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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (7), heute Thomas Kreidler, SpVgg Mönsheim

„Mein Sohn hat drei Hobbys: Tischtennis, Tischtennis und Tischtennis."

Thomas Kreidler ist 1976 in Leonberg geboren, ledig und aktuell wohnhaft in Heimsheim. Sein Heimatverein ist die SpVgg Mönsheim. Ursprünglich hat er in der Druck- und Medienindustrie eine Ausbildung gemacht und die Technikerschule absolviert. Sein halbes Berufsleben aber ist er in der Sozialverwaltung des Landes Baden-Württemberg als Angestellter beschäftigt.

Hast du eine Übersicht über all deine Ehrenämter? Falls ja: Hier ist die Gelegenheit, sie aufzuzählen.

Ich untergliedere die Aufgaben ganz gerne in:

Verein/Abteilung: Hier bin ich Mitglied des Gesamtvorstandes, seit 1996 in der Jugendarbeit tätig, Abteilungsleiter von 2009 bis 2013. Seit diesem Jahr habe ich zum wiederholten Mal das Amt des stellvertretenden Abteilungsleiters inne.

Bezirk Ludwigsburg: Seit 2007 bin ich Mitglied des Bezirksausschusses und seit 2011 Bezirksjugendvorsitzender (ab 2019 lediglich kommissarisch, weil seit 2019 Bezirksvorsitzender).

TTBW/DTTB: Als Bezirksvorsitzender ist man ja automatisch Mitglied des Beirates und des Landesverbandsausschusses. Meine Schiedsrichterlizenz auf Verbandsebene habe ich seit 1997. Nationaler Schiedsrichter bin ich seit 2007.

Sodele, das war es jetzt aber. Der Tag hat ja nur 24 Stunden.

Wie kamst du zu deinem ersten Ehrenamt?

Als ich 1996 als Übungsleiter in der Abteilung begonnen habe, war sicherlich mein Vater ein Vorbild, der selbst bis zu einer Erkrankung Übungsleiter war und Tischtennis gespielt hat. Das wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt. Mein hochgeschätzter Vereinskamerad Reiner Schwager hat mich dann ein Jahr später motiviert, den Lehrgang zum Verbandsschiedsrichter zu absolvieren – wahrscheinlich auch, weil er wusste: ‚Der Thomas kann nicht nein sagen.‘

Wie viele Stunden investierst du pro Woche in deine Ehrenämter?

Sicher mehr als zehn. Übers Jahr hinweg kommen da schon so zwischen 800 und 1000 Stunden zusammen.

Was ist dabei ganz besonders zeitintensiv?

Die Vorbereitung, Durchführung und Nacharbeit von verschiedensten Veranstaltungen, von Abteilungs- bis Verbandsebene. Sei es das Helfen beim Vereinsfest, die Orga des Bezirkstages, das Vorbereiten auf Sitzungen der Verbandsgremien oder die acht bis neun Schiedsrichtereinsätze im Jahr.

Was reizt dich besonders am Ehrenamt?

Man kann sich für sein Lieblingshobby einbringen und lernt dadurch meist viele Gleichgesinnte kennen und schätzen – auf verschiedenen Ebenen und Ausprägungen des Sports. Gemeinsam wird dann versucht, andere (wieder) für unseren Sport zu gewinnen und zu begeistern. Es lohnt sich, sich im Tischtennissport zu engagieren.

Wie oft hast du für deine Tätigkeit schon Lob von Dritten geerntet?

Es gibt ja bei den Schwaben den Satz ‚Net gschimpft isch globt gnug‘. Aber natürlich freue ich mich über Anerkennung von Vereinsvertretern nach dem Bezirkstag oder zum Jahreswechsel. Mir selbst ist es auch wichtig, danke zu sagen. Ich finde aber, die größte Wertschätzung für eine Person, die sich ehrenamtlich engagiert, ist, wenn sich dadurch weitere Personen finden, die sich ebenfalls engagieren wollen.

Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: ‚Jetzt reicht’s!‘?

2013 habe ich als Abteilungsleiter nicht mehr kandidiert, weil mir meine Gesundheit wichtiger war.

Hast du Ehrenämter außerhalb des Tischtennis?

Nein, dazu bleibt wirklich keine Zeit.

Du spielst selbst noch Tischtennis?

Ja, auch wenn ich vergangene Saison so wenig gespielt habe wie wohl noch nie. Es ist mir aber immer noch wichtig zu spielen, ich treibe ja Sport für die Gesundheit und wegen der Gemeinschaft. Ich kenne Funktionäre, die selbst immer weniger spielen, das finde ich schade. Mit Tischtennis begonnen habe ich 1984 als Achtjähriger. Mein erster Spielerpass datiert von 1986. Meinen ersten Schläger hat mir mein Vater gegeben und dann gleich mit mir auf der ‚Bühne‘ im Dachgeschoss gespielt.

Wie oft spielst du heute noch?

Aufgrund der Aufgabenfülle reicht es mir seit etwa zehn Jahren nur noch einmal in der Woche ins Vereinstraining. In der aktuellen Spielzeit darf ich in meinem Heimatverein in der 2. Mannschaft in der Kreisliga B spielen. Derzeit habe ich 1460 TTR-Punkte und darf vielleicht auch mal in der Bezirksliga Ersatz spielen. Aber auch hier gilt: Jugend vor!

Auf welche sportlichen Erfolge bist du besonders stolz?

Am schönsten waren sicher die Mannschaftsmeisterschaften auf Bezirksebene. 1997 wurde ich Bezirksmeister im Einzel.

Warum bist du nicht Nationalspieler geworden?

Dafür war ich zu talentfrei.

Gibt es so etwas wie einen Lieblingsgegner?

Habe ich eigentlich nicht. Aber so langsam, glaube ich, werde ich zum Lieblingsgegner von Materialspielern. Wegen des relativ wenigen Trainings fehlt mir einfach immer mehr der gewisse Touch.

Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang hatten deine Eltern?

Ich möchte fast sagen, dass ich aus einer Tischtennisfamilie komme. Mein Vater, seine Brüder (Bezirk Ostalb), mein Cousin und dessen Kinder und meine Schwester spielten Tischtennis – aktuell nur noch ich. Meine Eltern gaben mir Werte wie Disziplin und Zuverlässigkeit mit auf den Weg.

Wie oft gab es schon Momente, da du dir sagtest: ‚Jetzt ist es am besten, mit dem Tischtennis aufzuhören‘?

Noch nie, und das wird hoffentlich so bleiben. Der Sport bietet einfach so viele verschiedene Betätigungsfelder und Facetten.

Welches ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?

Jede Zeit hat ja so ihre besten Spieler. Als ich Mitte der 80er-Jahre mit Tischtennis begonnen habe, hat Peter Stellwag sich so langsam zurückgezogen. Aktuell finde ich Dang Qiu und Annett Kaufmann die besten Akteure. Durch die Schiedsrichtertätigkeit konnte ich deren Entwicklung seit Kindertagen beobachten. Annett hat ja das Tischtennisspielen in Bietigheim-Bissingen im Bezirk Ludwigsburg gelernt. Als Bezirksjugendvorsitzender hatte ich hier schon früh Einblicke.

Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?

Zuerst ist es wichtig, dass sich ein Team im Verein bildet, das bereit ist, gemeinsam über einige Jahre am gleichen Strang zu ziehen. Aber gerade solche Mitstreiter in einem Verein zu finden, ist meist enorm schwierig. Durch Vorbildsein und viel Überzeugungsarbeit, dass der Sport es wert ist, sich einzubringen, ist es aber möglich. Wenn man dann diese ‚Tischtennis-Verrückten‘ im Verein hat, sind die Angebote der Sportentwicklung auf TTBW- und DTTB-Ebene immer gute Instrumente, um Mitglieder zu gewinnen. Um diese zu binden, sind Anschlussangebote sinnvoll. Der neue Vizepräsident Sportentwicklung, Wieland Speer, hat zusammen mit seinen Mitstreitern sicher gute Ideen, wie man unseren Sport möglichst vielfältig und anlassbezogen in der Öffentlichkeit darstellen und dadurch interessierte Menschen zu unserem Sport locken kann.

Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?

Oje, bei jeder jährlichen Schiedsrichter-Weiterbildung lernen wir Regeländerungen kennen, die aber meist von der ITTF oder ETTU kommen und halt umgesetzt werden müssen.

Gibt es Regeln, die man unbedingt einführen sollte?

Unbedingt? Weiß ich nicht. Aber den wohl größten Diskussionsstoff zwischen Sportlern untereinander und mit Schiedsrichtern bietet seit jeher die Aufschlagregel. Eine Regel, die nur noch Aufschläge mit der Rückhand erlauben würde, würde sicher mehr Ruhe in die Diskussion bringen – zu Lasten aber einer reizvollen Eigenheit unseres Sports.

Bald gibt es im Verband deutlich weniger Bezirke…

Grundsätzlich halte ich die Reduzierung von 21 auf zwölf Bezirke für gut, auch wenn nicht alle im Jahr 2022 formulierten Ziele damit bis ins Detail umgesetzt werden. Eine Optimierung des Spielbetriebes bzw. der Ligen-Struktur war notwendig. Für den TTBW ergeben sich langfristig Kosteneinsparungen, etwa durch die geringere Zahl an Delegierten an Landesverbandstagen. Zudem: Die Mitarbeitenden der TTBW-Geschäftsstelle haben weniger Ansprechpartner aus den Bezirksgremien und die neu formierten Bezirke selbst hoffentlich mehr Erfolg bei der Suche nach neuen Mitstreitern. Hier mein Appell an die Bezirksfunktionäre, die nach der Reform ‚zu viel‘ sind: ‚Wir sind hier nicht im Berufs-und Wirtschaftsleben, wo Stellen einfach wegrationalisiert werden. Eure Erfahrung und Motivation werden weiterhin gebraucht. Wenn ihr euch weiter für unseren Sport einbringen wollt, bieten sich immer Möglichkeiten - mit anderer Aufgabe oder anderem Betätigungsfeld. Ihr seid nicht auf dem Abstellgleis!‘

Was macht dir rund ums Tischtennis am meisten Freude?

Der gemeinsame und faire Wettkampf mit Respekt und Achtung, das Treffen und der Austausch mit Mitstreitern, gemeinsame Vereinsaktivitäten.

Hast du, neben Tischtennis, weitere Hobbys?

Mein 80-jähriger Vater sagt immer, wenn er gefragt wird, was sein Sohn sonst so macht: ‚Thomas hat drei Hobbys: Tischtennis, Tischtennis und Tischtennis.‘ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das Interview führte Hubert Röderer.

Fotos: privat

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