Jan Schmauder hat nach dem Abitur ein Fachhochschulstudium in Verkehrswirtschaft (mit Vertiefung Transportwesen) absolviert. Er ist als Logistikplaner tätig. Geburtsort ist Salzgitter-Bad. Heutiger Wohnort: Marbach-Rielingshausen. Sein Verein ist der Turn-, Sport- und Gesangverein 1892 e. V. Steinheim (TSG Steinheim). Jan Schmauder ist verheiratet und hat zwei Töchter.
Hast Du eine Übersicht über all Deine Ehrenämter?
Ja:
- Regionsleiter Stuttgart, PingPongParkinson Deutschland e. V.
- Stützpunktleiter Parkinsongruppe, TSG Steinheim Tischtennisabteilung
- 1. Vorsitzender Förderverein der Tischtennisabteilung des TSG Steinheim
- Leitung Presse/Social Media, TSG Steinheim, Tischtennisabteilung
- Sansibar-Projekt mit Philipp Floritz (kein Ehrenamt im klassischen Sinne, aber ein soziales Projekt)
Du hast eine besondere Nähe zum Parkinson-Sport: Wie ist die entstanden?
Das kam förmlich aus dem Nichts. Im Sommer 2019 erfuhr ich zufällig von einer Tischtennis-Weltmeisterschaft in New York für Menschen mit Parkinson und war sofort begeistert. Ich unterstützte den Spendenaufruf für die Reisekosten der deutschen Delegation. Wenige Monate später wurde ich als Mitglied Nr. 008 das erste Nicht-Gründungsmitglied von PingPongParkinson Deutschland e. V. (PPP) und baute gleichzeitig den ersten offiziellen PPP-Stützpunkt in Baden-Württemberg auf. Inzwischen bin ich Stützpunktleiter in Steinheim, Regionsleiter Stuttgart und Botschafter für PPP.
Wie kamst Du zu deinem allerersten Ehrenamt?
Kurz vor der Corona-Pandemie haben wir bei uns in Steinheim über die Zukunft der Tischtennisabteilung gesprochen. Dabei habe ich das Thema Presse/Social Media für mich entdeckt, da ich schon immer eine Affinität zum Schreiben hatte.
Meine tiefere Motivation: 2018 verlor ich meinen Vater mit 66 Jahren an Krebs. Er hatte Jahrzehnte lang Tischtennis gespielt und mich von Kindheit an damit in Kontakt gebracht. Schon kurz vor seinem Tod hatte er mich auf eine Reportage im „Stern“ über den Paraspieler Hartmut Freund aufmerksam gemacht, die mir zeigte, welch positive Wirkung unser Sport entfalten kann. Das war der erste Funke. Weitere Inspiration gab mir die Doku „Believe That“ des Brighton Table Tennis Clubs über Spieler/innen mit Down-Syndrom. Beides hat mein persönliches Feuerwerk für das Ehrenamt gezündet.
Wie viele Stunden investierst Du in der Regel pro Woche in die Ehrenämter?
Offen gesprochen, will ich das gar nicht so genau wissen, insbesondere, wenn ich an die Zeit denke, die ich täglich auf Instagram in Bezug auf die Pressearbeit verbringe. Oder Interviews mit sehr vielen Fragen beantworte. Spaß beiseite: Es sind sehr viele Stunden, die ich aber mit ganz viel Leidenschaft leiste. Deshalb zähle ich sie auch nicht.
Was ist für Dich der besondere Reiz eines Ehrenamtes?
Ich würde mich gern vom Begriff „Ehrenamt“ lösen – „Soziales Engagement“ trifft es besser und schreckt weniger ab. Den Reiz beschreibt der ehemalige NBA-Spieler und -Trainer Phil Jackson treffend: „What you do for yourself, you’re doing for others, and what you do for others, you’re doing for yourself.“ Ich habe mein „Warum“, mein „Ikigai“ gefunden und bin dankbar dafür. Es ist schön zu sehen, dass man mit oft geringem Aufwand viel bewegen kann.
Nutzt Dir der Sport oder das Ehrenamt auch im Beruf?
Beides plant mir kein globales Luftfrachtnetzwerk aus. Aber als „Türöffner“ wirkt es schon: Sport und Ehrenamt verbinden auf einer anderen Ebene als die reine Arbeit, erweitern das Netzwerk und erleichtern manchmal den Zugang zu Unterstützung. Wenn ich mitbekomme, dass eine Kollegin oder ein Kollege Tischtennis spielt, werde ich sofort hellhörig.
Wie oft hast Du für Deine ehrenamtliche Tätigkeit schon Lob geerntet?
Das zähle ich nicht. Was ich tue, mache ich aus Leidenschaft, nicht fürs Lob. Natürlich freue ich mich über Wertschätzung. Ein Highlight war der Showkampf mit Erik Schreyer und Steffen Mengel, den ich vergangenes Jahr in Steinheim organisiert habe. Es war ein lebhaftes Event, bei dem sich beide sehr nahbar zeigten und viel Zeit für den persönlichen Austausch genommen haben. Das kam bei allen sehr gut an, und ich habe überdurchschnittlich viele positive Rückmeldungen erhalten.
Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s!“?
Auch das zähle ich nicht. Natürlich gibt es Momente, in denen es zu viel wird. Dann hilft einmal kräftig durchatmen und eine Nacht darüber schlafen. Manchmal bedingt aber die Lebenssituation eine Umpriorisierung. Vergangenes Jahr habe ich meinen Staffelstab als Landesleiter bei PingPongParkinson weitergegeben: „Jetzt reicht’s“ im positiven Sinne. Nach dem unerwarteten Tod meiner Mutter, drei Herzkatheter-Eingriffen mit vier Stents und meiner Reha war es Zeit, mich neu zu sortieren. Mein „Rücktritt“ kam für viele überraschend, fühlte sich für mich aber mehr als richtig an. Und wir haben einen tollen Nachfolger gefunden.
Du spielst selbst Tischtennis?
Ja. Ich habe im Grundschulalter begonnen und dann mehrere Jahre aktiv beim SV Union Salzgitter gespielt. Danach folgte eine längere Pause, ehe ich vor gut 15 Jahren wieder aktiv eingestiegen bin, nachdem ich ins Schwabenländle gezogen war. Den ersten Schläger hat mir mein Vater gegeben. Wir haben zu Hause viel auf dem Esstisch mit Büchern als Netz gespielt, bevor ich alt genug für die Halle war.
Wie oft spielst Du heute noch – und wo und wie hoch?
Zweimal die Woche Training - mittwochs mit der Parkinsongruppe, freitags normales Aktiventraining - beim TSG Steinheim, plus die Punktspiele am Wochenende. Ich bewege mich irgendwo um die 1.400 TTR und auf Kreisliga A/B Niveau - aktuell Herren IV und Herren III - sowie bei den Senioren 40.
Auf welche sportlichen Erfolge bist Du besonders stolz?
Ich wurde Bezirksmeister im Herren-D-Doppel 2019 mit Chris Langholz (TSG Steinheim), außerdem Bezirksmeister im Herren-D-Einzel 2020.
Außerdem habe ich mal bei unseren Herren I in der Landesklasse ausgeholfen. Ich hatte einen Sahnetag und gewann das Doppel und sogar mein Einzel gegen jeweils deutlich stärkere Gegner. Bis heute prahle ich damit, dass ich bei den Herren I ungeschlagen bin.
Und welche Niederlagen nagen an Dir bis heute?
Grundsätzlich hinterlassen alle Niederlagen Wunden, bei denen ich mich nach 0:2-Rückstand `rangekämpft und dann doch manchmal, trotz eigener Matchbälle, verloren habe. Kürzlich habe ich 1:0 in Sätzen geführt, und war 10:3 im zweiten Satz vorne. Dann Punkt für Punkt abgegeben. Auszeit bei 10:7 – und trotzdem den Sack nicht zugemacht. 1:3 verloren, völlig unerklärlich. Nachts schlafen kann ich aber noch.
Warum bist Du nicht Nationalspieler geworden?
In meiner Jugend kam nach den Sommerferien die Nachricht, dass ich für die neue Saison nicht aufgestellt worden war, weil mein Trainer dachte, ich wolle aufhören - ein Missverständnis. Da bin ich wutentbrannt abgedampft. Ehrlich gesagt, hatte ich damals insgeheim auch schon mit Basketball geliebäugelt, also war ich ohnehin nicht mehr ganz bei der Sache. Vermutlich hat das mein Trainer wahrgenommen.
Unter uns: Ein Überflieger war ich damals so oder so nicht. Ich trauere der Vergangenheit nicht nach. Ich bin froh, trotz meiner Stents einschränkungslos spielen zu können. Randnotiz: Im Juni trete ich bei der Senioren-WM in Südkorea in der Altersklasse 45 für Deutschland an. Also, ein kleines bisschen Nationalspieler bin ich dann doch.
Welchen Anteil an Deinem sportlichen Werdegang hatten deine Eltern?
Mein Vater hatte den größten Anteil. Mit ihm habe ich neben Tischtennis viele Sportarten betrieben: Badminton im Garten, Beachball und Frisbee im Urlaub. Meine Mutter war nicht sportlich aktiv, aber durch den engen Freundeskreis der Eltern, der fast ausschließlich aus Tischtennis-Familien bestand, war der Sport immer präsent.
Wie oft gab es schon Momente, da Du Dir sagtest: Ich denke, jetzt ist es am besten, mit dem Tischtennis aufzuhören?
Ich frage mich nahezu jedes Wochenende, warum ich mir das antue, insbesondere nach eigenen verkorksten Spielen oder beim Mitfiebern. Außer dem besagten Tag in der Jugend habe ich mich in meiner „zweiten“ Karriere ein- oder zweimal konkret damit befasst, was aber schon Jahre her ist. Heute kann ich es mir nicht vorstellen.
Welches ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?
Das fragst Du allen Ernstes einen gebürtigen Niedersachsen?! Was ist genau gemeint, gebürtig aus Baden-Württemberg oder dort lebend? Bezogen auf den Lebensmittelpunkt, würde ich Youngster Annett Kaufmann und Altmeister Torben Wosik nennen. Annett ist eine fantastische Botschafterin für unseren Sport. Und vor Torben kann man nur den Hut ziehen. Sich mit 52 Jahren noch einmal zum „König von BaWü“ zu krönen, muss ihm erst mal jemand nachmachen.
Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?
Über dieser Frage brüten 99 Prozent der über 9.000 Vereine in Deutschland. In einem Satz: Findet engagierte Menschen!“ Klassiker wie mini-Meisterschaften, Schul-AGs, Schnuppertraining oder Parkinsongruppen (locker zehn bis 30 neue Mitglieder) helfen ebenso wie eine Präsenz in Sozialen Medien. Die Ideen sind zahlreich. Doch all das funktioniert nur mit engagierten Menschen, die es umsetzen.
Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?
Die Aufschlagregel bedarf einer Überarbeitung. Da sehe ich das größte Diskussionspotential in allen Spielklassen. Und den verkürzten 5. Satz in der Champions League, der nur bis 6 gespielt wird, finde ich schrecklich. Der führt bei allen zu Verwirrung und sollte abgeschafft werden.
Und gibt es Regeln, die man unbedingt einführen sollte?
Eine sehr schöne Frage. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Die Antwort reiche ich nach, wenn mir eine Idee kommen sollte.
Bald gibt es im Verband nur noch 12 statt 21 Bezirken. Ist das gut?
Ich habe mich nur oberflächlich mit dem Thema befasst. Die Reduzierung war wohl aufgrund sinkender Mannschaftsmeldungen und fehlender Ehrenamtlicher unabdingbar. Insofern: gut, weil notwendig. Wie sich die Umsetzung in der Praxis auswirkt, wird sich zeigen.
Was macht rund ums Tischtennis am meisten Freude?
Mich und andere zu vernetzen. Das beste Beispiel ist das Sansibar-Projekt: Alles begann mit einem zufälligen Facebook-Kommentar. Ich nahm Kontakt auf, schickte gebrauchtes Equipment und sammelte Geld für einen neuen Tisch. Die strahlenden Kinderaugen damals sorgen bei mir noch heute für Gänsehaut.
Dann lernte ich Philipp Floritz kennen: Gemeinsam reisten wir Ende 2023 nach Sansibar für einen Tischtennis-Lehrgang. Inzwischen stehen wir dank einer Butterfly-Equipment-Spende und lokaler Partner kurz davor, regelmäßiges Training für Kinder in einer renovierten Halle anzubieten, und schaffen damit auch noch Arbeitsplätze - finanziert von rund 50 Tischtennis-Enthusiasten. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Getreu dem Motto: „Dream Big.“
Hast Du, neben Tischtennis, weitere Hobbys?
Ich höre sehr gerne Podcasts und Hörbücher und lese tatsächlich noch klassische, gedruckte Bücher.









