“Erstklässer auf Dschungelreise” - so lautete eine Vision der Bewegungscoach-Anwärter in Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) am Sonntag im SpOrt Stuttgart. Was es damit auf sich hat? Nun, ein neu geplantes Angebot unseres Sports ist wohl eine Reise ins Unbekannte. Denn: TTBW hat auf die politische Entscheidung, ab dem kommenden Schuljahr 2026/27 einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschulen, beginnend ab 1.09.26 mit den ersten Klassen, reagiert. In Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Landessportbund (WLSB) wurde die neue Reihe einer “Bewegungscoach-Ausbildung” aufgesetzt. Kurz gesagt: zwei Tage überfachliche Ausbildung beim WLSB (11./12. Juli), zwei Tage fachspezifische Tischtennis-Schulsport-Ausbildung und ein Tag online-Schulung.
Vereins-Service-Tag und TT-Schulsport-Seminar
Bereits am Samstag nahmen die “Bewegungscoach”-Anwärter am Vereins-Service-Tag teil, belegten entweder durchgängig das Seminar “Heidelberger Ballschule” oder eine für Schulsport-Trainer geeignete Seminarkombination.
Elf Teilnehmer trafen sich dann am Sonntag früh morgens erneut im SpOrt - nicht in der Sporthalle, dort hatte es tags zuvor 44 Grad, sondern im Sitzungsraum bei halber Temperatur. Gute Rahmenbedingungen also im brütend heißen Stuttgarter Kessel am bisher wärmsten Tag des Jahres. TTBW-Referent René Werlé hatte alles angerichtet, bot eine Vielfalt an Themen und beantwortete alle aufkommenden Fragen - eine “Dschungelreise” für Trainer von Erstklässlern eben, weil es sich bei der Betreuung von Schulanfängern in Tischtennis-AGs um völliges Neuland, eine andere Lebenswelt, handelt.
Ganz spezielle Themenvielfalt
Trainerausbildungen entwickeln über die Jahre feste Lehrpläne. Inhaltliche Gestaltung zur Tischtennis-Technik und die Struktur einer Trainingseinheit sind da zentrale Themen. Erstmals und damit völlig neu dagegen die Bewegungscoach-Ausbildung: Tischtennis als Schulsport erfordert zusätzliche Fähigkeiten von den Trainern. Denn: In den Vereinssport kommen die Kinder freiwillig, das ist in der Schul-Nachmittagsbetreuung nicht immer so. Da gilt es, zunächst um die Aufmerksamkeit und das Durchhaltevermögen der Kinder zu gewinnen.
Deshalb machte sich René Werle bei der Gestaltung Seminars Gedanken, versetzte sich in die Rolle als “neuer” Schulsport-Trainer hinein und behandelte folgerichtig diese Themen: “Es ging um die Tischtennis-Basics, Herausforderungen bei der Vereinbarung zwischen Trainer und Schule, Tipps für das Trainer-Verhalten bei heterogenen Gruppen, das spezielle Lernen von 6 - 8-Jährigen, den Aufbau einer Schulstunde und sehr viel um Anfängermethodik.”
Nach den Wünschen und Zielen von Grundschul-Tischtennis befragt, wurde aus der Teilnehmerrunde immer wieder betont, dass es wichtig sei, Spaß und Motivation für den Tischtennissport zu vermitteln. Im Kontrast zu Hochleistungs-Trainingsgruppen sicherlich ein guter Grundsatz …
Erster Abschnitt auf dem Weg zum Bewegungscoach
Mit dem Vereins-Service-Tag und dem Schulsport-Seminar ist der erste Schritt zum Bewegungscoach gemacht, in zwei Wochen folgt der zweite mit dem allgemeinsportlichen WLSB-Seminar. René Werle blickte auf das Wochenende zurück und bedankte sich bei den elf Teilnehmern zum Abschluss: “Vielen Dank für Euren Einsatz und Eure tolle Mitarbeit - mir hat es sehr viel Spaß gemacht, vor allem Eure vielen Fragen und Ideen, die wir austauschen konnten.” Und mit dem Blick voraus motivierte er: “Ich bin gespannt, wie Eure Reise als Bewegungscoach nun weitergeht und wer ab September wie viele Betreuungsnagebote auf den Weg bringt. Viel Spaß und Erfolg mit den Erstklässlern und allen anderen Kids wünsche ich Euch!” Aus der Dschungelreise wird dann hoffentlich ein Abenteuer auf sicheren Pfaden …
TTBW bleibt auf dem Weg in den Schulsport
Aus verbandspolitischer Sicht ist es wichtig, beim Start der verbindlichen Nachmittagsbetreuung als Sportart vertreten zu sein. Die Kritiker werden einwerfen, dass es schwer wird, Personal für solche Nachmittagstraining zu finden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind in der Politik gesetzt, deshalb gilt für uns, die Chancen zu nutzen, auch wenn wir zunächst mit einer kleineren Zahl an Tischtennis-AGs beginnen. Wo ein Grundstein gelegt ist, kann sich daraus mehr entwickeln. Wir bleiben am Thema dran.
Bericht und Foto: Thomas Walter


