Martina („Matze“) Schubien wurde „vor langer Zeit“, wie sie verschmitzt schreibt, in Freiburg geboren. Abitur am Gymnasium in Denzlingen, Studium „und schon früh die Entscheidung“ für den Trainer/innenberuf, mit Erwerb der A-Lizenz und Ausbildung zur Sport-Mentaltrainerin. Ihr Heimverein ist der TV Denzlingen (Südbaden), ihr aktueller Verein der TTC Suggental. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder. Ihr heutiger Wohnort ist Sexau.
Du bist Sportdirektorin des baden-württembergischen Tischtennissports. Deine genaue Tätigkeit?
Meine Aufgabe ist im Grunde, möglichst gute Rahmenbedingungen für den Leistungssport in Baden-Württemberg zu schaffen und zu erhalten. Dazu gehört sehr viel Organisatorisches und Strukturelles, natürlich auch Gremienarbeit und ziemlich viel Büro. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist aber auch, meinen Kolleginnen und Kollegen den Rücken freizuhalten, damit sie sich auf das konzentrieren können, worum es eigentlich geht: die Arbeit mit unseren Sportlerinnen und Sportlern in der Halle. Und ich freue mich immer noch, wenn ich selbst mal wieder bei einer Veranstaltung als Coach dabei sein oder bei einem Lehrgang unterstützen kann.
Wo trainieren die Besten der Besten?
Vor allem an den Landesstützpunkten Karlsruhe, Böblingen und Heilbronn. Einen weiteren, allerdings regionalen, Stützpunkt gibt es in Freiburg, der läuft unter der Regie von TTBW.
Wer ist dein genauer Arbeitgeber?
Die ArGe (Arbeitsgemeinschaft) Leistungssport Baden-Württemberg. Deren Träger sind die beiden Tischtennisverbände im Land, Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) und Badischer Tischtennisverband (BaTTV).
Wo befindet sich dein wesentlichster Tätigkeitsort?
Ganz langweilig: zu Hause am Schreibtisch. Von dort läuft ein Großteil der Organisation und Planung.
Du bist aber auch viel in Sportschulen tätig: Auf wie viele Tage dort – und Nächte – kommst du?
Seit ich Sönke Geils Arbeit übernommen habe und Sportdirektorin bin, natürlich längst nicht mehr so viel wie früher. Aber auf zehn bis fünfzehn Tage im Jahr komme ich auch heute noch – und ein paar Nächte gehören dann eben dazu.
Die Stützpunkte sind quasi die Talentschmieden, an denen regelmäßig trainiert wird. Hältst du im Vergleich mit anderen Landesverbänden die Strukturen für gut?
Wir gehen in Baden-Württemberg bewusst einen dezentralen Weg. In vielen anderen Landesverbänden werden die besten Talente an einem Sportinternat zusammengeführt. Bei uns gibt es mehrere Landestützpunkte, an denen die Spielerinnen und Spieler möglichst wohnortnah trainieren können. Das hat sich in den vergangenen Jahren aus meiner Sicht bewährt. Bei unseren Landeskadermaßnahmen an der Landessportschule kommen dann alle zusammen und trainieren gemeinsam.
Was ist der besondere Reiz deiner Tätigkeit?
Dass kein Tag wie der andere ist. Und wenn man am Freitag denkt: „Ach, nächste Woche wird vielleicht mal ein bisschen ruhiger“, kommt der Montag – und dann wird’s wieder turbulent.
Wie spielt der Partner mit, die Familie?
Heute ist das natürlich viel einfacher, weil die Kinder aus dem Haus sind. Als sie noch klein waren und ich gleichzeitig viel unterwegs war, war das schon herausfordernd. Meine Familie hat aber immer super mitgespielt. Natürlich mussten sie alle auch zurückstecken – und ich hoffe, sie haben mich wenigstens ein bisschen vermisst, wenn ich wieder unterwegs war. Aber unterstützt haben sie mich immer, und dafür bin ich sehr dankbar.
Wie oft hast du für deine Tätigkeit schon Lob von Dritten geerntet?
Tja, was soll man sagen? Wir sind hier in Baden-Württemberg! Im Schwäbischen heißt es ja: „Net g‘schimpft isch g‘lobt g‘nug.“
Du bist seit gut zweieinhalb Jahren im Amt: Welches sind die größten Erfolge, die deine Schützlinge bislang vorweisen können?
Dieses Jahr ist schon ziemlich perfekt und wahrscheinlich kaum noch zu toppen: 22 Medaillen bei den bundesdeutschen Finals und acht Medaillen bei den Jugend-Europameisterschaften. Das war sensationell. Und natürlich macht mich das stolz – auf unsere Spielerinnen und Spieler, auf unsere Trainerinnen und Trainer, aber auch auf die Arbeit, die wir gemeinsam machen.
Welches sportliche Ziel hast du dir für die kommenden drei Jahre gesetzt?
Als Sportdirektorin habe ich eigentlich kein spezielles sportliches Ziel. Mir geht es darum, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern und damit den Boden dafür zu schaffen, dass sich unsere vielen guten Nachwuchsspielerinnen und -spieler weiterentwickeln können. Natürlich wäre es schön, wenn der eine oder die andere irgendwann auch den Sprung in die Erwachsenen-Nationalmannschaft schafft. Aber dafür sind drei Jahre wahrscheinlich ein bisschen knapp.
Wäre es für deine Tätigkeit hilfreich, es gäbe in Baden-Württemberg nur noch einen Verband statt bislang zweien?
Wir arbeiten in der ArGe - im Leistungssport - eigentlich schon heute nur noch auf der Ebene von ganz Baden-Württemberg - und nicht getrennt nach den beiden Verbänden. Von daher wäre ein gemeinsamer Verband für mich eigentlich die logische Konsequenz.
Nun ist Baden-Württemberg im Tischtennis bundesweit eine gute Hausnummer: Liegt das an den Strukturen, dem guten Training der Stützpunkte, an herausragenden Heimtrainern – oder an beidem?
Ganz klar: an allem zusammen.
Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s!“?
Ach, der Gedanke kommt doch wahrscheinlich bei jedem mal. Mir macht meine Arbeit aber immer noch sehr, sehr viel Spaß, und ich freue mich tatsächlich fast jeden Tag darauf - das „fast“ lasse ich aber in dem Satz drin.
Du warst selbst eine sehr passable Tischtennisspielerin: Was war dein größter Erfolg, ob als Einzelspielerin oder als Mitglied einer Mannschaft?
Mit der Mannschaft waren sicherlich die Meisterschaft in der 2. Bundesliga mit dem TV Denzlingen und der süddeutsche Pokalsieg besondere Highlights. Im Einzel war die süddeutsche Meisterschaft im Mädchen-Einzel etwas Besonderes für mich. Und natürlich die Medaille bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften im Mixed mit Andreas Decker. Beides hatte für mich seinen Reiz – Mannschaft und Einzel. Witzig übrigens, dass Sönke Geil im Halbfinale bei den Deutschen Meisterschaften im Mixed gegen uns betreut hat. Leider haben wir verloren.
Warum bist du nicht Nationalspielerin geworden?
Gute Frage. Vielleicht waren die Strukturen damals in Südbaden einfach noch nicht gut genug, um leistungssportlich ganz oben in Deutschland anzukommen. Das hat sich durch die Zusammenarbeit in ganz Baden-Württemberg innerhalb der ArGe deutlich verändert.
Wann hattest du erstmals einen ersten Schläger in der Hand?
Mit zehn Jahren. Mein Vater hat mir bei uns zu Hause im Garten am Tisch den ersten Schläger in die Hand gedrückt. Ich war die Kleinste und Schlechteste, doch das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ehrgeizig war ich schon immer. So fing alles an.
Und welche Niederlage nagt an dir bis heute?
Keine.
Hattest du so etwas wie Lieblingsgegnerinnen?
Ja – Abwehrspielerinnen. Gegen die habe ich eigentlich immer besonders gerne gespielt.
Welches ist weltweit der/die beste TT-Spieler/in aller Zeiten?
Jan-Ove Waldner. Ob er wirklich der Beste aller Zeiten war, darüber kann man sicher diskutieren, da könnte man vielleicht auch andere nennen. Aber für mich war er auf jeden Fall der Coolste.
Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?
Es gibt viele Möglichkeiten, Kinder überhaupt erst in die Vereine zu bekommen – über Schulen, Kindergärten oder andere Angebote. Für mich ist aber fast noch wichtiger, was danach passiert. Man braucht gute Trainerinnen und Trainer, die es schaffen, dass die Kinder gerne kommen und dann auch im Verein bleiben.
Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?
Definitiv keine.
Und gibt es Regeln, die man unbedingt einführen sollte?
Vielleicht genau eine: die Regel, dass nicht ständig neue Regeln kommen sollen.
Ab sofort gibt es im Verband deutlich weniger Bezirke: Ist das gut?
Grundsätzlich finde ich das gut. Jetzt muss man abwarten, wie das Ganze in der Praxis wirklich läuft. Problematisch sehe ich teilweise die langen Fahrtstrecken zu Punktspielen. Wenn Eltern für ein Punktspiel anderthalb Stunden oder länger unterwegs sind, ist das natürlich nicht immer prickelnd und macht es auch nicht leichter, Eltern zum Fahren zu finden. Aber grundsätzlich finde ich den Weg gut. Schauen wir mal, wie es anläuft und welche Erfahrungen die nächsten Jahre bringen.
Was macht dir rund ums Tischtennis am meisten Freude?
Die Arbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen und mit den Sportlerinnen und Sportlern. Dieses gemeinsame Miteinander, zusammen an einem Ziel zu arbeiten, sich gemeinsam zu freuen – und manchmal leider auch gemeinsam zu leiden. Genau das macht für mich ganz viel aus.
Hast du, neben Tischtennis, weitere Hobbys?
Lesen, Reisen und mein Hund Holly.






