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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (24): heute Lea Lachenmayer, ESV Weil

„Die Stimmung bei unseren Heimspielen ist immer super“

Lea Lachenmayer wurde am 8. Dezember 2004 in Nürtingen geboren. 2023 hat sie Abitur gemacht. Ihr Wohnort ist Neckarhausen. Sie absolviert derzeit in Villingen-Schwenningen ein Studium an der Hochschule der Polizei Baden-Württemberg. Sie ist ledig. Im Januar wurde sie baden-württembergische Landesmeisterin. Ihr Verein ist der ESV Weil am Rhein (1. Bundesliga).

Du warst am Wochenende bei den „Deutschen“ in Erfurt am Start? Zufrieden mit den Ergebnissen?

Mit dem Ergebnis im Mixed sind wir – Florian Bluhm und ich - nicht zufrieden, da hatten wir uns eindeutig mehr erhofft, allerdings haben wir in dem Spiel nicht gut gespielt und sind auch verdient ausgeschieden. Im Doppel – zusammen mit Mia Griesel - und Einzel bin ich eigentlich zufrieden, den einen oder anderen Satz mehr hätte ich gewinnen können, aber insgesamt kann ich mir nicht viel vorwerfen. 

Hattest du speziell auf die Meisterschaft trainiert? Falls ja: wie viele Einheiten pro Woche?

Ja, im Vergleich zu meinem sonstigen Trainingspensum habe ich mich speziell für die Deutschen vorbereitet, indem ich fünf Wochen lang immerhin jede Woche zumindest einmal trainiert habe. Man muss einfach wissen. Ich habe als Jugendliche sehr viel trainiert. Seit geraumer Zeit habe ich den Fokus aber jetzt stark aufs Studium gerichtet.

Wo und mit wem hattest du dich darauf vorbereitet?

Ich habe entweder in Gärtringen trainiert mit Anka Ziegler und Tim Holzapfel oder mit Luis Hornstein in Böblingen. Außerdem konnte ich die Woche vor den Deutschen eine Einheit mit dem Landeskader Baden-Württemberg in der Sportschule in Albstadt absolvieren.

Wie würdest du dein Spiel bezeichnen?

Puh, das ist eine gute Frage. Ich glaube: als abwechslungsreich, unvorhersehbar und, wenn ich einen guten Tag habe, auch ganz gut zum Anschauen.

Bei welchen Vereinen hast du bislang gespielt?

Ich habe in Frickenhausen angefangen, dann bin ich zur TTG Süßen gewechselt, mittlerweile spiele ich beim ESV Weil am Rhein.

Wie alt warst du bei deinem ersten Einsatz in der 1. Bundesliga?

19.

Du spielst heute für Weil in der 1. Bundesliga: Warum ausgerechnet Weil, das kleine Städtchen unweit der Grenze zur Schweiz?

Um gut spielen zu können, muss ich mich im Verein und in der Mannschaft wohl fühlen. Das ist in Weil zu hundert Prozent der Fall und auch der Hauptgrund, warum ich in Weil spiele. Ich habe hier unheimlich viel Spaß und freue mich immer auf jedes Spiel - und das ist alles, was für mich zählt.

Wohnst du auch in Weil?

Nein, sondern bei meinem Freund in der Nähe von Nürtingen. Ich reise lediglich zu den Spielen an. Unter der Woche bin ich in Villingen-Schwenningen, wo ich studiere.

Wie verlief die zurückliegende Saison?

Leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir konnten nicht an die vorherige unfassbar gute Saison anknüpfen. Wir haben eigentlich immer gut gespielt, allerdings meistens in den wichtigen Momenten verloren und sind deshalb Letzter geworden. Wir hoffen, dass wir nächste Saison wieder mehr Spiele gewinnen können und uns den Klassenerhalt sichern. Dadurch, dass niemand absteigt, spielen wir nächste Saison erneut in der 1. Liga.

Vor wie vielen Zuschauern läuft in der Regel ein Punktspiel ab?

In der Regel sind bei uns etwa 110 Zuschauer, wodurch die Halle dann auch eigentlich voll ist, da sie relativ klein ist. Arg viel mehr Zuschauer passen auch nicht rein. Wir hatten schon oft das Problem, dass es eigentlich zu voll war, was uns aber natürlich auch freut und wodurch die Stimmung bei unseren Heimspielen immer super ist.

Was für eine Bilanz erhoffst du dir für die neue Saison?

Ich hoffe, dass ich eine ausgeglichene Bilanz spielen kann, vielleicht sogar positiv, aber das wird auf jeden Fall nicht einfach.

Wie oft trainierst du in aller Regel pro Woche - und wo und mit wem?

Ich trainiere tatsächlich nur noch sehr wenig. In der Woche, in der wir ein Spiel haben, versuche ich einmal zu trainieren. Wenn wir kein Spiel haben, trainiere ich gar nicht mehr. Wenn ich trainiere, dann entweder in Gärtringen oder in Böblingen mit Anka Ziegler, Tim Holzapfel oder Luis Hornstein.

Wo liegen deine Stärken – und wo deine Schwächen?

Meine Stärken sind mein Vorhand-Angriff und meine Schnelligkeit. Meine Schwächen: dass ich keinen Rückhand-Angriffsschlag und keine Geduld habe, was mir als Abwehrspielerin öfters im Weg steht.

Gegen welche ganz Große in der Tischtennisszene hast du zuletzt gespielt?

Beim letzten Bundesligaspiel gegen Dachau musste ich im vorderen Paarkreuz ran und durfte gegen Sabine Winter spielen. Der erste Satz war knapp, ich hatte die Chance, den zu gewinnen, was dann doch nicht der Fall war. Danach bin ich eigentlich nur noch Bälle holen gegangen...

Wann hattest du deinen ersten Schläger in der Hand? Und wer hat ihn dir gegeben?

Boah, das weiß ich gar nicht genau. Ich habe bei einem Sommerferienprogramm in Frickenhausen das erste Mal richtig gespielt, aber ich weiß nicht, ob es das erste Mal war, dass ich einen Schläger in der Hand hatte. Gegeben hat ihn mir damals dann aber wahrscheinlich entweder Doris Schmid oder Steffi Sterr, die haben das Programm geleitet, wenn ich mich richtig erinnere. Da war ich acht Jahre alt.

Wie oft pro Woche hast du im ersten Jahr gespielt? Und ab wann nahmen die Trainingseinheiten pro Woche spürbar zu?

Im ersten Jahr habe ich ein- oder zweimal in der Woche in Frickenhausen trainiert. Anfang 2015, als ich elf Jahre alt war, wurde ich zum Stützpunkttraining nach Böblingen eingeladen und habe dann dort zweimal die Woche trainiert. Ab 2017, also mit 13 Jahren, habe ich dann vier- bis fünfmal in der Woche in Böblingen trainiert. Ab Ende 2018 kamen dann noch Lehrgänge von der Jugendnationalmannschaft aus in Düsseldorf dazu. Ab da ging’s dann so richtig los.

Auf welche fünf sportlichen Erfolge bist du ganz besonders stolz?

- Mein größter Traum war es, einmal für Deutschland spielen zu dürfen. Somit ist mein erstes internationales Turnier, das ich im Nationaltrikot gespielt habe, ein großer Erfolg, auf den ich sehr stolz bin.

- Auf alle Medaillen, die ich bei Deutschen Meisterschaften sammeln konnte.

- Auf den Vize-Europameistertitel mit der Mannschaft bei der Jugend-EM 2023

- Auf den Einzeltitel 2026 bei den „Baden-Württembergischen“.

- Dass ich an der Jugend-WM 2023 in der Mannschaft teilnehmen konnte.

Und welche Niederlagen nagen an dir bis heute?

Da fällt mir direkt die Niederlage im Jugend-EM-Finale mit der Mannschaft gegen Rumänien ein. Ich glaube, Mia hat das erste Match gewonnen, dann habe ich gegen Elena Zaharia etwas überraschend gewonnen - und wir führen 2:0. Uns hat nur noch ein Sieg zum Titel gefehlt. Naomi verliert aber ihr Spiel und Mia auch - und es steht 2:2. Ich musste dann das entscheidende Spiel gegen Singeorzan spielen. Eigentlich habe ich richtig gut gespielt, aber am Ende hat es nicht gereicht, und wir verlieren das Spiel 2:3. Dieses letzte Spiel werde ich, glaube ich, nie vergessen, weil ich es in der Hand hatte…

Welcher sportliche Traum soll für dich noch in Erfüllung gehen?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich keinen sportlichen Traum mehr. Ich habe viel mehr erreicht, als ich mir hätte vorstellen können, und jetzt spiele ich wirklich einfach nur noch, weil es mir Spaß macht.

Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang hatte deine Familie?

Meine Familie hat einen sehr, sehr großen Anteil daran. Ohne ihre Unterstützung hätte das alles niemals funktioniert. Meine Eltern haben mich immer nach Böblingen gefahren, weil die Zugverbindung zu schlecht war. Manchmal sind sogar, wenn meine Eltern arbeiten mussten, meine Großeltern gefahren. Zu den Turnieren haben sie mich meistens begleitet, und von zu Hause hat mich mein großer Bruder immer unterstützt und angefeuert. Das ist aber natürlich nicht nur bei mir so gewesen. Zu jedem Kind, das Leistungssport betreibt, gehört die Familie, die auch auf sehr viel verzichten muss, auf dass das Kind den Sport erfolgreich betreiben kann. Ohne familiäre Unterstützung ist es eigentlich unmöglich, deshalb bin ich meiner Familie unendlich dankbar, dass ich all die Erfolge und Erfahrungen sammeln konnte.

Welches ist für dich der beste TT-Spieler aller Zeiten?

Ma Long.

Und wer ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?

Da bin ich überfragt: keine Ahnung.

Hast du ein sportliches Vorbild?

Ja, und mit der Zeit kommen immer mehr dazu, deshalb ist es schwer eine Person rauszupicken, aber ich würde Serena Williams und Mikaela Shiffrin nennen.

Was machst du beruflich – und was willst du noch werden?

Ich studiere dual bei der Polizei Baden-Württemberg und bin Anfang 2028 fertig. Dann bin ich Kriminaloberkommissarin und versuche so vielen Verbrechern auf die Schliche zu kommen, wie es nur geht. Das ist schon immer mein Wunschberuf gewesen, seit ich ein kleines Kind bin, und bin umso glücklicher, dass ich diesen dann auch ausüben darf beziehungsweise, im sechsmonatigen Praktikum, schon ausüben durfte.

Du bist Bundesligaspielerin: Würdest du dich als TT-Profi bezeichnen?

Auf gar keinen Fall, davon bin ich wirklich sehr, sehr weit weg. Ich würde mich einfach als Tischtennisliebhaberin beschreiben.

Fußball ist in Deutschland die mit Abstand dominierende Sportart: Was müsste geschehen, um Tischtennis weiter nach vorne, noch mehr in die Öffentlichkeit, ins Fernsehen, zu bringen?

Ich glaube, dass sich schon einiges getan hat und Tischtennis immer populärer wird. Natürlich gibt es Sportarten wie Fußball oder Handball, die dominieren. Das zu ändern wird meiner Meinung nach fast unmöglich sein. Durch den Social-Media-Auftritt kann Tischtennis weiter nach vorne rücken und natürlich durch die Erfolge, die die Deutschen feiern können. Das sieht man ja jetzt an Sabine Winter. Durch ihren krassen Erfolg steigt natürlich die Medienpräsenz und dann wird - zum Beispiel - auch ein Playoff-Finalspiel der Frauen-Bundesliga im Livestream beim Bayrischen Rundfunk gezeigt.

Was denkst du: Wie viele Sportler/innen können in Deutschland vom Tischtennis leben?

Es sind mehr, als man denkt, aber natürlich ist es nicht so wie im Fußball. Aber im Vergleich zu anderen Sportarten, wie Turmspringen oder Kunstradfahren. geht es den Top-Tischtennisspielern richtig gut.

Welchen Anteil am Erfolg hat der Sportler selbst, der Trainer, der Verein, die Zuschauer?

Den größten Anteil hat der Sportler, aber dann kommen direkt die Trainer und natürlich auch der Verein und das gesamte Umfeld. Ein guter Spieler wäre ohne Trainer und ohne Verein nicht so gut, wie er sein könnte. Das ist ein Zusammenspiel, ohne das eine geht das andere nicht. Die Zuschauer können auch Einfluss haben: Wenn sie für dich sind, für dich klatschen, können sie dich pushen. Wenn sie gegen dich sind, können sie dich nerven, weil man sauer wird. Früher war ich immer unfassbar nervös, wenn Menschen mir beim Spielen zugeschaut haben, ich habe dadurch sehr viel schlechter gespielt, als ich eigentlich konnte. Deshalb habe ich dann mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet, es wurde dann nach und nach immer besser. Jetzt ist es zum Glück kein Problem mehr für mich.

Wem wirst du immer dankbar sein?

Meiner Familie und all meinen Trainern. Wenn ich jemanden hervorheben darf, dann Evelyn Simon, Sönke Geil und Markus Senft.

Was macht dir rund ums Tischtennis am meisten Freude?

Das Miteinander mit der Mannschaft und den Trainingspartnern und natürlich das Gewinnen.

Welchen Hobbys gehst du, neben Tischtennis, nach?

Im Sommer gehen wir in der Freundesgruppe viel Beachvolleyball spielen sowie Radfahren und Wandern, aber ich spiele auch sehr gerne Darts und schaue im Fernsehen sehr viel Sport an.

Was sollten Vereine tun, um Jugendliche zu gewinnen?

Ihnen zeigen, wie viel Spaß Tischtennis machen kann, und motivierte Trainer haben, die dafür brennen, den Kids etwas beizubringen.

Gibt es Tischtennisregeln, die man unbedingt einführen sollte?

Wenn es den Videobeweis noch nicht gäbe, dann hätte ich diesen jetzt genannt, aber es gibt ihn ja jetzt schon, jedenfalls bei manchen Turnieren.

Das Interview führte Hubert Röderer.

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