Wenn die besten deutschen Para-Tischtennisspielerinnen und -spieler am 15. und 16. Mai im Sindelfinger Glaspalast aufschlagen, ist das für viele Teilnehmer bereits eine bekannte und zudem beliebte Adresse, die gerade für beeinträchtigte Sportler keine Wünsche offenlässt. Zum vierten Mal in Serie ist die Tischtennisabteilung des VfL Sindelfingen Gastgeber der Deutschen Meisterschaften im Para-Tischtennis. Wenige Wochen vor dem Event mit etwa 200 Teilnehmern in den unterschiedlichsten Wettkampfklassen nimmt VfL-Abteilungsleiter Miroslav Milkovski Stellung.
Neben dem regulären Trainings- und Spielbetrieb hat sich die Sindelfinger Tischtennisabteilung längst auch einen Namen im Bereich der Inklusion gemacht. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema?
Für uns als Abteilung hat das Thema Inklusion seit jeher einen hohen Stellenwert. In der Sommerhofenhalle gab es auch schon vor einigen Jahren regelmäßig Training mit den besten Spielenden. Aktuell bekommt das Thema noch einmal zusätzliche Bedeutung. Seit einigen Monaten trainiert mit Cary Hailfinger eine Medaillengewinnerin aus dem vergangenen Jahr und Teilnehmerin der diesjährigen Meisterschaften regelmäßig bei uns. Auch dadurch entsteht ein intensiver Austausch, von dem alle profitieren: Wir können sie gezielt unterstützen, und gleichzeitig erleben unsere Mitglieder ganz unmittelbar, dass Tischtennis keine Barrieren kennen sollte.
Der organisatorische Aufwand – vor und während der beiden Turniertage – ist beachtlich, wie Sie auch im letzten Jahr äußerten. Nicht jeder sprach sich in der Tischtennisabteilung von einer abermaligen Veranstaltung im Jahr 2026 aus. Warum haben Sie dennoch die Zusage gegeben?
Man muss sehr gut abwägen, ob man sich zum vierten Mal in Folge an so eine Veranstaltung herantraut. Letztlich haben wir die Entscheidung – wie bereits im Vorjahr – im Sinne und zum Wohl der Sportlerinnen und Sportler getroffen. Ausschlaggebend war zudem, dass es deutschlandweit keine weiteren Bewerbungen für die Ausrichtung gab. Nach den ersten Gesprächen mit dem WBRS (Württembergischer Behinderten- und Rehabilitationssportverband, Anm. d. Red.) haben wir uns deshalb dazu entschieden, erneut Verantwortung zu übernehmen und die Meisterschaften auszurichten.
Bekannt ist auch, dass der mit ausrichtende WBRS auf Grund der optimalen Vorort-Verhältnisse gerne nach Sindelfingen kommt. Hätten Sie auch Ihren Hut in den Ring geworfen, wenn ein anderer Veranstaltungsort im Gespräch gewesen wäre?
Hätte sich andere Verbände und Vereine gefunden, wären wir sehr gerne für Wissensaustausch zur Stelle gewesen. Aber dann hätten wir uns natürlich als Ausrichter zurückgehalten.
Welche Hürden gab (oder gibt es noch) es im Vorfeld der Meisterschaften zu überspringen?
Eine der größeren Hürden ist immer die Sponsorensuche. Leider ist das Budget im Vergleich zum vergangenen Jahr geringer, obwohl wir gemeinsam mit dem WBRS zwei neue Partner ins Boot holen konnten. Ebenso eine spannende Frage ist, in welchem Zeitraum die Veranstaltung stattfinden soll. Einen perfekten Zeitraum gibt es nicht, da wir entweder den „Vatertag“ als beliebtes verlängertes Wochenende oder eine reguläre Arbeitswoche zur Auswahl haben. Ein Klassiker ist und bleibt die Suche nach Helferinnen und Helfern rund um die Veranstaltung. Ein weiterer Punkt ist die gewünschte überregionale mediale Präsenz. Diese ist wichtig für Reichweite, Anerkennung und auch zukünftige Sponsorengewinnung, lässt sich jedoch nicht immer im gewünschten Maße realisieren.
Mit welchen Aufgaben ist die Abteilung während der beiden Turniertage betraut?
Wir kümmern uns rundum um das leibliche Wohl aller Beteiligten – von den Akteuren über Schiedsrichter bis hin zu den Zuschauern. Darüber hinaus übernehmen wir den kompletten Auf- und Abbau in der Halle, was organisatorisch und personell eine große Herausforderung darstellt. Während der Spiele selbst sind wir permanent vor Ort präsent und als klar erkennbare Ansprechpartner im Einsatz. Egal ob Fragen zum Ablauf, zur Organisation oder zu einzelnen Details. Was den Personaleinsatz angeht, sind zahlreiche Mitglieder unserer Abteilung eingebunden. Eine genaue Zahl ist schwer festzulegen, da viele flexibel in verschiedenen Schichten helfen. Klar ist aber: Ohne den breiten Einsatz aus dem Verein wäre eine solche Veranstaltung nicht möglich. Zusätzlich greifen wir auch auf externe Unterstützung zurück. Gemeinsam mit der Stadt Sindelfingen haben wir über verschiedene Netzwerke Helferinnen und Helfer angefragt. Besonders freuen wir uns, dass uns in diesem Jahr die Mitgliederinnen der neuen Cheerleading-Abteilung des VfL Sindelfingen tatkräftig unterstützen werden. Und grundsätzlich gilt: Jede helfende Hand ist willkommen, Aufgaben gibt es mehr als genug.
Zuletzt stellten Sie – als Neuerung – ein Social Media Kreativteam in Aussicht, dies in Hinblick auf eine Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit. Gibt es in diesem Bereich Fortschritte? Und gibt es weitere Änderungen im Vergleich zu den vorherigen Veranstaltungen?
Wir haben frühzeitig mit der Planung und Erstellung von Plakaten und „Trailern und Teasern“ begonnen. Diese werden nach und nach über Instagram veröffentlich, um der Veranstaltung einen würdigen Rahmen zu geben. Der Austausch war wichtig und sehr kreativ.
Im Vorjahr fehlten einige Topspieler und Paralympics-Teilnehmer, da parallel in Slowenien ein internationales Turnier der internationalen Para-Elite stattfand. Wie sich nun herausstellte, ist dies erneut der Fall.
Es ist natürlich sehr schade, wenn wichtige Sportler nicht teilnehmen können. Ich verstehe auch, dass diese Para-Elite wichtig ist. Trotzdem bleibt die nationale Meisterschaft eine zentrale und unverzichtbare Veranstaltung. Sie ist nicht nur ein Titelwettbewerb, sondern auch eine wichtige Plattform für den Nachwuchs. Gerade hier zeigen sich immer wieder neue, bislang unentdeckte Talente, die sich langfristig in Richtung Spitze entwickeln können. Kritisch wird es dann, wenn internationale Termine dauerhaft die nationale Ebene verdrängen. Für die Entwicklung des Sports insgesamt wäre das problematisch, weil eine starke nationale Struktur die Grundlage für internationale Erfolge bildet.




