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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Interview mit Gerhard Rehmann zur anstehenden Bezirksreform im Verband TTBW

„Ich bin überzeugt, dass die Umsetzung gelingen wird!“

Interview mit Gerhard Rehmann, dem Bezirksvorsitzenden von Hohenlohe und Mitglied des Lenkungsausschusses, zur anstehenden Bezirksreform im Verband TTBW

Von Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit

Die Umsetzung der Bezirksreform im Tischtennis-Verband Baden-Württemberg (TTBW) rückt immer näher. Welches sind für die Bezirke und die Vereine die relevantesten Termine?

Rechtlich der wichtigste Termin ist natürlich der 1. 1. 2026, der Tag des Inkrafttretens der Reform. Ab da hat TTBW nur noch zwölf Bezirke. Groß merken werden das aber zunächst weder Bezirke noch Vereine. Interessant wird es mit dem ersten Bezirkstag und der neuen Spielklasseneinteilung für die Saison 2026/27.

‚Aus 21 mach 12‘, könnte man salopp formulieren: Was waren denn die Hauptgründe, die Zahl der Bezirke zu reduzieren?

Hauptgrund war, dass diverse Bezirke sportlich nicht mehr ‚überlebensfähig‘ waren. Es gab viel zu wenig Mannschaften, um einen geordneten Spielbetrieb zustande zu bringen. Teilweise fehlte es an Ehrenamtlichen. Diese Hauptprobleme galt es zu beseitigen. Dabei möchte ich an dieser Stelle einmal klarstellen, dass die Zahl ‚12‘ nicht – schon gar nicht vom Lenkungsausschuss – vorgegeben war. Vielmehr war dies von der großen Mehrheit der Bezirke aufgrund von Abstimmungen über verschiedene Vorschläge, darunter 15 oder 16 Bezirke, gewollt.

Denken Sie, dass mit der Reform die ursprünglichen Ziele eingelöst werden?

Ich hoffe und wünsche das. Ansonsten wäre die ganze Arbeit umsonst gewesen.

Weniger Bezirke bedeutet künftig auch weniger Personal, sprich: Es werden weniger Ehrenamtliche benötigt. Können Sie Zahlen nennen?

Das ist unmöglich. Die Anzahl Ehrenamtlicher, deren Einsatz an dieser Stelle gar nicht genug gewürdigt werden kann, hängt ja insbesondere zum Beispiel bei der Zahl der Klassenleiter davon ab, wie viele Spielklassen es in zusammengeschlossenen Bezirken im Vergleich zu den vormaligen gibt. Auch haben es die Bezirke selbst in der Hand, welche Ämter sie schaffen. Zwingend ist dabei nur die Satzung TTBW. Rechnerisch gesehen, liegt der ‚Bedarf‘ natürlich nur noch bei zwölf Einundzwanzigstel.

Was wird aus jenen Ehrenamtlichen, die künftig nicht mehr ‚gebraucht‘ werden: Könnten diese, wenn sie Lust haben, anderweitig Verwendung finden?

Das halte ich für selbstverständlich. Sie könnten sich beispielsweise in anderen Funktionen einbringen oder gar beim Verband. Es gibt sicher genügend Betätigungsfelder und unbesetzte Positionen. Theoretisch könnte man auch zusätzliche Ämter schaffen oder bestehende doppelt oder rotierend besetzen. Ich glaube da aber nicht an ernstliche Probleme.

Die bisherigen Bezirke hatten eine gewisse Finanzhoheit: Werden die einzelnen Kassen nun einfach zusammengelegt?

Die Finanzhoheit bleibt, aber eben im neuen Bezirk. Es gibt zu diesem Thema auf meinen Wunsch hin sogar einen Beschluss des Landesverbandsausschusses (LVA). Er lautet wie folgt:

‚Neu eingeteilte Bezirke bilden jeweils Bezirkskassen in Eigenverwaltung, bleiben aber Teil der Verbandskasse in TTBW, die sich wie folgt zusammensetzen:

a) Fusioniert ein Bezirk komplett mit einem anderen, werden die Guthaben beider Bezirkskassen zusammengelegt.

b) Wird nur ein Teil eines Bezirks in einen anderen Bezirk integriert, wird ein Anteil des Guthabens des abgebenden Bezirks auf den neuen Bezirk übertragen. Die Höhe des zu übertragenden Betrags errechnet sich nach dem Verhältnis der Anzahl der in den neuen Bezirk zu integrierenden (abzugebenden) Vereine im Verhältnis zur Gesamtanzahl der Vereine des abgebenden Bezirks.‘

Was passiert, wenn irgendwo eine Bezirksreform nicht zeitnah zu Stande kommt oder sogar gänzlich misslingt?

Dieses Szenario wird es nicht geben. Der Lenkungsausschuss hat einen Antrag zum LVA eingebracht, der beschlossen wurde. Aus ihm folgt, dass der Bezirksvorsitzende des größten von gegebenenfalls mehreren Bezirken bis zum 30. Juni 2026 einen Bezirkstag einzuberufen hat. Dort sind die notwendigen Dinge zu regeln und die Verantwortlichen des neuen Bezirks zu wählen. Gelänge das nicht, müsste – wie derzeit übrigens auch – der Verband die Hoheit über den Bezirk übernehmen.

Wie viel Geld kann durch die Reform auf Dauer eingespart werden?

Zu der Frage kann ich nicht wirklich etwas beitragen. Zum einen hängt das vom Finanzgebaren und den Ordnungen neu gebildeter Bezirke ab. Zum anderen habe ich mit den Finanzen von TTBW prinzipiell nichts zu tun und kenne deshalb die dortigen Auswirkungen nicht. Jedenfalls: Die Kosten für die Sitzungen des Landesverbandsausschusses müssten sich bei weniger Teilnehmern verringern.

Eigens für die Bezirksreform wurde oben genannter Lenkungsausschuss eingesetzt, der sie aufs richtige Gleis setzen sollte. Denken Sie, dass dies gelungen ist?

Als ‚Vorsitzender‘ - der ich aber tatsächlich nicht war, denn wir waren ein Team - denke ich selbstverständlich, dass dem so ist, wenn ich auch selbst gerne das eine oder andere anders gehabt hätte. Aber die Mehrheit – übrigens nicht nur des Ausschusses, sondern vor allem der Bezirksvorsitzenden – entscheidet.

Derlei Dinge, das weiß man aus anderen Lebenssituationen, gehen nicht immer schmerzfrei ab: Wo hakte es bei der Bezirksreform am allermeisten?

Da alle Bezirksvorsitzenden und auch die beiden Präsidien, unter denen die Reform erarbeitet wurde, von der Notwendigkeit der Reform überzeugt und in die Entscheidungen eingebunden waren, gab es eigentlich keinen wirklichen Haken.

Hätten Sie persönlich gerne noch mehr Reformdetails durchgezogen?

Ganz klar: nein. Es war von Anbeginn an Konsens aller Beteiligten, dass den neuen und alten Bezirken nach wie vor so viel Freiheit und Eigenständigkeit wie möglich zugestanden werden sollte.

Spätestens zur Jahresmitte 2026 soll alles in trockenen Tüchern, sollen alle Aufgaben erledigt, alle Personalfragen geklärt sein. Sind Sie guter Dinge?

Nach den bisherigen Rückmeldungen der Bezirke, die mich in den letzten Sitzungen erreicht haben: ja.

Der Lenkungsausschuss hat unlängst seine Tätigkeit beendet, mit der Begründung, dass die ursprünglich gefassten Ziele erreicht wurden. Heißt das, dass in den kommenden Monaten kein Begleitgremium mehr da sein wird, falls aus den Reihen der Bezirke oder Vereine Fragen auftauchen?

Der Ausgangspunkt ist falsch. Nicht der Ausschuss hat seine Tätigkeit beendet, vielmehr wurde sie von Beirat, Verbandsausschuss und Lenkungsausschuss einstimmig für beendet erklärt. Dabei war man sich einig, dass der Ausschuss sämtliche an ihn gestellten Anforderungen und Aufgaben erfüllt hatte. Weshalb also hätte er noch länger existieren sollen? Dennoch haben die vormaligen Ausschussmitglieder im Bedarfsfall weiter ihre Unterstützung angeboten. Anfragen sind keine gekommen.

Was bedeutet letztlich die Bezirksreform ganz konkret für die Vereine?

Eine der Grundvorgaben der Reform durch die Bezirke war, dass sich möglichst wenig ändern sollte. Teilweise haben die Bezirke deshalb der Eingliederung von Teilen des Bezirks in einen anderen widersprochen. Für die durch die Reform betroffenen Vereine wird sich naturgemäß das Bezirksgebiet ändern und - in welchem Umfang auch immer - die Zusammensetzung der Gremien. Inwieweit sich Dinge, wie zum Beispiel die Beschlussfassung über die Klasseneinteilung oder ein Bezirkstraining, verändern, kann ich nicht sagen. Genau diese Dinge sollten ausdrücklich Angelegenheit der Bezirke sein und bleiben.

Und welche Auswirkungen hat die Reform auf die einzelnen Sportlerinnen und Sportler?

Durch den geänderten Zuschnitt der Bezirke und den – übrigens gegen meinen Wunsch - beschlossenen Wegfall der Landesklasse, deren Mannschaften künftig dem Bezirkssport unterfallen werden, ändert sich die Zusammensetzung der Spielklassen, insbesondere der Verbandsspiel-klassen, und zumindest teilweise die der Gegner. Letzteres vor allem auch bei den Bezirksveranstaltungen, wie Ranglisten oder Meisterschaften. Für die Neueinteilung der Regionen, die sich zwingend aus der Reform ergab, gilt das entsprechend.

Und was passiert mit jenen Bezirken, die bis Juli 2026 nicht ans Ziel gelangt sind?

Nach den von ihnen selbst mit gefassten Beschlüssen müssen sie zu Potte kommen, ansonsten ist der Verband am Zug - siehe oben!

Was das endgültige Umsetzungsdatum der Bezirksreform anbelangt: Sind Sie eher gespannt – oder eher gelassen?

Die Bezirke haben alle Vorgaben, die sie brauchen. Sie sind auch eigenem Bekunden nach bereit, willens und in der Lage, sie umzusetzen. Nach den bisherigen Rückmeldungen anlässlich der letzten Beiratssitzungen bin ich deshalb absolut entspannt und überzeugt, dass auch die Umsetzung der Reform, so wie sie selbst, gelingen wird. Meine Mitstreiter Andreas Greischel, Thomas Jäger, Michael Kocheisen und Stefan Krumm haben, denke ich, alles dafür getan. Bei ihnen möchte ich mich zum Schluss auch auf diesem Weg nochmals ganz herzlich bedanken.

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