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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (11), heute: Dr. Walter Caroli, TV Lahr

„Trotz meiner 83 Jahre vermag ich deutlich jüngere Gegner noch zu erschrecken!“

Fotos (privat): Walter Caroli - Tischtennisspieler aus Leidenschaft

Dr. Walter Caroli ist nicht nur in der Ortenau bestens bekannt. Er war viele Jahre Landtagsabgeordneter (SPD) in Stuttgart – und ist bis heute mit Leib und Seele Tischtennisspieler.

Er gehört einer der ältesten Lahrer Familien an. Sein direkter Urahn, Christoph Caroli, war von 1650 bis 1673 Pfarrer an der Stiftskirche in Lahr. Er selbst entstammt einer Kaufmannsfamilie, wurde aber Lehrer für Englisch, Französisch und Geschichte und bekleidete politische Ämter. Seit 62 Jahren ist er mit der Mietersheimerin Hanne, geborene Ruder, verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, zwei Enkel, eine Urenkelin und einen Urenkel.

Nach der Volksschule (Friedrichschule) machte Walter Caroli Abitur am Max-Planck-Gymnasium und studierte danach in Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg und Konstanz. Weitere Stationen: Realschullehrer 1969, Lehrer an der Volksschule Kippenheim 1964-1970, Diplompädagoge an der PH Freiburg 1974, Promotion 1977 zum Dr. rer. soc. an der Universität Konstanz, Lehrer an der Otto-Hahn-Realschule Lahr (Fächer: Englisch, Französisch, Geschichte) 1970-1992, Realschulkonrektor 1983-1992, Lehrbeauftragter für Pädagogik am Staatlichen Seminar für Schulpraktische Ausbildung (Realschulen) in Ludwigsburg 1998-2006.

Hast du eine Übersicht über deine Ehrenämter? Hier ist Gelegenheit, sie aufzuzählen.

Die vielen Ehrenämter aufzuzählen, die ich bisher bekleidet habe und noch innehabe, sprengt den Rahmen. Ich treffe eine Auswahl: Ich war 45 Jahre im Lahrer Gemeinderat (1975-2020), mehr als  20 Jahre im Kreistag und 18 Jahre im Landtag von Baden-Württemberg (1988-2006). Über 20 Jahre führte ich den Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte in Lahr und bin heute sein Ehrenvorsitzender. Seit 16 Jahren stehe ich an der Spitze des Fördervereins Spital Vital.

Besonders wichtig war dir auch stets der Naturschutz.

Richtig. Ich war stellvertretender Vorsitzender des NABU Baden-Württemberg, bin im örtlichen Vorstand des NABU und fungiere als Langenhard-Beauftragter der Berliner Stiftung Nationales Naturerbe: Die ehemalige Militärfläche auf einem Hochplateau bei Lahr ist seit 2012 im Stiftungsbesitz. Sie hat große Bedeutung gerade für Kleintiere. Seit einigen Jahren stehen bei mir die historische Forschung und das Schreiben von Büchern im Vordergrund

Wie kamst du zu deinem allerersten Ehrenamt?

Die Tischtennis-Leidenschaft führte mich auch zu meinem ersten Ehrenamt: zu der Leitung der Tischtennisabteilung des TV Lahr und zu der Mitwirkung im Turnrat. Die Abteilung habe ich mehr als 20 Jahre geleitet. Aktiv in die Gesellschaft hineinzuwirken war schon in frühen Jahren ein inneres Bedürfnis.

Wie viele Stunden hast du im Schnitt in die Ehrenämter investiert?

Die Familie hatte stets ihren Ehrenplatz, aber ich habe mit ehrenamtlichen Tätigkeiten ihr einiges zugemutet. Ich stehe früh auf und arbeite mit nur wenigen Unterbrechungen bis zum Abend. Dies war früher so und gilt heute noch.

Was ist der besonders Reiz eines Ehrenamtes?

Gestalten und verändern können und Menschen kennenlernen.

Wie spielte in all den Jahren der Partner mit, die Familie?

Ich bin seit 62 Jahren verheiratet. Meine Frau und ich sind ein Team. Sie hat mich unterstützt und meine Tätigkeiten akzeptiert. Sie ist meine Beraterin in allen Lebenslagen.

Wie oft hast du für deine Tätigkeit Lob von Dritten geerntet?

Dies – pardon! - hielt sich in Grenzen. Ehrenamt ist eine Mischung von Selbstverwirklichung und Opferung. Dahinter muss eine Idee und eine Überzeugung stehen, sonst hält man nicht durch, weil es immer wieder Rückschläge und Enttäuschungen zu verkraften gilt. Das Bundesverdienstkreuz habe ich abgelehnt. Die von mir akzeptierten Ehrungen zeigen, dass mein idealistischer Weg zumindest teilweise erkannt wurde:

  • 1982: Partnerschaftsmedaille (Städtepartnerschaft Lahr-Dole)
  • 2006: Willy-Brandt-Medaille
  • 2010: Ehrennadel in Gold des Naturschutzbunds Deutschland für vorbildliches Engagement für den Natur- und Umweltschutz
  • 2011: Landespreis für Heimatforschung, 2. Preis
  • 2014: Verdienstabzeichen in Gold mit Lorbeerkranz des Städtetags Baden-Württemberg für 40-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Stadtrat der Stadt Lahr
  • 2017: Christian-Wilhelm-Jamm-Preis für herausragende ehrenamtliche Leistungen für die Stadt Lahr.

Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s?“

Da ich weiß, weil leidgeprüft und abgeklärt, dass Anerkennung nicht angemessen erwartet werden darf, kam der Gedanke nie.

Nun zum Sport: Wann hattest du deinen ersten Tischtennisschläger in der Hand? Und wer hat ihn dir gegeben?

Mit 14 Jahren habe ich im Hinterzimmer einer Wirtschaft damit begonnen. Wo ich den Schläger her hatte, weiß ich nicht mehr.

Und warum bist du ausgerechnet beim Tischtennis gelandet – und nicht bei einer anderen Sportart?

Beim Zuschauen wurde ich animiert. Also: reiner Zufall! Tischtennis ist ein Teil von mir, absolute Leidenschaft. Als ich von 2019 bis 2022 so krank war, dass ich um mein Leben fürchten musste, hat mir Tischtennis gefehlt, und danach hat der Sport neben anderen Einflüssen mich wieder aufgerichtet. Ich war aktiver Tischtennisspieler der 1. und 2. Mannschaft des TV Lahr (Verbandsliga, Landesliga, Bezirksliga, Bezirksklasse, A-Klasse). Ich war mehrfacher südbadischer Meister in der Senioren-Klasse (Mannschaft und Einzel), 2013 baden-württembergischer Vizemeister im Doppel, 2019 baden-württembergischer Vizemeister im Einzel und Dritter im Doppel.

Wie oft spielst du heute noch Tischtennis?

Zwei- bis dreimal in der Woche, Training und Verbandsspiel.

Auf welche sportlichen Erfolge bist du besonders stolz?

Die baden-württembergische Vizemeisterschaft bei den Senioren 2019.

Und welche Niederlage nagt an dir bis heute?

Wer verliert schon gern? Nach jedem verlorenen Spiel ärgere ich mich über mich selbst, hake die Niederlage dann aber schnell ab.

Warum bist du nicht Nationalspieler geworden?

Da fehlte eine „Kleinigkeit“.

Hast du Lieblingsgegner?

Stürmische, kraftstrotzende Angreifer, die gut analysiert werden können.

Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang hatten deine Eltern?

Gar keinen. Meine Eltern starben früh.

Welches ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?

Peter Stellwag ist mir in guter Erinnerung.

Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?

Gute Trainingsmöglichkeiten bieten.

Ein Wort zu den aktuellen Tischtennisregeln.

Der Satz bis 21 kam meinem Spiel (Defensive mit plötzlichen Attacken} eher entgegen, weil ich im Verlauf eines Spiels den Gegner gerne sondiere. Mittlerweile habe ich mich aber an die Änderung gewöhnt. Mit den Regeln bin ich einverstanden.

Hast du, neben Tischtennis, weitere Hobbys?

Das Schreiben historischer Bücher - bisher 14- nimmt mich voll in Anspruch. Ich liebe klassische Musik und besuche immer wieder Konzerte.

Du warst über viele Jahre baden-württembergischer Landtagsabgeordneter: Hast du auch in jenen Jahren aktiv Tischtennis gespielt?

Oft fuhr ich direkt von einem Termin im „Ländle“ zum Verbandsspiel. Bei den vielen politischen Terminen musste ich jede Lücke im Ablauf nutzen, um etwas trainieren zu können.

Gab es unter den früheren MdL-Kollegen auch andere Tischtennisspieler?

Ich spielte mit drei Grünen- und einem SPD-Abgeordneten im Keller des Abgeordnetenhauses.

Gab es so etwas wie eine Landtags-Tischtennis-Mannschaft?

Nein.

Wie oft gab es schon Momente, da du dir sagtest: Ich denke, jetzt ist es Zeit, mit dem Tischtennis aufzuhören?

Solange mein Körper mitmacht, wird man mich an der Platte sehen. Und wenn man mich da nicht mehr sieht, habe ich Abschied genommen. Aber  trotz meiner 83 Jahre vermag ich deutlich jüngere Gegner noch zu erschrecken (aktuelle Vorrundenbilanz: 10:1) und habe vor, noch ein paar Jährchen draufzulegen.

Walter Caroli 1999, unterwegs als Landtagsabgeordneter, hier beim 1. Oberschopfheimer Dorffest. Fotos: privat
Walter Caroli (2.von links), hier zusammen mit einer Auswahlmannschaft aus der Ortenau.

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