Zum Inhalt springen

Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Bezirksreform: Ein Interview mit Gisela Gaa, stellvertretende TTBW-Präsidentin

„Ehrenamtliche können wir nicht genug haben“

Gisela Gaa gehört seit Juni 2025 dem Präsidium des Verbandes Tischtennis Baden-Württemberg (TTBW) an. Zudem steht sie seit zehn Jahren an der Spitze des Tischtennis-Bezirks Stuttgart: Als Vorsitzende ist sie seit geraumer Zeit auch mit der Bezirksreform innerhalb des Verbandes beschäftigt, die zum 1. Juli 2026 in Kraft treten soll. Danach gibt es statt bisher 21 lediglich noch zwölf Bezirke. Ein Interview …

Von Hubert Röderer, Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit

 

Die praktische Umsetzung der Bezirksreform rückt immer näher. Was ist für die Bezirke und Vereine im Moment vorrangig zu tun?

Die Bezirke, die fusionieren, haben, wenn sie es ohnehin nicht schon getan haben, eine gemeinsame Bezirksordnung, eine gemeinsame Finanzordnung und gemeinsame Durchführungsbestimmungen zu erarbeiten - zum Beispiel zum Mannschaftssport, zum Einzelsport, zum Pokalspielbetrieb. Die Vereine sollten dabei einbezogen werden, denn sie werden letztendlich darüber abstimmen.

Um die Reform in trockene Tücher zu bringen, müssen zuvor noch Fusionsbezirkstage stattfinde. Wann ist jener deines Bezirkes?

Wir werden mit dem Bezirk Rems zum neuen Bezirk Stuttgart-Rems zusammengehen. Die Zusammenarbeit ist bisher trotz durch alle Unterschiede bedingten Schwierigkeiten fair und konstruktiv. Im Ergebnis werden die neuen Ordnungen beim Gründungsbezirkstag am 26. Juni beschlossen, die einfache Mehrheit entscheidet. Da haben wir als der kleinere Bezirk natürlich ein bisschen das Nachsehen, weil wir leicht überstimmt werden können. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir Lösungen finden, die für möglichst viele akzeptabel sind. 

Hast du eine Übersicht darüber, wo diese Bezirkstage bereits stattge-funden haben – und wo noch nicht?

Nein. Meines Wissens gibt es bislang keine vollständige Liste. Die TTBW-Geschäftsstelle sammelt aktuell die Meldungen der Bezirke. Ich weiß aber, dass der neue Bezirk Oberschwaben bereits am 30. Januar seinen Gründungsbezirkstag hatte.

Aus 21 mach 12: Was waren die Hauptgründe, die Zahl der Bezirke zu reduzieren?

Ein Grund, der immer und überall eine Rolle spielt, sind die Finanzen. Bei 21 statt zwölf Bezirken gibt es deutlich weniger Teilnehmer an der zweimal jährlich stattfindenden Sitzung des Landesverbandsausschusses wie auch an den Beiratssitzungen, also der Sitzung aller Bezirksvorsitzenden. Zudem werden künftig weniger Delegierte zum alle zwei Jahre stattfindenden Landesverbandstag erwartet. Das ist auch wirtschaftlich von Bedeutung: Es werden Verpflegungs-, Reise- und Übernachtungskosten gespart.

Gibt es noch weitere Konsequenzen?

Ja. Für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle, das Präsidium und die Ressortleiter sowie Beauftragten reduziert sich die Zahl der Ansprechpartner - und damit wohl auch die Zahl der Anfragen. Erleichterung schaffen wird auch eine einheitliche Ligenstruktur: In manchen Bezirken gibt es bekanntlich nicht genug Mannschaften für einen sinnvollen Spielbetrieb.

Weniger Bezirke bedeutet künftig weniger Personal, sprich: Es werden weniger Ehrenamtliche benötigt…

Auf keinen Fall! Ehrenamtliche können wir nicht genug haben. Erstens sind schon jetzt in vielen Bezirken verschiedene Funktionen nicht besetzt. Zweitens sollten die bisherigen Funktionsträger, die sich nicht mehr wählen lassen oder nicht gewählt werden, mit ihrem Insiderwissen zumindest als Stellvertreter oder Berater helfen, den neuen Bezirk ins Laufen zu bringen. Es wird also keine Ehrenamtlichen geben, die nicht mehr gebraucht werden. Entweder sie werden in ihrem bisherigen oder einem ähnlichen Amt weiterhin mitwirken oder eine der vielen unbesetzten Aufgaben übernehmen. 

Glaubst du, dass durch die Reform auf Dauer Geld eingespart wird?

Wie schon gesagt: ja! Aber: Es wird alles laufend teurer, und es gibt neue Aufgaben und Projekte, ich denke da nur mal an die Digitalisierung. TTBW wird kaum einen dicken Sparstrumpf unters Sofa beziehungsweise den Tischtennis-Tisch legen können.

Eigens für die Bezirksreform wurde ein Lenkungsausschuss eingesetzt, der sie aufs richtige Gleis setzen sollte. Denkst du, dass dieser seine Arbeit gut erledigt hat?

Der Lenkungsausschuss hat mehrere reiflich überlegte Vorschläge zu den neuen Bezirksgrenzen vorgelegt, von denen der jetzige eine Mehrheit in der Abstimmung finden konnte. Dabei gibt es zum Teil in einem neuen Bezirk Vereine aus bis zu drei Altbezirken, andere bleiben von der Reform gänzlich verschont. Der Lenkungsausschuss hat außerdem Vorschläge für die neuen gemeinsamen Bezirksordnungen und Durchführungsbestimmungen erarbeitet, die sehr schlank sind. Ich persönlich befürworte das eher, weil die Bezirke viel zu unterschiedlich sind, als dass für alle passende Vorschläge möglich und umsetzbar sind. Außerdem wollen viele Bezirke weiterhin möglichst selbstbestimmt sein.

Reformen, das weiß man aus anderen Lebenssituationen, gehen nicht immer schmerzfrei über die Bühne: Sind dir bei der Tischtennis-Bezirks-reform Hakeleien bekannt geworden?

Nur am Rande. Es ist zu früh für diese Frage, denn die meisten Bezirke stecken noch mitten in der Fusionsarbeit. Schwierig sind aber sicher fast überall die Finanzbestimmungen. So sind die Umlagen für die Vereine oft unterschiedlich, ebenso die Ausrichtervergütungen für Bezirksveranstaltungen, zum Teil auch die Strafbestimmungen.

Was bedeutet die Reform konkret für die Vereine, die Sportlerinnen und Sportler?

Nun, sie müssen sich auf andere Ligen-Strukturen einstellen, auf geänderte finanzielle Regelungen, durch Änderung der Regionszugehörigkeit auf neue Gegner im Mannschafts- wie im Einzelsport, möglicherweise auch, je nach Klasseneinteilung, auf neue Fahrstrecken. Manche Bezirke haben nur am Wochenende Punktspielbetrieb, andere auch unter der Woche. Vorerst wird man bei den Einteilungen versuchen, das so beizubehalten, aber früher oder später wird es zu Vermischungen kommen. Und alle müssen sich möglicherweise auch auf neue Funktionäre einstellen.

Bist du zuversichtlich, dass die Bezirksreform letztlich reibungslos über die Bühne gehen wird?

Ich bin ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall sein wird. Vielleicht ist der Lenkungsausschuss, der seine Arbeit ja eigentlich schon beendet hat, bereit, in Streitfragen zu moderieren. Wir müssen uns aber die Zeit nehmen, die wir brauchen, bis es rund läuft.

Und was passiert mit jenen Bezirken, die bis Juli nicht ans Ziel gelangt sind?

Hauptsache, es wird weiterhin Tischtennis gespielt! Das werden alle wollen und entsprechend agieren. Manche anderen Fragen können sicher auch noch nach dem 1. Juli 2026 geklärt werden. Was sich als nicht passend erweist, kann auf entsprechende Anträge auch wieder geändert werden, sei es durch Beschluss des Bezirksausschusses oder des nächsten Bezirkstags. Dasselbe gilt, wenn eine sich als notwendig erweisende Regelung zum Stichtag 1. Juli nicht im Blick war.

Aktuelle Beiträge