Vier Tage TT-Finals in Erfurt – das bedeutet zugleich vier Tage Ausnahmezustand in Sachen Tischtennis, verbunden mit zahlreichen Emotionen, sportlichen Triumphen, aber auch diversen Enttäuschungen. Die Verantwortlichen der ARGE LS BaWü werden die Finals in der thüringischen Hauptstadt derweil in guter Erinnerung behalten, schließlich gingen von insgesamt 64 zu vergebenen Medaillen im Jugendbereich beachtliche 22 an das Team aus Baden-Württemberg. „Mit dieser Flut an Medaillen konnte keiner rechnen, unsere Erwartungen wurden kilometerweit übertroffen“, zeigte sich ARGE-Sportdirektorin Martina Schubien auch einen Tag nach der Rückkehr noch begeistert von den sportlichen Ergebnissen. Wobei sie es aber auch nicht versäumte, die Punkte anzusprechen, in denen Nachholbedarf notwendig ist.
Wie nah Jubel und Ernüchterung beisammen liegen, erfuhren die ARGE-Vertreter am finalen Sonntag, an dem gleich drei Endspiele der Jugend 15 mit baden-württembergischer Beteiligung verlorengingen. „Das war für unsere jungen Akteure zum jeweiligen Zeitpunkt natürlich bitter“, meinte Martina Schubien, die mit Tien Nghia Phong (TTC immoXone Bietigheim-Bissingen) und Lotta Rothfuß (TTC Renchen) mitfieberte. Die beiden Toptalente der ARGE mussten sich vor ungewohnter Kulisse in der großen Erfurter Haupthalle in ihrem jeweiligen U 15-Einzelfinale geschlagen geben, Lotta Rothfuß mit ihrer westdeutschen Partnerin Emma Li auch noch im Doppel. „Vor allem für Tini Phong tut es mir leid, dass er seine tolle U 15-Zeit nicht mit dem deutschen Meistertitel im Einzel krönen konnte“, sagte die Sportdirektorin.
Für den entgangenen Coup im Einzel (nach dem dramatischen 2:3 im Endspiel gegen Sebastian Lenz vom WTTV) entschädigten bei Tien Nghia Phong derweil drei zuvor errungene Goldmedaillen. Für den allerersten DM-Triumph an den Erfurter Tagen sorgte der Bietigheimer zusammen mit Partnerin Elisa Bao Chau Nguyen (TTV Ettlingen), im Mixed-Wettbewerb der Jugend 19 hatten die beiden gegen Rhea Zhu Chen (TTC immoXone Bietigheim-Bissingen)/Jamal Oudriss (TV Refrath) nach fünf Sätzen die Nase vorn und verteidigten damit erfolgreich ihren Vorjahrestitel. Bronze ergatterte in diesem Wettbewerb Minh-Thao Nguyen (SU Neckarsulm) an der Seite von Chris Andersen (DJK Germania Lenkerbeck).
Die Doppelwettbewerbe in der U 15-Jugend wurden ebenso von Tien Nghia Phong dominiert. Das Finale im Jungen-Doppel gewann er zusammen mit Lukas Wang (1. FC Saarbrücken-TT) gegen das Pfälzer Duo Jonathan Kraft/Boris Zheng, im U 15-Mixed mit Lotta Rothfuß war er im verbandsinternen Endspiel gegen Kira Aeberhard/Fynn Nickel (TSV Korntal/TTC immoXone Bietigheim-Bissingen) obenauf. Die Konkurrenz im Mädchen 15-Doppel war geprägt von Teilnehmerinnen der ARGE, gleich fünf der acht Viertelfinal-Spielerinnen kamen aus Baden-Württemberg. Hinter Lotta Rothfuß und Emma Li landeten Ina Grob/Kira Aeberhard (TSV Herrlingen/TSV Korntal) und Dana Haspel/Chenhao Chen (TTC immoXone Bietigheim-Bissingen/TSV Korntal) jeweils auf dem dritten Platz. Das insgesamt herausragende Ergebnis im weiblichen U 15-Bereich rundeten Chenhao Chen mit Bronze im Einzel sowie Ksenija Poznic (DJK Sportbund Stuttgart) mit Bronze im Mixed mit Jonathan Kraft ab. Abseits der Medaillengewinne sorgte die erst elfjährige Svenja Hepp (FC Külsheim) in einer „Monstergruppe“ für Furore, als sie zwei deutlich höher eingestuften Kontrahentinnen das Nachsehen gab und es bis ins Viertelfinale schaffte. „Ein toller Erfolg, der für die Zukunft viel Gutes verspricht“, hatte Martina Schubien ein Extralob parat.
Dass man sich um die weibliche Jugend in Reihen der ARGE keine Sorgen machen muss, belegten starke Auftritte der jungen Spielerinnen in der Altersklasse 19. Gleich sieben BaWü-Talente schafften den Sprung ins Hauptfeld. Mitfavoritin Elisa Bao Chau Nguyen erkämpfte sich Bronze, im Halbfinale war sie gegen die spätere Titelträgerin Lorena Morsch (TSV Langstadt) beim 1:3 keineswegs chancenlos. Bis ins Viertelfinale drangen Minh-Thao Nguyen und Lotta Rothfuß vor. Minh-Thao Nguyen verabschiedete sich mit starken Ergebnissen aus ihrem letzten Jugendjahr, in der Runde der letzten Acht wehrte sie sich lange gegen die spätere DM-Zweite Koharu Itagaki aus Bad Königshofen (7:11 im Entscheidungssatz). Lotta Rothfuß musste im verbandsinternen KO-Spiel ausgerechnet gegen Elias Bao Chau Nguyen ran und fand dort noch ihre Meisterin.
„Das Ergebnis bei den Jungs war insgesamt schon ernüchternd“, ließ sich Martina Schubien bei all den tollen Erfolgen im Mädchenbereich nicht von der Realität blenden, „letztendlich waren wir hier mit Ausnahme von Tini Phong nicht konkurrenzfähig. Hier gilt es zukünftig den Hebel anzusetzen, wie wir die Lücke zur nationalen Spitze wieder verkleinern können.“ Während für die ARGE-Jungs zumeist in der Vorrunde Schluss war, sorgten Len Müller (TTC immoXone Bietigheim-Bissingen) und Mahmoud El Haj Ibrahim (VfL Herrenberg) mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Jugend-Doppel für einen echten Lichtblick. Nervenstark mit 12:10 im Entscheidungssatz gewannen die beiden ihr Viertelfinalspiel gegen Tom Küllmer/Ryan Jager (Hessen) und machten so den Medaillengewinn fest. Im Halbfinale war dann gegen Bastian Meyer/Daniel Nagy aus Niedersachsen Endstation.
Sowohl aus organisatorischer als auch aus sportlicher Sicht kamen die Verantwortlichen der ARGE in den Erfurter Turniertagen an ihre Belastungsgrenze. „Neben der Betreuung unserer Talente müssen am Rande immer viele Gespräche geführt werden, am Ende war unser Trainerteam richtiggehend platt“, erzählt die Sportdirektorin, die quasi als „Dienstanweisung“ einen trainingsfreien Montag an den jeweiligen Landesstützpunkten ausrief. Bei allem Trubel überwog am Ende doch das überdurchschnittlich gute, sportliche Ergebnis. „Abgesehen davon haben wir uns mit einem großen Team hervorragend präsentiert“, zog Martina Schubien ein positives Fazit, „unsere jungen Spielerinnen und Spieler sind professionell aufgetreten, waren außerordentlich diszipliniert und immer fokussiert auf den Tischtennissport. Es macht dem Trainerteam und mir großen Spaß, mit unseren Youngstern zusammenzuarbeiten.“
Neben den Talenten aus der Jugend sorgten weitere Vertreter der ARGE in Erfurt für Furore. Yuan Wan von Bundesligist TTC Weinheim gewann mit Sabine Winter (TSV Dachau 65) die Silbermedaille im Damen-Doppel, auch Ricardo Walther (ASC Grünwettersbach) musste sich mit Partner Patrick Franziska (1. FC Saarbrücken-TT) erst im Endspiel geschlagen geben. Bei den Senioren stach der abermalige Dreifachtriumph von Alexandra Schankula (DJK Sportbund Stuttgart) hervor, hierzu ein separater Bericht unter
Tischtennis Baden-Württemberg: 5.- 7. Juni 2026 - ERFURT – Erfolgreiche -TT -Finals -Seniorenbericht
Zu den Ergebnissen der Deutschen Meisterschaften in Erfurt geht es hier:
https://www.tischtennis.de/mkttonline.html
Bericht: Thomas Holzapfel
Fotos: Daniel Gibs






































