Ute Walkenhorst, 60 Jahre alt, in Lörrach geboren, lebt seit 1986 in Baiersbronn und hat drei Kinder. Sie arbeitet als Nachlassverwalterin und Berufsbetreuerin. Ihr Verein ist der SSV Schönmünzach.
Hast du eine Übersicht über all deine Ehrenämter?
Mein erstes Ehrenamt habe ich 1987 als Klassenspielleiterin übernommen, danach hatte ich fast ausnahmslos, bis auf die Zeiten als meine Kids noch sehr klein waren, die verschiedensten Ehrenämter inne, u.a. Bezirksschiedsrichterin (gibt es heute gar nicht mehr), Bezirks-Mädchenwartin im Bezirk Schwarzwald, Verbands-Mädchenwartin beim TTVWH, über 10 Jahre Jugendleiterin beim SV Mitteltal-Obertal, Kassier/BZ SW (Bezirk Schwarzwald), 2. Vorstand/BZ SW, Bezirks-Lehrwartin/BZ SW, Ressortleiterin Einzelsport/BZ SW.
Und aktuell?
Bin ich Abteilungsleiterin der Abteilung Tischtennis beim SSV Schönmünzach und BA Regionsvertreter Jugend (Beauftragte) der Region 3 in TTBW und BA Live-Streaming in TTBW. Ach ja, und seit 1991 habe ich die Trainer C-Lizenz. Hätte ich jetzt fast vergessen…
Wie kamst du zu deinem allerersten Ehrenamt?
Tatsächlich bin ich durch meinen ersten Verein, den SV Mitteltal-Obertal, zu meinem ersten Ehrenamt gekommen. Der damalige Abteilungsleiter Jochen Rothfuß war selbst im Bezirk Schwarzwald im Ehrenamt aktiv und hat mich gefragt, ob ich nicht auch ein Amt übernehmen wollte, und so kam es dann, dass ich 1987 Klassenspielleiterin wurde.
Wie viele Stunden investierst du in der Regel pro Woche ins Ehrenamt?
Hängt davon ab, wo ich bin und welches meiner Ehrenämter ich gerade ausführe. Wenn ich mit Walter Dörling beim Live-Streaming unterwegs bin, dann geht da schon ein ganzes Wochenende drauf. Im Januar waren wir fast jedes Wochenende unterwegs. Zusätzlich kommen dann noch die Wochenenden mit Live-Stream beim SSV Schönmünzach, 3. Bundesliga Damen, dazu und ganzjährig die Vorbereitungen der einzelnen Veranstaltungen in der Region 3. In Stunden kann ich das nicht beziffern, weil es einfach sehr punktuell verschieden ist, was den Aufwand betrifft.
Was ist ganz besonders zeitintensiv?
Mit Sicherheit die Vorbereitung eines Live-Streams mit der Einrichtung des Streams im System und Auf- und Abbau der ganzen Technik.
Was ist für dich der besondere Reiz eines Ehrenamtes?
In meinem Ehrenamt kann ich meine Begabung und meine Leidenschaft für technische Dinge voll ausleben. Ich wurde schon als Kind früh mit dem Medium PC und allem, was dazugehört, vertraut gemacht. Unser Vater war Programmierer, und da waren diese Medien völlig normal in unserer Familie.
Wie spielt die Familie mit?
Meine drei Kinder sind alle auch tischtennisbegeistert, spielen selbst Tischtennis und unterstützen mich voll und ganz in dem, was ich tue.
Wie oft hast du für deine Tätigkeit schon Lob von Dritten geerntet?
Gute Frage, nicht sehr oft - ein leidiges Thema. Wertschätzung im Ehrenamt kommt leider viel zu kurz, und es wird zu oft als selbstverständlich angesehen, wenn man ‚was macht‘. Aber wenn man mit dieser Erwartungshaltung ein Ehrenamt übernimmt, dann ist man falsch am Platz. Da habe ich in mittlerweile 40 Jahren Ehrenamt viel dazulernen dürfen und müssen. Die Erwartung, dass andere meine Arbeit wertschätzen, ist der falsche Ansatz. Ich mache es, weil es MIR Spaß macht und ich über vier Jahrzehnte in jeder Halle, in der ich bin, Menschen treffe, die mir persönlich wichtig sind und mit denen ich zum Teil auch außerhalb vom Tischtennis im guten Austausch stehe.
Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: ‚Jetzt reicht’s!‘?
Tatsächlich war es schon so weit. Im Bezirk habe ich vor ein paar Jahren alle meine Ämter abgegeben und habe mich dann dem TTBW mehr zugewandt. Näher möchte ich dazu aber nicht eingehen.
Dir ist es auch, wie bereits angedeutet, ein wichtiges Anliegen, den Tischtenniss-Sport einer breiteren Bevölkerung zugänglich zu machen, zumal über Live-Streams.
Walter und ich haben vor rund zwei Jahren begonnen, uns zu überlegen, wie wir das auf die Beine stellen können. Und da ich durch den SSV Schönmünzach über eine top Technik verfüge und zum Teil eigene Technik einsetze, war der nächste Schritt dann nur noch eine Frage der Zeit. Die Resonanz ist echt überwältigend. Mit Walter habe ich auch einen top Kommentator. Ich sag immer zu ihm, dass seine Stimme gleich nach der von Dennis Heinemann kommt. Er findet es, glaube ich, mittlerweile auch witzig. Wir sind ein super Team, und es macht einfach mega viel Spaß mit ihm, und ich glaube, das merkt man auch im Stream.
Sollte sich der Tischtennisverband in Sachen Live-Streaming noch stärker engagieren?
Ich glaube, TTBW lässt uns da komplett freie Hand. Problem ist nur, dass wir ja rein terminlich nicht alles streamen können, was es so gibt, weil sich eben Events auch überschneiden und nicht jede Veranstaltung von öffentlichem Interesse ist, was die Zuschauerzahlen betrifft. Außerdem können wir ja auch nicht jedes Wochenende unterwegs sein. Es gibt ja tatsächlich auch noch ein privates Leben.
Hast du Ehrenämter außerhalb des Tischtennis?
Ich bin jedes Jahr für 14 Tage in den Sommerferien Mitarbeiterin im Jugendbereich bei einer Familienfreizeit.
Du spielst selbst (noch) Tischtennis?
Nein, ich spiele schon einige Jahre nicht mehr. Dafür habe ich tatsächlich keine Zeit mehr, vor allem weil ich auch einen sehr zeitintensiven Job habe. Meine höchste Liga war beim SV Mitteltal-Obertal die Landesliga Damen.
Wann hattest du deinen ersten Schläger in der Hand?
Das weiß ich wirklich nicht mehr. Ich habe ja schon als Kind immer mal wieder Tischtennis gespielt, in der Schule, im Schwimmbad und so. 1986 habe ich aus beruflichen Gründen meine badische Heimat Lörrach verlassen und bin nach Baiersbronn gezogen um dort in meinem Ausbildungsberuf als ‚Computer-Technische Zeichnerin Maschinenbau‘ zu arbeiten. Im Herbst 1986 habe ich dann tatsächlich im zarten Alter von 21 mit Tischtennis im Verein begonnen, und zwar mit einem Schläger, der auf beiden Seiten einen abgelutschten grünen Belag hatte. Bis dahin hatte ich
keinerlei Berührung mit Tischtennis, da ich sportlich vom Handball komme, beziehungsweise: Bis ich mit Tischtennis begonnen habe, habe ich noch Handball in Freudenstadt gespielt.
Auf welche sportlichen Erfolge bist du besonders stolz?
Definitiv auf den Gewinn der Deutschen Pokalmeisterschaften für Verbandsklassen mit den Damen des SSV Schönmünzach im Jahr 2023. Da haben meine beiden Töchter Lena und Antonia mitgespielt, und das war tatsächlich in 40 Jahren Tischtennis eines der schönsten und harmonischsten Wochenenden, das ich je erlebt habe, außerdem war es aus sportlicher Sicht eine echte Sensation.
Und welche Niederlage nagt an dir bis heute?
Oh, da fällt mir nichts ein…
Warum bist du nicht Nationalspielerin geworden?
Hahaha - weil ich erst mit 21 begonnen habe. Leider. Ehrgeiz hätte ich aber gehabt dafür, definitiv. Es wäre für mich eine absolute Ehre, für mein Land anzutreten.
Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang hatten deine Eltern?
Meine Eltern waren eher ‚unsportlich‘, wenn man das so sagen kann. Meine Geschwister und ich haben aber im Kinder- und Jugendalter alle Sport getrieben. Meine Brüder waren im Baseball und Fußball aktiv, und ich habe Handball im Verein gespielt und war in der Leichtathletik aktiv.
Welches ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?
Oh, schwierig. Da gibt es einige, die mir einfallen. Spontan würde ich jetzt Michael Krumtünger nennen, weil ich immer seine Art, wie er Tischtennis spielte, bewundert habe, außerdem ist er sehr ehrgeizig und ein sympathischer Typ. Ob er ‚der Beste‘ war, würde ich jetzt nicht sagen, aber in seiner Zeit hat er zu den Besten gehört.
Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?
Gutes Training anbieten, am besten mit einem hauptamtlichen Trainer. Qualität ist so wichtig, von Anfang an. Auch mit den Kids zu Turnieren fahren und Gemeinschaft leben. Ich kann das so sagen, weil ich das als Jugendleiterin genauso gelebt habe - und die Halle war voll. Das spricht sich auch unter den Kids herum, wenn in einem Verein was angeboten wird.
Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?
Fällt mir keine ein.
Und gibt es Regeln, die man unbedingt einführen sollte?
Zweiter Aufschlag wie im Tennis. Das wär‘ doch mal was…
Bald gibt es im Verband deutlich weniger Bezirke: Ist das gut?
Das wird sich zeigen. Ich bin echt gespannt, wie sich dann alles weiterentwickelt.
Was macht rund ums Tischtennis am meisten Freude?
Die Menschen in der Halle und die persönlichen Beziehungen.
Hast du, neben Tischtennis, weitere Hobbys?
Ja, ich mache Musik. Ich spiele Gitarre und Schlagzeug.





