Melanie Timke wurde im Mai 1974 in Kassel geboren. Ihr Verein ist der TSV Sielmingen. Mit ihrem Mann und den beiden Söhnen wohnt sie in Filderstadt. Beruflich ist sie bei einem Versicherungsmakler tätig.
Hast du eine Übersicht über deine Ehrenämter?
So viele sind es nicht. Ich bin Ressortleiterin Engagement-Förderung, zudem Schiedsrichterin und in dieser Funktion im Schiedsrichterausschuss im Bildungsteam als Beauftragte der Schiedsrichter-Fortbildung tätig.
Wie kamst du zu deinem allerersten Ehrenamt?
Oh je, jetzt erwischst du mich eiskalt. Ich muss echt überlegen. Der Übergang kam so schleichend: Ich war in der christlichen Jugendarbeit engagiert: die Bewegung heißt TEN SING. Hier wird jährlich nach einem gemeinsam gefundenen Motto eine Bühnenshow mit Chor, Band, Tanz und Theater eingeübt. Herzstück ist die wöchentliche Chorprobe, in der auch immer Zeit für eine Andacht war. Daher ist TEN SING so angelegt, dass Jugendliche hier sehr früh selbst die Verantwortung übernehmen. So war ich in der „Orga“ und auch als Chorleiterin engagiert. Das würde ich vielleicht als mein erstes Ehrenamt bezeichnen.
Wie viele Stunden investierst du in der Regel pro Woche in die Ehrenämter?
Die zähle ich nicht, aber schon sehr viele. Aber es macht viel Spaß und erfüllt mich. „Nur“ ins Training zu gehen, wäre mir einfach zu wenig.
Was ist ganz besonders zeitintensiv?
Die Weiterbildungen. Von der Planung der Themen über die Reservierung der Tagungslokale bei den jährlich neun Weiterbildungen bis hin zu den Fahrteinteilungen, Lizenzverlängerungen und Reisekostenabrechnungen: Das nimmt schon viel Zeit in Anspruch.
Was ist für dich der besondere Reiz eines Ehrenamtes?
Man bekommt einen ganz anderen Einblick in die Aufgaben, als wenn man „nur“ mitmacht. Man kann Ideen einbringen und mitgestalten, etwas von dem, was man in der Jugend genossen hat, an andere weitergeben und sein Wissen teilen. Es erfüllt einen irgendwie, und man bekommt hin und wieder ein positives Feedback. Vor allem kommt man mit vielen Leuten ins Gespräch.
Was muss man sich unter dem Titel „Ressortleiterin Engagement-Förderung“ konkret vorstellen?
Wir haben auf allen Ebenen im Verband ehrenamtlich engagierte Personen. Diesen Personen zur Seite zu stehen, sie in ihrem Engagement zu fördern und für ihre Posten fit zu machen, etwa durch Workshops, das ist meine Aufgabe. Hier wollen wir mit Workshops einzelne Bereiche betrachten. Gerne bin ich hier für Tipps zu Themen offen. Je mehr Feedback wir bekommen, desto eher können wir auf die Bedürfnisse der Vereine, der Grundlage unseres Verbandes, eingehen.
Und was hast du als „Beauftragte Schiedsrichter-Fortbildung“ in der Hauptsache zu tun?
Ich bin Teil eines dreiköpfigen Bildungsteams: Es gibt jeweils einen Beauftragten für Schiedsrichter-Ausbildung, Schiedsrichter-Fortbildung und Schiedsrichter-Entwicklung. Die thematische Entwicklung der Aus- und Weiterbildung sowie von Entwicklungsmaßnahmen wird im Team besprochen; also welche Themen wir etwa bei den Weiterbildungen in 2026 genauer beleuchten. Die organisatorische Seite der Weiterbildungen, also welche Tagungslokale wir für unsere Weiterbildungen nutzen können, die Sammlung der Anmeldungen, die Einteilung der Teilnehmer einer Veranstaltung in Fahrgemeinschaften (um das Budget des Verbandes zu schonen), die Bestätigung der Teilnahme mit der Lizenz-Verlängerung in click-tt und die Reisekostenabrechnungen sind dann meine Aufgaben. Und natürlich auch das Referieren bei den Weiterbildungen selbst. Darüber hinaus bin ich regelmäßig an den Sportschulen in Albstadt und Steinbach in der C-Trainerausbildung aktiv und schule hier die Regelkunde.
Wie oft warst du schon als Schiedsrichterin im Einsatz?
Ich habe nicht mitgezählt. Wenn man nur die Einsätze bei Spielen und Turnieren zählt, hatte ich schon mehrere Saisons mit über 50 Einsatztagen, auch mehrtägige Turniere im Ausland waren schon dabei. Hinzu kommen noch Weiterbildungen und Ausbildungslehrgänge, Sitzungen und Prüfungen, die wir abnehmen.
Was ist der übliche Lohn für einen Schiedsrichter-Einsatz?
Gute Frage. Je nach Ligen und Aufgabengebieten unterscheidet sich dieser erheblich. International wird nach Qualifikation und Turnier entlohnt, da bin ich auf der untersten Stufe mit 40 bis 60 US-Dollar pro Tag dabei. Innerhalb des Verbandes (Verbandsoberliga) bekommen wir 20 Euro pro Spiel. Auf DTTB-Ebene sind es, abhängig von der Spielklasse, zwischen 25 und 60 Euro pro Spiel, zudem werden die Fahrtkosten ersetzt. Auf Verbandsebene bekommen wir für einen Turniertag 35 Euro pro Tag und auf Bundesebene bis zu 75 Euro. Reich werden wir dadurch nicht. Es ist und bleibt ein Ehrenamt, für das man sich auch ständig weiterqualifizieren muss.
Wie schwierig ist es, Leute fürs Ehren- und Schiedsrichteramt zu gewinnen?
Die Schiedsrichterzahlen gehen zurück. Auch bei uns schlägt der demografische Wandel zu. Wir verlieren gerade mehr SR, als wir in einem Jahr gewinnen können. Dies sind zum einen SR, die aufgrund Ihres Alters aufhören, aber auch andere, die sich beruflich entwickelt haben und nun die Zeit für das Schiedsrichter-Amt nicht mehr aufbringen können. Die Begeisterung für das Schiedsrichteramt ist besonders schwierig, sieht man sich in seiner Freizeit mitunter auch kniffligen Situationen ausgesetzt.
Und wie sieht es grundsätzlich im Ehrenamt aus?
Ähnlich. Wenn sich früher jemand für ein Ehrenamt gemeldet hat, hat man das fast „lebenslänglich“ ausgeführt. Diese Lücke nun zu schließen ist unheimlich schwer. Das Selbstverständnis für das Ehrenamt hat sich geändert, vielleicht müssen wir die Vereinsstrukturen anpassen. Vielleicht müssen wir in Bezug auf die jüngere Generation mehr zu Projektarbeit übergehen.
Wie sehr sind deine Ehrenämter für dich selbst persönlich ein Gewinn?
Sie bringen mich in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung weiter. Durch mein Engagement in der Aus- und Fortbildung habe ich mir einige Fähigkeiten angeeignet, die mir auch im Beruf, bei der Präsentation von neuen Themen, helfen. Es macht mir nichts aus, vor vielen Leuten über ein Thema zu referieren. Auch die Gestaltung von Präsentationen und die Planung der Inhalte gelingen mir mittlerweile gut.
In punkto Ehrenamt hat man das gute Gefühl, man gibt etwas weiter. Wenn ein Verein aufgrund eines von uns angebotenen Workshops merkt, dass das Angebot gut war und er sich weiterentwickelt, freut es mich, dass durch meine Hilfe etwas Gutes entstanden ist. Schön dabei auch, dass man mit vielen Menschen ins Gespräch kommt. Jede Begegnung prägt einen ein bisschen. Gut auch, Einblick zu bekommen: Wie funktioniert der Verband? Wo kann ich mich einbringen, wo kann ich was verändern? Wie oft muss man etwas ansprechen, bevor es gehört oder umgesetzt wird? Auch das ist ein Lernprozess, der einen vielleicht auch beruflich weiterbringt.
Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s“?
Ehrlich: bisher noch gar nicht.
Wie spielt die Familie mit?
Die spielen alle selbst Tischtennis. Mein Mann ist Abteilungsleiter der TT-Abteilung im Verein. Mein großer Sohn Pascal spielt recht erfolgreich beim SV Böblingen in der Verbandsoberliga und hat nun nebenbei im TSV Sielmingen die „Abteilung“ Volleyball gegründet. Derzeit ist es noch ein Projekt, aber er managt alles; ich muss irgendwie abgefärbt haben. Der jüngere Sohn Robin spielt ebenfalls Tischtennis. Nach Fußball, Handball und ein wenig Klavierunterricht ist er schließlich beim TT gelandet und fühlt sich da ebenfalls wohl. Robin ist seit diesem Jahr ebenfalls Schiedsrichter und engagiert sich zudem in der Jugendarbeit unserer Kirchengemeinde.
Wie oft hast du für deine Tätigkeiten schon Lob von Dritten geerntet?
Das kommt ab und zu vor.
Spielst du selbst Tischtennis?
Ich spiele beim TSV Sielmingen in der zweiten Damenmannschaft in der Bezirksklasse.
Warum bist du beim Tischtennis gelandet?
Ich habe mit 13 angefangen, mit meiner damals besten Freundin. Ich habe schon damals viel gemacht, auch im Sportverein: Turnen und Tanzen. Ich war fast jeden Tag nach der Schule unterwegs.
Was war dein größter sportlicher Erfolg?
Ich war nie besonders erfolgreich. Allerdings bin ich in der Jugend mal mit der Damenmannschaft aufgestiegen. Und auch mit dem TSV Sielmingen habe ich schon zweimal Aufstiege gefeiert.
Was ist am Tischtennis für dich so reizvoll?
Dass man es in jedem Alter spielen kann, dass Alt und Jung, Spieler mit und ohne Beeinträchtigungen miteinander spielen können. Zudem ist es kein Kontaktsport, fordert aber ein hohes Maß an Antizipation und Köpfchen. Auch wenn ich selbst nicht so gut spiele, schaue ich anderen gerne zu und freue mich, wenn ich meine, eine Taktik zu erkennen.
Tischtennis ist zudem ein sehr fairer Sport. Je professioneller die Spieler werden, desto fairer das Spiel. Welche Sportart kann das von sich behaupten?
Leider wird in den Medien viel zu wenig über Tischtennis berichtet. Eine breitere Berichterstattung könnte die Faszination eventuell fördern. Ich nehme nur mal China als Beispiel: Die Spieler werden dort wie Superstars behandelt, haben Werbeverträge. Das ist echt der Wahnsinn.





