Die Reduzierung von 21 auf 12 Bezirke im Rahmen der Bezirksreform hat im Sportbereich ab 1.07.2026 einige gravierende Auswirkungen.
Wir haben mit unseren beiden hauptamtlichen Sportreferenten Wolfgang Laur (Jugend) und Christhart Kratzenstein (Erwachsene) über die wichtigsten Änderungen/Neuerungen im Sportbereich gesprochen - ein Interview.
Welches sind aus Eurer Sicht als Referenten für Erwachsenen- und Jugendsport die gravierendsten?
Wolfgang Laur (Referent für Jugendsport): Die sogenannte Bezirksreform, welche eher in Teilen als eine Bezirksfusion zu bezeichnen ist, war vom Grundsatz notwendig und speziell die Reduzierung von der ungeraden Anzahl von 21 Bezirken auf eine sportlich gute und ausgewogene Anzahl von 12 Bezirken dringend notwendig. Dabei wurden unsere bisherigen 5 Regionen nebenbei ja auch auf eine Anzahl von 3 Regionen reduziert. Diese Planungen haben immer unter der Beachtung unseres Nachbar-Verbandes in Baden (BaTTV) stattgefunden, mit welchem wir gemeinsam die DTTB-Region 5 innerhalb Gesamt-Deutschlands bilden. Von daher gesehen ist der BaTTV - angenommen - unsere vierte Region in Gesamt-Baden-Württemberg. Damit haben wir bei Qualifikationen aus den Bezirken in die Regionen mit je 4 Bezirken pro Region, sowie 3 Regionen nach Baden-Württemberg dann mit der 4. Region des BATTV immer eine klare Struktur – dies ermöglicht klare Qualifikations-Strukturen, sowohl im Mannschafts- wie auch im Einzelsport.
Spannend war die neue geografische Zusammensetzung der Verbandsspielklassen der Erwachsenen (Herren), da wir hier mit einer Übergangs-Auf-und-Abstiegsregelung zwar bei einigen Vereinen etwas Unverständnis ausgelöst haben, diese aber zwingend notwendig war, um in der neuen Zuteilung auch spielbare Spielklassen in der Spielzeit 2026/27 zu erlangen. Und dennoch wird es tatsächlich auf Verbandsebene eine 12-er Liga geben.
Christhart Kratzenstein (Referent für Erwachsenensport): Wie Wolfgang bereits gesagt hat, führt die Reduzierung der Bezirke von 21 auf 12 zu klaren Qualifikations-Strukturen. Die Zahl 12 ergab sich auch daraus, dass wir in TTBW 3 Verbandsligen haben und sich bei einem Ligensystem in Baumform darunter dann 6 Landesligen und 12 Landesklassen (in Zukunft Bezirksoberligen) ergeben.
Welche Herausforderungen/Fragen kamen in der Vorbereitung auf die Umstellung für die neuen (größeren) Bezirke auf Euch zu?
WL: Die tatsächlich größte Herausforderung war und ist, dass es für viele Bezirksfunktionäre nicht vollumfänglich klar war, was gesamtheitlich diese Bezirksreform überregional, aber auch bezirksintern für Folgen haben wird. In der Jugend gibt es eine neue, bisher nicht vorhandene Spielklassen-Ebene mit der Bezirksoberliga als die jeweils höchste Spielklasse der 12 Bezirke. Diese Spielklasse ist das zukünftige Sprungbrett in die Landesliga der Jugend. Anders gesagt: Ohne Bezirksoberliga kann kein Verein aus dem Bezirk in die Landesliga aufsteigen. Bei den Damen und Erwachsenen war diese Spielklasse bereits mit dem Namen Landesklasse auf Verbandsebene vorhanden, diese Spielklasse wurde nun nach der Vereinsmeldung in Bezirksoberliga umbenannt und von der Ebene Verband in die Ebene Bezirk „runtertransferiert“. Speziell für die drei unverändert weiterbestehenden Bezirke Hohenlohe, Heilbronn und Ludwigsburg hat diese Umsetzung einen gravierenden Sog der Mannschaften von unten nach oben zur Folge.
Ein wirklich schwieriger Umstand war es, den Bezirken zu erklären, wie man nun als ein neuer gemeinsamer Bezirk die bisher teilweise unterschiedlichen Spielklassen-Strukturen aus 2 Bezirken auf eine neue einheitliche WO-konforme Lösung umbaut. Hier mussten wir einige Hilfestellungen in zahlreichen Extrastunden einfließen lassen, denn ein paralleler Spielbetrieb in gleicher Ebene – z. B. in der Bezirksliga, Bezirksklasse oder Kreisliga A aus zwei Bezirken in einem neuen Bezirk mit unterschiedlichen Sollstärken, Spielsystem, Auf- und Abstiegsregelungen usw. ist eben nach WO AB nicht möglich. In einigen Bezirken wurden zudem die entsprechend notwendigen Vorbereitungen gefühlt um ein Jahr zu spät begonnen. In weiser Voraussicht mit den Nachbarbezirk hätte bereits die Spielzeit 2025/26 als „Übergangs-Saison“ ausgespielt werden sollen. So wird nun versucht, mit einigen „Not-Konstrukten“ die Situation in der kommenden Spielzeit noch nachträglich einvernehmlich für die Vereine in den neuen Bezirken zu lösen.
Aus unserer Sicht als Sport-Referenten in TTBW war hier die sehr gute Zusammenarbeit mit nuDatenautomaten in Bregenz (das Unternehmen hinter click-TT) sehr zielführend. Wir hatten bereits im November 2025 einen Vorort-Termin in Bregenz und konnten dort unseren Plan wirklich gut gegliedert vorbereitend besprechen. Der Vorteil hier war sicherlich, das die Verbände Bayern und Westdeutschland vor uns bereits eine Bezirksreform durchgeführt haben und wir in Bezug auf die Vorgehensweise dort mit unserem Ansprechpartner Stefan Koch perfekt aufsetzen konnten.
CK: Natürlich war es für viele Vereinsverantwortliche noch weniger klar als für die Bezirksfunktionäre, welche Änderungen durch die Bezirksreform auf sie zukommen. In Bezirken wie z. B. Donau oder Oberer Neckar wurden die Vereine z. B. auf verschiedene Bezirke aufgeteilt. Die Folgen für Auf- und Abstieg und die Spielklasseneinteilung zur folgenden Spielzeit war dabei für viele nicht wirklich nachvollziehbar, was dann auch die Planung der Vereinsmeldung für die Vereine erschwert hat.
Gab es positive/negative Überraschungen, die auf die Mitarbeiter der Bezirke und Vereine, aber auch auf Euch zugekommen sind?
WL: Über positive Überraschungen zu reden, fällt auf jeden Fall einfacher, wenngleich diese eher rar gesät waren… - aber es hat sie dennoch gegeben!
Ich kann hier über meinen eigenen ehemaligen „Heimatbezirk“ Ulm, welcher nun gemeinsam mit dem Bezirk Ostalb den neuen Bezirk Ostwürttemberg bilden wird, wirklich den sogenannten „Hut ziehen“. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und manch ausufernder Diskussion haben die beiden Bezirke es fertig gebracht, allen Vereinen bei einem wirklich gut vorbereiteten Gründungsbezirkstag Anfang Mai ein sehr umfassendes Werk von ca. 90 Seiten mit Berichten, neuer Bezirksordnung, allen Durchführungsbestimmungen und einen Rahmenterminplan zu präsentieren. Diese Vorarbeit war wirklich hervorragend und deshalb gebührt dem Team um den neuen Bezirksvorsitzenden Holger Raaf und seinem neuen Stellvertreter Daniel Wälder wie auch dem maßgeblichen Ersteller, Florian Timmermann, hier große Anerkennung ausgesprochen.
Über negative Überraschungen zu philosophieren ist wirklich schwierig – aus unserer Sicht als Sport-Referenten hatten/haben wir zwei grundlegende Probleme in der gesamten Organisation der Umsetzung. Alle Gründungs-Bezirkstage in den 12 neuen Bezirken hätten zwingend bis spätestens Mitte Mai durchgeführt werden müssen. Denn die neuen Bezirksordnungen, die neuen Durchführungsbestimmungen hätten allen Vereinen vor der startenden Vereinsmeldung zum 1.06.2026 beraten, beschlossen und veröffentlicht gehört. Alles, was nach der Vereinsmeldung anberaumt wurde, führt bei den Vereinen zu Unklarheiten und Verwirrung und ggf. auch zu größerer Verärgerung, da man als Verein seine Planungen auf den bis dahin geltenden Regelungen ausgerichtet hat. Dazu wurden, dort wo notwendig, die Vorplanungen für eine korrekte Zusammenführung von zwei Bezirken, teilweise die notwendigen Anpassungen in der Spielzeit 2025/26 versäumt… - zu dieser Gesamtorganisation wurden wir als Sport-Referenten trotz mehrfacher Intervention in 2024 leider nicht gehört.
CK: Zu den negativen Überraschungen gehört neben den von Wolfgang angesprochenen verspäteten Planungen auch, dass in manchen Bezirken wohl auch die Haltung bestand, dass man einfach so weitermacht wie bisher. Dies ist aber nur schwer möglich, wenn man mit einem anderen Bezirk fusioniert und dieser abweichende Bestimmungen besitzt. Einfach bei manchen Themen in den Bereichen der alten Bezirke so weiterzumachen wie bisher und so zu tun, als ob alles wie vorher weitergeht, ist ein bisschen die Vogel-Strauß-Methode. Man muss eben schon gemeinsam Wege finden, wie man weitermachen möchte.
Zu den positiven Seiten gehört aber auch, dass in einigen Bezirken die Verantwortlichen, speziell im Bereich des Mannschaftssports, sich die Folgen sehr genau angeschaut hatten und sich eine voraussichtliche Spielklasseneinteilung erstellt hatten, analog der vom Verband veröffentlichten Spielklassen des Verbandes vor der Spielzeit 2025/26. Leider war dies aber die Minderheit.
Wenn Ihr einen Blick in die Zukunft wagt: Welche Arbeiten sind jetzt noch zu tun und was kommt noch auf die Vereine/Bezirke zu?
WL: Wir haben nun dank eines wirklich guten Teamworks das Gröbste dieser Bezirksreform hinter uns – nun geht es um die ein oder andere Feinjustierung. Aktuell laufen in den Bezirken noch die Spielklasseneinteilungen, welche sicherlich noch die eine oder andere Überraschung hervorbringen werden. Danach müssen wir uns zum Ende des Monats dann nochmals das Thema Pokalmeldung und Übernahme etwas genauer anschauen und hier noch den einen oder anderen Bezug zwischen Verbands- und Bezirks-Spielklassen zu den jeweiligen Pokal-Spielklassen korrekt herstellen.
Als Sommerarbeit haben wir dann aber noch ein ganz großes Thema anstehen – die korrekte Abbildung aller Funktionäre, Gremien und Berechtigungen in den Bezirken sollen komplett überarbeitet und in click-TT (nuVerband) neu implementiert werden. Damit schaffen wir uns und allen Bezirken einen sehr großen Mehrwert, da man dann unser System click-TT als Verwaltungs-Software auch in den zwölf neuen Bezirken nochmals deutlich effizienter einsetzen und dann jedes Bezirksgremium direkt mit Informationen, wenn gewünscht, versorgen kann. Auch die Einrichtung eines „Bezirks-Newsletters“ mit freier Anmeldung für die Vereine und Spieler wäre dort dann ein weiteres denkbares Szenario.
Dazu werden wir dann in jedem Falle die kommenden Veränderungen wie zum Beispiel die Änderung der Sollstärke von 10 auf 8 in den Spielklassen der Erwachsenen in der Auf- und Abstiegsregelung der Verbandsspielklassen fristgerecht zum 30.06.2027 einplanen und hier den Bezirken in zahlreichen Fragestellungen mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.
CK: Dazu kommt noch im Bereich der Finanzen eine Übertragung der Gebühren und Strafen der neuen Bezirke in nuVerband, damit diese auch weiterhin automatisch erstellt werden. Hierzu müssen wir, wie auch bzgl. des von Wolfgang angesprochenen Themas der Bezirksfunktionäre und Gremien, abwarten, bis alle Bezirkstage stattgefunden haben und uns dann alle Informationen aus den Bezirken vorliegen. Hierzu werden wir neben der Übersicht der Funktionäre in den Bezirken auch alle Ordnungen der Bezirke benötigen. Sollte es in den Bezirken neue Ressortleiter Finanzen geben, so werden auch diese sicherlich Unterstützung bzw. Hilfe bei der Einarbeitung benötigen.
Wir sind guter Dinge, dass wir die Bezirksreform und die damit zusammenhängenden Themen bis zum Start der neuen Spielzeit komplett umgesetzt haben. Allerdings ist uns auch klar, dass es immer noch Fragen und Punkte geben wird, an die vielleicht nicht gedacht wurde. Aber das sollten dann nur noch Kleinigkeiten sein.
Vielen Dank an Euch beide für das Gespräch!

