Zum Inhalt springen

Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (16): heute Michael Ruddat, TTV Erdmannhausen

„Die Aufschlagregel sollte man abschaffen“

Dr. Michael Ruddat ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart, Fachgebiet Sozialwissenschaften. Sein Wohnort ist Marbach, sein Verein der TTV Erdmannhausen. Er ist 50 Jahre alt und ledig.

Hast du eine Übersicht über all deine Ehrenämter?

Das hängt davon ab, wie man Ehrenamt genau definiert. Mir wurde einmal gesagt, dass beispielsweise der Mannschaftsführer nicht darunterfallen würde. Das finde ich nicht. Jeder, der etwas regelmäßig und unentgeltlich für den Klub tut, ist ehrenamtlich tätig. So gesehen, gilt das also auch für mein Amt als Pressewart sowie meine Tätigkeiten als Mannschaftsführer und Trainer.

Welcher Ehrenamtsjob macht am meisten Spaß – und warum?

Da mir das Schreiben sehr liegt, ist es wohl der Pressewart. Mir macht es großen Spaß, unsere Vereinserfolge der Welt in Wort und Bild mitzuteilen.

Wie kamst du zu deinem allerersten Ehrenamt?

In meinem ehemaligen Verein, der TTG Marbach/Rielingshausen, wurde 1999 ein neuer Pressewart gesucht. Da ich im Rahmen meines Studiums auch eine Laufbahn als Journalist erwogen hatte, erschien mir das als ein guter Einstieg.

Wie viele Stunden investierst du in der Regel pro Woche ins Ehrenamt?

Das dürften im Durchschnitt ungefähr vier bis fünf Stunden sein.

Was ist für dich der besondere Reiz eines Ehrenamtes?

Ich finde es schön und befriedigend, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Immerhin ist ein Verein etwas, das größer ist als man selbst. Allein kann man auch kein Tischtennis spielen. Insofern erscheint es mir nur fair, etwas durch die Tätigkeit für die Gemeinschaft zurückzugeben.

Nutzt dir der Sport oder das Ehrenamt auch im Beruf?

Oh ja. Ich habe vor allem gelernt, nicht zu kompliziert zu schreiben: Stichwort Schachtelsätze. Als Wissenschaftler formuliert man doch sehr komplex und manchmal auch umständlich. Als Journalist muss man sich hingegen möglichst einfach ausdrücken. Ich denke, das hat mir auch bei meinen wissenschaftlichen Texten geholfen und sie etwas verständlicher gemacht. Als Sportler lernt man, nicht aufzugeben, und das ist im Beruf ebenfalls sehr wichtig.

Wie oft hast du für deine ehrenamtliche Tätigkeit schon Lob geerntet?

Ab und zu höre ich, dass meine Texte ganz gut sein sollen. Das freut mich natürlich. Wobei ich der Meinung bin, dass es eigentlich in fast jedem Klub jemanden geben müsste, der das ordentlich hinbekommt. Die Frage ist, wie man diese Person dazu motivieren kann.

Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s!“?

Manchmal scheint das Verständnis für meine Tätigkeit zu fehlen. Ich schreibe ja nicht über mich, also meistens jedenfalls. Es geht um den Verein und seine Außendarstellung. Wenn das ignoriert wird, hat man schon mal kurz genug davon.

Hast du Ehrenämter außerhalb des Tischtennis?

Nein, habe ich nicht. Die Ehrenämter im Klub reichen mir völlig aus.

Du spielst selbst aktiv Tischtennis.

Ja, seit 1988. Über einen Freund bin ich als Quereinsteiger in den Verein gekommen und hatte sofort Spaß daran. Vorher habe ich Tennis gespielt. Und ja, man kann beides tun.

Wie oft spielst du - und wo und wie hoch?

Ich spiele regelmäßig in der dritten Herrenmannschaft des TTV Erdmannhausen in der Kreisliga B 2, Tischtennisbezirk Ludwigsburg.

Auf welche sportlichen Erfolge bist du besonders stolz?

Ich bin in zwei verschiedenen Vereinen, der TTG Marbach/Rielingshausen und dem TTV Erdmannhausen, mit der Mannschaft mehrmals Meister geworden und auch mehrmals aufgestiegen. Von 2022 bis 2024 gab es jedes Jahr einen Titel - Pokal oder Meisterschaft. Das passiert einem nicht oft. Über diese wiederholten Erfolge zusammen mit meinen Sportkameraden freue mich sehr.

Und welche Niederlagen nagen an dir bis heute?

Niederlagen vergesse ich zum Glück sehr schnell wieder.

Warum bist du nicht Nationalspieler geworden?

Ich habe zu spät angefangen, erst mit 13, und bin kein Linkshänder. Nein, Spaß beiseite: Ich hatte ganz bestimmt nie das Potenzial für einen Nationalspieler. Außer vielleicht in einem sehr, sehr kleinen Land.

Gibt es so etwas wie einen Lieblingsgegner?

Eigentlich alle offensivstarken Linkshänder. Langer Aufschlag in die Vorhand, der Linkshänder zieht diagonal an, Rückhandblock parallel, Punkt. Das funktioniert durchaus das eine oder andere Mal, wobei: Von jetzt an vielleicht nicht mehr, wenn meine Gegner das hier lesen.

Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang hatten deine Eltern?

Mein Vater brachte mich zum Tennis. Von da ging es zum Tischtennis.

Wie oft gab es schon Momente, da du dir sagtest: Ich denke, jetzt ist es am besten, mit dem Tischtennis aufzuhören?

Diesen Moment gab es zum Glück noch nicht.

Welches ist der/die beste baden-württembergische TT-Spieler/in aller Zeiten?

Das ist eine echt schwere Frage. Vielleicht Annett Kaufmann, aber das wird erst die Zukunft zeigen.

Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?

Den Leuten mit Visionen im Verein vertrauen und mitarbeiten. Man kann mit gut ausgebildeten Jugendlichen in kurzer Zeit viel erreichen. Ich habe das selbst gemerkt: Ruckzuck war ich von der ersten in der dritten Mannschaft, weil die Jungs an mir vorbeigezogen sind. Dabei hatten wir aber jede Menge Teamerfolge, und das war echt klasse. Als Herrenspieler muss man da auch sein Ego hintenanstellen und den Nachwuchs unterstützen, also spielen lassen.

Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?

Die Aufschlagregel sollte man abschaffen. Erfahrungsgemäß halten sich die Spieler häufig nicht daran: Ball wird nicht richtig hochgeworfen, Aufschlagwird aus der Hand gemacht oder verdeckt ausgeführt oder erfolgt über der Platte. Die Regel durchzusetzen, wenn keine Verbandsschiedsrichter zählen, ist nahezu unmöglich. Wer würde schon tatsächlich Punkte abzählen? Insofern ist es leider eine Regel ohne Wirkung. Zudem: Wenn es moniert wird, gibt es immer nur Ärger.

Könnte man noch eine Regel ändern?

Das Aufstützen auf dem Tisch, wenn man gerade noch so an den Ball kommt, sollte erlaubt sein. Immerhin geht es hier um Kampfgeist und nicht um einen unfairen Vorteil, finde ich. Sperrvermerke würde ich nicht mehr zulassen. Dadurch schaden sich Vereine, ohne es zu merken. Und dann wären da noch freiwillige Überbesetzungen von Mannschaften mit sieben, acht oder mehr Spielern. Hier geht es nur um das Ego von einzelnen Spielern. Das sollte weder gefördert noch belohnt werden.

Und gibt es noch weitere Regeln, die man einführen sollte?

Wenn man innerhalb einer Saison eine positive Einzelbilanz hat, sollte man insgesamt keine TTR-Punkte verlieren. Das fühlt sich sonst fast schon wie eine Bestrafung für das Antreten an.

Was macht rund ums Tischtennis am meisten Freude?

Die gemeinsamen Erfolge mit dem Team.

 

Von Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit

Aktuelle Beiträge