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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (12), heute Susanne Gibs, TTF Rastatt

„Wichtig für die Vereine: Gute Trainer einstellen oder selbst ausbilden“

Gemeinsam mit Detlef Stickel im Senioren 40-Mixed

Susanne Gibs hat nach dem Abitur am Richard-Wagner-Gymnasium Baden-Baden (1998) Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie Karlsruhe studiert, seit November 2002 ist sie als Systembetreuerin in der IT bei Schaeffler Automotive Bühl GmbH & Co. KG tätig. Die 47-Jährige, in Karlsruhe geboren und in Baden-Baden zu Hause, ist bei den TTF Rastatt wohnhaft. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.

Hast du eine Übersicht über all deine Ehrenämter? Falls ja: Hier ist die Gelegenheit, sie aufzuzählen.

Aktuelle Ehrenämter: 1. Vorsitzende der TTF Rastatt (seit 2019), stellvertretende Bezirksjugendvorsitzende und Regionsbeauftragte Jugendsport TTBW. Dem Vorstand der TTF Rastatt gehöre ich bereits seit 1997 an. Im Bezirk war ich auch mal Lehrwartin – ich glaube von 1998 bis 2012 –  und im früheren Südbadischen Tischtennis-Verband (STTV) Aktivensprecherin.

Wie kamst du zu deinem allerersten Ehrenamt?

Das allererste Ehrenamt war noch kein richtiges Amt. Mein Onkel, Ludwig Schmieder, war damals Sportwart im Südbadischen Tischtennisverband und 1. Vorsitzender der TTF Rastatt. Meine Schwester und ich waren sehr interessiert an den Abläufen des Vereins. Unser Onkel hat uns dann gefragt, ob wir zunächst als Protokollführer zu den Vorstandssitzungen des Vereins dazukommen wollen. Da waren wir ungefähr 15. Mit 18 folgte dann das erste „richtige“ Amt als Geschäftsführerin und Jugendtrainerin des Vereins und wenig später die Übernahme des Lehrwartes im Bezirk Rastatt/Baden-Baden und der Talentfördergruppe in Steinbach als Co-Trainerin von Gudrun Baßler.

Wie viele Stunden investierst du in der Regel pro Woche in das oder die Ehrenämter?

Puh, das ist schwer zu sagen. Es gibt Wochen, da sind es mal nur fünf Stunden, aber es gibt sicher auch Wochen mit über 20 Stunden.

Was ist ganz besonders zeitintensiv?

Das kann vieles sein. Das hängt auch immer ein bisschen davon ab, wieviel Zeit man bereit ist, einzubringen. Ich nenne nur: die Planung der Mannschaften und die Aufstellungen des Vereins organisieren sowie den Gesamtüberblick behalten (bei mittlerweile 20 Mannschaften und teilweise unterschiedlichen Interessen); die Organisation und Betreuung der 1. Damenmannschaft in der 3. Bundesliga; die Organisation und Durchführung des Jugendtrainings im Verein; die Vorbereitung und Organisation von Turnieren auf Bezirks- und Regionsebene.

Was ist für dich der besondere Reiz eines Ehrenamtes?

Man kann gemeinsam mit Gleichgesinnten etwas gestalten und bewegen. Insbesondere in der Jugendarbeit kann man junge Menschen für den Tischtennissport begeistern, fördern und fordern.

Wie spielt der Partner mit, die Familie?

Ohne das große Verständnis und ohne die Unterstützung der Familie könnte ich mich nicht in dem Maße ehrenamtlich engagieren. Sowohl mein Mann als auch mein Sohn spielen beide Tischtennis und nehmen auch Aufgaben im Verein war und unterstützen mich tatkräftig. Dafür bin ich sehr dankbar. Nicht selten wird bei uns am Wohnzimmertisch über Tischtennis diskutiert.

Wie oft hast du für deine Tätigkeit auch schon Lob von Dritten geerntet?

Das gab es sicher hin und wieder. Das größte Lob für mich ist allerdings, wenn es mir gelingt, andere zum Mitmachen und insbesondere Kinder für den Tischtennissport zu begeistern - und wenn es im Verein ein gutes Miteinander gibt.

Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s?“

Den Gedanken gab es in den letzten 25 Jahren sicherlich hin und wieder.

Hast du Ehrenämter außerhalb des Tischtennis?

Nein.

Du spielst selbst noch Tischtennis: Wann hattest du deinen ersten Schläger in der Hand? Und wer hat ihn dir gegeben?

Meinen ersten Schläger habe ich von meinem Vater bekommen. Da war ich ungefähr zehn. Es war ein „Speckbrett“ mit braunem Noppengummi. Für die ersten Versuche auf Steinplatten auf Spielplätzen hat es gereicht.

Den ersten richtigen Schläger bekam ich mit zwölf von meinem Cousin Marcus Schmieder, als meine Schwester und ich begonnen haben, im Verein zu spielen: ein Melegi-Holz mit zwei Sriver-Belägen (Anm.: Rudolf Melegi war der frühere Verbandstrainer von Südbaden). Den ersten eigenen Schläger bekam ich von Siggi Weisbrich, unserem Jugendtrainer bei den TTF Rastatt.

Wie oft spielst du heute noch - und wo und wie hoch?

Ich spiele ein- bis zweimal pro Woche im Vereinstraining der TTF Rastatt und in der 2. Damenmannschaft in der Verbandsoberliga. Hin und wieder helfe ich bei Bedarf auch in anderen Mannschaften aus.

Auf welche sportlichen Erfolge bist du besonders stolz?

  • Südbadische Meisterin der Damen 1995 (mit 17)
  • Aufstieg in die Regionalliga Damen mit dem SV Blau-Weiß Wiehre Freiburg 1998 (mit 19)
  • Südbadische Meisterin im Einzel, Doppel und Mixed 2001
  • 3. Platz Jugend Mixed Süddeutsche Jugendmeisterschaften 1996
  • 2. Platz bei den inoffiziellen Deutsche Einzelmeisterschaften für untere Spielklassen 2007 im Damen A Einzel
  • 1. Platz bei den Deutschen Pokalmeisterschaften der Damen A mit den TTF Rastatt 2019
  • 3. Platz bei den Deutschen Einzelmeisterschaften der Seniorinnen 40 2019
  • 1. Platz Baden-Württembergische Einzelmeisterschaften Seniorinnen-Einzel und Mixed 40 2020
  • Meisterschaft in der Regionalliga und Aufstieg in die 3. Bundesliga mit der 1. Damenmannschaft der TTF Rastatt 2024.

Und welche Niederlage nagt an dir bis heute?

Letztes Jugendjahr: Matchball gegen die spätere Zweitplatzierte bei der Südbadischen Rangliste, ihn aber nicht genutzt und am Ende Dritte geworden; lediglich zwei kamen weiter zur Süddeutschen Rangliste (in Denzlingen). Besonders bitter: Es gab dann doch noch einen weiteren Platz für Südbaden, den dann jedoch die hinter mir platzierte - aber ein Jahr jüngere - Spielerin bekam.

Warum bist du nicht Nationalspielerin geworden?

Ich habe einfach zu spät angefangen, auch war ich nicht soooo talentiert. Und das Umfeld war mir immer wichtiger als der persönliche Erfolg.

Gibt es so etwas wie einen Lieblingsgegner?

Nein, habe ich nicht. Generell aber spiele ich gerne gegen „Material“ (Antitop, lange Noppen)

Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang haben deine Eltern?

Meine Eltern haben eher einen kleineren Anteil. Ich bin dankbar, dass mich meine Mutter fast täglich ins Training gefahren oder es organisiert hat, dass ich hingebracht wurde. Sportlichen Ehrgeiz hatten sie jedoch überhaupt keinen. Auch bei Turnieren waren meine Eltern so gut wie nie dabei.

Wie oft gab es schon Momente, da du dir sagtest: ‚Ich denke, jetzt ist es am besten, mit dem Tischtennis aufzuhören‘?

Na ja, je älter man wird, desto schwieriger wird es, das sportliche Niveau einigermaßen zu halten. Da macht es tatsächlich nicht immer Spaß, selbst an den Tisch zu gehen. Auch für das eigene Training fehlt mir, nach Arbeit und Jugendtraining, manchmal die Energie. Irgendwann werde ich mich wohl entscheiden müssen zwischen Spieler, Trainer/Betreuer und Funktionär.

Welches ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?

Schwierig zu sagen. Es gab und gibt viele sehr gute Spieler/innen in Baden-Württemberg – jede/r auch ein Stück weit zu seiner/ihrer Zeit.

Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?

Gute Trainer einstellen oder selbst ausbilden, qualitativ hochwertiges Jugendtraining anbieten, mindestens zweimal pro Woche Training anbieten; Schnupperaktionen wie Schnupperkurs oder Mini-Meisterschaften durchführen.

Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?

Es sollte ein oder zwei einheitliche Spielsysteme geben und nicht gefühlt in jeder Liga und jeder Altersklasse ein anderes.

Und gibt es Regeln, die man unbedingt einführen sollte?

So wenige wie möglich – es gab viel zu viele Änderungen in den vergangenen Jahren.

Hast du, neben Tischtennis, weitere Hobbys?

Ich bin gerne in der Natur und mache gerne Gesellschaftsspiele – habe aber dank sehr vieler Tischtennis-Aktivitäten momentan kaum Zeit dafür.

Interviem von Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit

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