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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Rückblick Vereins-Service-Tag (27. Juni 2026): Interview Horst Heckwolf

Seine Entwicklung des "modernen Anfängertrainings"

Nach dem Vereins-Service-Tag vor knapp zwei Wochen im SpOrt Stuttgart gingen zahlreiche Rückmeldungen bei uns ein. Als sehr spannendes Seminar wurde von den Teilnehmern das “moderne Anfängertraining” mit Referent Horst Heckwolf gesehen. Insbesondere die zahlreichen eingesetzten Hilfsmittel, um Kindern den Einstieg in unseren Sport zu erleichtern, waren von Interesse. Wie kam er dazu, solches “Spielzeug” zu entwickeln. Ein Gespräch mit Horst Heckwolf:

Seit wann bist Du hauptamtlicher Trainer? 

Seit 1984 (TTC Jülich / Bundesliga bis 1989), ab 1989 bis 1996 Bundestrainer DTTB, danach HTTV-Verbandstrainer

Wann und wie entstand der Gedanke, professioneller Trainer zu werden? 

Ich wollte schon als Schüler Sportlehrer werden, das war mein innerlichster Wunsch, der später auch in Erfüllung ging... 

Welche Ausbildungsstufen hast Du durchlaufen? 

Ausbildung zum allgemeinen Übungsleiter + Erlangung der Übungsleiterfachlizenz Tischtennis, B-Lizenz-Ausbildung, A-Lizenz-Ausbildung, 2 Jahre Studium an der Trainerakademie Köln

Deine größten Erfolge? 

Die mir anvertrauten Kinder + Jugendliche oft zu Hochleistungen geführt zu haben, und sie als Trainer dabei so zu beeinflussen, dass sie ihr Sozialverhalten und ihre menschliche Natürlichkeit weiterprägten...

Deine Trainerstationen? 

Bei der DJK Münster war ich schon mit 15 Jahren für den Nachwuchsbereich als Trainer tätig, mein Bruder wurde 2-facher Deutscher Jugendmeister im Einzel, Jörg und Thomas Roßkopf entwickelten sich bei mir im Nachwuchstraining und viele andere Talente, die sich bis hin in die Deutsche Nachwuchsspitze hocharbeiteten. Während dieser Zeit auch Einstieg beim HTTV als Honorartrainer, 2-3 Jahre zuständig für den Talentbereich unter Verbandstrainer Jürgen Lieder. Nach meiner aktiven Zeit als Spieler in Heusenstamm (2.+1. Liga) hat sich die Möglichkeit ergeben, dort meine erste Saison als Spielertrainer/bzw. Bundesligatrainer (nebenberuflich) wahrzunehmen. 

Nach dem Pokalfinale Jülich-Heusenstamm wurde der Manager von Jülich (Arnold Beginn) auf mich aufmerksam und verpflichtete mich eine Saison später als verantwortlicher hauptberuflicher Trainer für die Bundesligamannschaft... ab 1989 bis 1996 war ich Bundestrainer des DTTB, danach HTTV-Verbandstrainer.

Nach vielen Jahren hast Du im Sommer als HTTV-Verbandstrainer aufgehört und bist in den offiziellen Ruhestand getreten. Wie muss man sich Dein Leben nun vorstellen?

Im Moment bin ich für mich noch nicht im richtigen Ruhestand, meine Energie setze ich weiterhin für den TT-Sport ein. In den letzten Monaten habe ich Ideen entwickelt, die ich versuche, alleine oder in Verbindung mit engagierten Vereinen umzusetzen.

Du bist ja offensichtlich voller Tatendrang. Was reizt Dich an den neuen Ideen und Herausforderungen?

Ich möchte den TT-Sport insgesamt bewegen, möchte helfen, dass Vereine, Kreise und Bezirk sich stärker entwickeln und sich von meiner Arbeit und meinem Engagement faszinieren lassen.

Ein Engagement in den Kindergärten ist Neuland für Dich. Wie bist Du auf die Idee gekommen dich hier zu engagieren und wie sind Deine ersten Erfahrungen?

So ganz Neuland ist das nicht für mich. Ich habe am Anfang meiner Trainerkarriere (schon mit 14 - 15 Jahren) bei der DJK Münster regelmäßig Training gehalten und oft mit 5 - 7-jährigen Talenten gearbeitet. Einige Jahre später war das auch mit Jörg Roßkopf und seinem Bruder Thomas so, die relativ früh zu mir ins Training kamen, wie viele andere Talente der DJK Münster auch, die es später geschafft haben, über lange Jahre in der Bundesliga zu spielen, oder für den DTTB oder HTTV zum Einsatz kamen und für ihren Verein tolle Erfolge erzielten. Mein Bruder Jürgen wurde zu seiner Zeit 2 x Deutscher Jugendmeister und nahm an verschiedenen Jugend-Europameisterschaften teil.

Welche grundlegenden Ideen hast Du, um Kinder in sehr jungen Jahren für den TT-Sport zu begeistern?

Man muss sich vor allem Zeit für ideenreiche Trainingsinhalte nehmen, vor allem auch spielerische Akzente setzen. Ein erlebnisreiches, kindgerechtes Training muss immer im Vordergrund stehen. Das Training muss zwar  anstrengend für Körper + Kopf sein, aber trotzdem viel Spaß + Freude bereiten! Man muss sich als Trainer selbst öfters an seine Kindheit erinnern und oftmals auch selbst Kind sein.

Die Anforderungen an einen Trainer, der sich mit 4 - 6-Jährigen befasst, weicht ja deutlich von dem ab, was in älteren Altersstufen gefragt ist. Wie kann man sich auf eine solche Aufgabe vorbereiten und müsste es nicht auch eine spezielle Ausbildung für solche Trainer geben?

Die sprudelnden Trainer-Ideen und deren Umsetzung sind das Wichtigste überhaupt, dazu die Beobachtung der Kinder im Training selbst und die Rückschlüsse der Beobachtung. Wie kann ich die Kinder für hohe Ziele immer wieder vorbildlich begeistern? Das liegt alles im Charakter des Trainers selbst. In der Ausbildung sollte man die Trainer immer wieder dazu anhalten, sich selbst und die Kinder für das Training zu begeistern, sich ständig weiter zu entwickeln und eigene gut durchdachte Wege zu gehen!

Es ist ja sehr wünschenswert, dass andere Vereine Deinem Engagement nacheifern. Was sind die wichtigsten Bausteine, um ein solches Projekt nachhaltig umzusetzen und zu etablieren und wie kann man es finanzieren?

Die Finanzierung ist das A und O. Engagierte Trainer müssen langfristig tätig sein, müssen sich wohlfühlen und gut (finanziell) unterstützt werden! Denn engagierte Trainer sind nicht nur während der Trainingszeiten aktiv, sondern stark darüber hinaus...verantwortliche Personen lassen sich über außergewöhnliches Engagement des Trainers für Sponsorenfindungen immer wieder begeistern.

Wo liegen Deiner Meinung nach die größten Probleme am Trainer- Dasein? 

Ich sehe eigentlich keine Probleme darin, ein guter Trainer zu werden und zu sein. Die finanziellen Unterstützungen könnten natürlich besser sein (im Vergleich zum Fußball, usw.), der Staat müsste die Verbände und Vereine aber in dieser Richtung viel mehr unterstützen, da sie (Trainer + Vereinsverantwortliche) Kinder und Jugendliche auf gute Bahnen lenken, deren Gesundheit, Menschlichkeit und soziales Verhalten nahezu optimal fördern (können).

Welchen Tipp kannst Du jeder jungen Kollegin oder Kollegen geben, wenn die Absicht besteht den Beruf des Trainers ergreifen zu wollen? 

Man muss Vorleistungen erbringen! Oft ist es so, dass man eine Stelle als hauptberuflicher Trainer nicht gleich serviert bekommt, es ergibt sich aber bestimmt im Laufe der Zeit die Gelegenheit dazu. Durch Engagement, Seriosität und Beharrlichkeit macht man sich einen Namen, es spricht sich herum, wer ein guter Trainer ist...dann kommen die Angebote, oder man bewirbt sich an versch. Stellen dafür...Wichtig ist auch, bei versch. anderen guten Trainern mitzuarbeiten, um Erfahrungen zu sammeln und diese mit eigenen Ideen zu bestücken! Ausserdem sollte man ständig angebotene Fortbildungen wahrnehmen...

Was müsste sich aus Deiner Sicht ändern, wenn die Akzeptanz des Trainers in der Öffentlichkeit gesteigert werden sollte? 

Man sollte vor allem die engagierten Vereinstrainer mehr und mehr ins öffentliche Licht rücken, deren gute Arbeit ist oft nicht bezahlbar. Da müssten die Medien, Gemeinden+  Städte, aber auch Firmen und vor allem Banken, Versicherungen, usw. im größeren Umfang unterstützend tätig sein und deutlichere Zeichen setzen! Gerade die Vereine in Kleinstädten und Ortsvereine verdienen es,  mehr und mehr unterstützt zu werden, um noch mehr gute Trainer einsetzen zu können, die sich tagtäglich um die sportliche und soziale Entwicklung der Kinder kümmern. Die reichen Fußball-Großvereine werden von verschiedenen Seiten (u.a. auch durch die Fernsehanstalten) mit riesigen Sendezeiten und horrenden Millionenbeträgen unterstützt, diese Geldsummen werden dann aber vorwiegend wieder für ihre reichen Profis und die unfassbar teuren Spielerwechsel ausgeben...

Was gehört Deiner Auffassung nach zu einer qualifizierten Aus- und Fortbildung?

- Besuche von Trainingszentren und Zusammenarbeit mit den dortigen Trainern (Ideensammlung, Erfahrungswerte, Mitarbeit, Wissensaustausch)

- Besuche nationaler und internationaler Turniere + Lehrgänge mit abschließenden Auswertungen

- Infos/Austausch über internationale Technikentwicklungen (gemeinsame Videoanalysen)

- Systematischer Aufbau der versch. Beinarbeits- und Schlagtechniken (tägl. Schattentraining)

- Wissensbildung über Aufschlagtraining mit einem aktuellen Aufschlagspezialisten

- Wissensbildung über Abwehrtechniken mit einem Abwehrspezialisten 

- Aufbau + Gestaltung von Trainingseinheiten, die mit zielgerichteten Inhalten bei den Trainingsteilnehmern immer wieder Begeisterung hervorrufen, usw.

- Koordinative Förderung mit hohen Qualitätsanteilen (Aufwärmtraining/Konditionseinheiten)

- Optimierung des Trainerverhaltens im Umgang mit den Kindern

- Förderung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung der Trainerschützlinge

Vielen Dank für das Gespräch, Horst!

Bei diesem Anblick werden Kinder neugierig.
"Ball an der Schnur" - da lässt sich vieles üben ...
Bälle werden in Schienen nach oben gerollt - das Streifen für den Topspin kann so geübt werden.
Horst Heckwolf und sein Inventar

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