Im Juni 2025 ist Rainer Franke in Villingen erneut zum Präsidenten des Verbandes TTBW gewählt worden. In wenigen Tagen ist die erste Hälfte seiner Amtszeit – wie überhaupt die des gesamten Präsidiums - um. Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit, zog mit ihm eine Zwischenbilanz.
Vor fast einem Jahr bist Du, zusammen mit einer völlig neuen Mannschaft, als Präsident ins Amt zurückgekehrt: Wie sehr bist Du mit dem Verlauf und den Ergebnissen der vergangenen fast zwölf Monate zufrieden?
Franke: Sehr. Wir haben viel erreicht, konnten vieles umsetzen, sind auch in unserer Geschäftsstelle im SpOrt in Stuttgart gut aufgestellt, was auch daran liegt, dass unser Referent Lukas Brosi, jüngstes hauptamtliches Mitglied, gut eingeschlagen hat.
Was hätte (noch besser) sein können – beziehungsweise: müssen?
Franke: Wir müssen uns in organisatorischer Hinsicht noch um Optimierung bemühen, wir müssen auch die Protokolle noch schneller erledigt bekommen. Doch ich möchte nicht zu sehr klagen, wir sind ja alle im Präsidium ehrenamtlich tätig.
Die Bezirksreform – aus 21 mach‘ 12 Bezirke – tritt in wenigen Tagen in Kraft: Wie groß ist die Anspannung bei Dir, ob dies ohne größere Blessuren klappen wird?
Franke: Ich war ja bereits auf vier Gründungsbezirkstagen. Alles, was da vorbereitet war und vorgetragen wurde, hatte Hand und Fuß. Und so existiert eine gewisse Anspannung nur noch in der Hinsicht, ob die Umstellung der Finanzen auf die neuen Konten klappt - und dass wir im Online-Bereich künftig ein einheitliches Auftreten haben.
Was sind weitere gewichtige Herausforderungen in den kommenden zwölf Monaten?
Franke: Ich möchte da gar nicht so viele auflisten, doch dazu gehört auf jeden Fall der Stützpunkt Freiburg. Dessen Schließung hat die ARGE, die Arbeitsgemeinschaft von TTBW und Badischem Tischtennis-Verband auf leistungssportlicher Ebene, bekanntlich unlängst beschlossen. Das war aber vor meiner Zeit als neuer ARGE-Vorsitzender der Fall: In dieses Amt bin ich Mitte Mai gewählt worden. Doch das TTBW-Präsidium hat diese Woche die Kündigung von sich aus zurückgenommen. Es wurde beschlossen, den Stützpunkt zumindest die kommenden zwölf Monate in eigener Regie zu tragen und diese Zeit zu nutzen, die Situation gut zu überdenken und die Weichen für die Zeit danach gut zu stellen. Ich denke, dass wir damit einen guten Beitrag leisten konnten, eine dauerhafte Lösung für die Talente und die Eltern entlang der Rheinschiene zu finden.
Außerdem ist es natürlich von großem Interesse, dass die beiden neuen FSJ’ler und unser neuer Azubi, die alle drei im Herbst ihre Ämter antreten werden, gut integriert werden.
…und wie sieht es mit der Turnierlizenz aus?
Franke: Die hat sich durchaus etabliert, die Zahlen sind jedenfalls nach oben gegangen. Ich glaube kaum, dass die Turnierlizenz rückgängig gemacht werden kann. Wer es noch nicht getan hat: Ich habe dazu vor ein paar Wochen auch manches in einem Podcast gesagt. Das kann man sich nach wie vor anhören.
Das neue Präsidium hat sich auf die Fahnen geschrieben, einen Mehrwert vor allem für die Vereine zu schaffen. Dafür gab es auch zwei Videokonferenzen und, neulich, eine Tagung in der Sportschule in Tailfingen. Die erste Videokonferenz war mit rund 100 Teilnehmern blendend besucht, die Nachfrage nach den beiden anderen Angeboten war hingegen eher schwach.
Franke: Stimmt. Die erste Videokonferenz war mit rund 100 Teilnehmern ein überragender Erfolg, einerseits wegen der guten Teilnehmerzahl, andererseits wegen der vielen guten Ideen, die vorgebracht wurden. Die Resonanz auf die zwei Videokonferenz war dann deutlich geringer, vielleicht lag es am Thema. Vielleicht war auch der Zeitpunkt, so kurz nach Saisonende, falsch gewählt. Es sollen natürlich in der neuen Saison weitere Videokonferenzen angeboten werden. Themen dürfen gerne von den Vereinen selbst kommen.
Was rätst Du unseren Vereinen angesichts des Rechtsanspruchs auf die Ganztagsgrundschule?
Franke: Bringt Euch mit Ideen und Vorschlägen ein! Meldet Euch bei Euren Stadt-, Gemeinde- oder Ortsverwaltungen und natürlich bei den Schulen vor Ort! Tischtennis könnte durchaus hie und da ein Thema sein. Es ist halt klar: Angebote, die ein Verein machen will, müssen kontinuierlich und dauerhaft sein: Die Verantwortung gegenüber den Schulen, Kindern und Eltern muss ernst genommen werden.
Tischtennis hat durchaus Chancen, noch stärker im Sportland Deutschland Fuß zu fassen, das zeigen Veranstaltungen wie die Deutschen Meisterschaften neulich in Erfurt, das Final Four im Januar in Ulm oder der Rundlauf-Weltrekord in Reutlingen. Wo siehst Du weiteres Potenzial?
Franke: Zum Beispiel in Gaststätten, Kneipen – und im Outdoor-Tischtennis. Stuttgart wurde Deutscher Meister bei den ersten Deutschen Outdoor-Meisterschaften vor zwei Wochen. Das hat Potenzial, und hier kann man anknüpfen. Das ist mein Ziel.
Was aber auffällt: Im Großraum Stuttgart, dem Herzen des Verbandsgebietes, gibt es kaum prestigeträchtige Tischtennis-Events…
Franke: Das muss einen nicht wirklich wundern: Die großen Sporthallen im Großraum Stuttgart sind halt sehr teuer, umgekehrt die Zuschüsse, auf die man hoffen kann, sehr gering.
Noch gibt es in Baden-Württemberg zwei Tischtennisverbände: TTBW und den Badischen Tischtennis-Verband. Wirst Du als TTBW-Präsident die große Einheit, die Verschmelzung, noch erleben?
Franke: Ja.
Wann?
Franke: Gute Frage. Wir als TTBW-Verbandsverantwortliche müssen eben die nahe Zukunft gut nutzen, für Aufklärung sorgen, Ängste abbauen, Vertrauen schaffen - in der Hoffnung, dass sich in Baden dann eine große Mehrheit findet, sich mit uns zusammenzutun. Wenn ich ein Datum nennen dürfte: Der 1. Januar 2030 klingt meiner Meinung nach gut und realistisch.
Falls diese Fusion tatsächlich eines nahen Tages Wirklichkeit wird: Was versprichst Du Dir von ihr – sportlich wie wirtschaftlich?
Franke: Wir arbeiten im leistungssportlichen Bereich schon heute über die ARGE mit den Freunden aus Baden eng zusammen. Sicherlich ließen sich durch ein Zusammengehen der beiden Verbände hier, wie wohl auch in anderen Bereichen, weitere Synergien schaffen und auch finanzielle Einsparungen erzielen. Falls irgendjemand noch Bedenken haben sollte: Wir als Präsidium schauen sehr darauf, dass alle Landesteile sich in unserem Verband gut wiederfinden, niemand soll sich benachteiligt fühlen. Konkretes Beispiel: Dem siebenköpfigen Präsidium gehören aus dem Bereich des früher selbständigen und - gegenüber dem einstigen Verband Württemberg-Hohenzollern (TTVWH) - deutlich kleineren Südbadischen Tischtennisverband immerhin zwei Kollegen von dort an, in Freiburg und in der Ortenau zu Hause.
Stand heute: Wirst du 2027 erneut als Präsident kandidieren?
Franke: Ja. Ich möchte die bisher erfolgreiche Arbeit für den Tischtennissport in Baden-Württemberg weiter voranbringen.
Und wann und wo wird der nächste Verbandstag stattfinden, an dem gewählt wird?
Franke: Am 20. Juni 2027 in der Mörburghalle in Schutterwald in der Ortenau. Ausrichter wird der TTC Langhurst sein.
Das Interview führte Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit.

