistung zu steigern. Jetzt war allerdings der richtige Zeitpunkt, aufzuhören, denn für mich hat in diesen 25 Jahren alles perfekt gepasst. Mit meinen 64 Jahren gönne ich mir nun einfach mehr Zeit für Familie und Sport.
TTBW: Du bist also jetzt im Unruhestand?
Uli Stähle: So kann man das sagen. Meine 5-jährige Enkelin hält mich auf Trab, sie kommt nachher gleich vom Kindergarten heim und da bin ich als Opa sehr gerne beschäftigt. (lacht)
TTBW: Deine Mannschaft vom TTC Reutlingen ist gerade auf dem Höhenflug, führt die Tabelle der Landesklasse an. Und Du spielst wie in besten Zeiten, gehörst zu den Top-Spielern der Liga und hast die 1.800 TTR-Marke wieder überschritten. Das hört sich alles andere als nach einem Rentner an?
Uli Stähle: Ja, es läuft gut. Wir haben eine junge Mannschaft. Mein Sohn spielt auch im Team und die anderen Spieler sind zum Teil noch jünger. Genau das macht mir Spaß, wenn die Jungen die gleichen Erfahrungen machen, wie ich früher oder die Generation danach vor 20 Jahren. Ich will es so sagen: Die rennen beim Spielen manchmal mit dem Kopf durch die Wand, obwohl direkt daneben eine offene Tür steht. Da kann ich manchmal noch Tipps geben, deshalb spiele ich nach wie vor gerne.
TTBW: Früher hast Du mit dem TTC sogar in der Verbandsliga gespielt, auch bei einigen TTVWH-Ranglisten. Was waren Deine schönsten Erlebnisse?
Uli Stähle: Die schönsten Erlebnisse sind für mich bis heute immer noch, wenn ich meinem Gegner auf Augenhöhe begegne und wir uns nach einem hart umkämpften "Match" auch abseits vom TT-Tisch noch gut verstehen.
TTBW: Auch in der Jugendarbeit hatte der TTC immer wieder Maßstäbe gesetzt, war sogar einmal Deutscher Jugendmeister mit der Mannschaft, im Jahr 2004. Jetzt habt Ihr Euch neu aufgestellt in der Führungsmannschaft. Wie sieht das im Einzelnen aus?
Uli Stähle: Aktuell haben wir beim TTC Reutlingen ein junges und sehr engagiertes Führungsteam, das neue und sehr pfiffige Ideen hat. Dadurch haben wir im Jugendtraining wieder eine volle Halle und sind in der glücklichen Lage, ständig junge Spieler bei den Erwachsenen zu integrieren.
TTBW: Wenn Du an den Tischtennissport im Allgemeinen und an Tischtennis Baden-Württemberg im Speziellen denkst: Was ist Dir für die Zukunft besonders wichtig?
Uli Stähle: Besonders wichtig ist mir, dass die Vereine weiterhin eine gute Jugendarbeit machen können, damit viele junge Menschen die Möglichkeit haben, die "schönste Sportart der Welt" kennenzulernen!!!
TTBW: Vielen Dank für das Gespräch, Uli, und alles Gute für die Zukunft!
Das Interview führte Thomas Walter.
Fotos: TTC Reutlingen






