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Schulsport-Initiative im Bezirk Ludwigsburg - "Starker Nachwuchs - Starke Vereine"

Interview mit David Bauhofer, Ressortleiter Breitensport Bezirk Ludwigsburg

David Bauhofer, 33 Jahre alt, hat seine Tischtenniskarriere im Jahr 2006 beim TV Markgröningen begonnen und ist schnell in die Welt des Ehrenamts eingestiegen: Bereits nach gut einem Jahr hat er die ersten Schritte als Übungsleiter gemacht und übernahm 2010 das Amt als Jugendwart. Über die Jahre sammelten sich die Aufgaben bei ihm weiter an, er ist seit 2017 Sportwart und nun auch seit 2023 stellvertretender Abteilungsleiter in Markgröningen. Auch im Bezirk Ludwigsburg bringt er sich ein, dort ist er seit 2019 als Bezirksbreitensportbeauftragter tätig und hat intensiv an der Entwicklung der „TTBLB-Schulsport-Initiative“ (= Tischtennis Bezirks Ludwigsburg …) mitgewirkt.

Unser Mitarbeiter Leon Diehl sprach mit David Bauhofer …

 

Wie kam bei Euch im Bezirk Ludwigsburg die Idee für das Projekt einer Schulsport-Initiative auf?

„Bei uns in Markgröningen haben wir in der Vergangenheit schon häufiger Aktionstage an den Grundschulen im Ort durchgeführt. Da haben wir das Rad auch nicht neu erfunden, wir haben mit der Schule einen Vormittag vereinbart, an dem wir den Kindern ein paar Basics beibringen, verschiedene Spielformen und Stationen testen lassen und Werbung für unser Jugendtraining machen. Nachdem das die ersten Jahre gut funktioniert hat und wir entsprechenden Zuwachs im Training hatten, haben wir überlegt, was man denn sonst noch anbieten könnte. Die mini-Meisterschaften haben sich da angeboten, also haben wir diese dann regelmäßig für die ersten und zweiten Klassen organisiert und gleichzeitig auch noch einmal Werbung bei den dritten und vierten Klassen gemacht, die uns ja aus den Vorjahren bereits kannten. 

Die Corona-Pandemie hat allen dann natürlich erst einmal einen Dämpfer verpasst, wir haben uns im Bezirk aber weiterhin viel ausgetauscht und überlegt, was man denn noch machen könnte, auch wenn es gerade sehr schwierig war, aktiv zu werden. 2021 hat TTBW dann mit finanzieller Unterstützung für Projekte in der Sportentwicklung geworben, das haben wir im Bezirk Ludwigsburg dann als Chance gesehen, um wieder etwas in Bewegung zu setzen. Aus Erfahrungswerten im eigenen Verein war uns auch klar, dass es keine brandneue Idee braucht, sondern eher die Unterstützung in der Organisation und Umsetzung bestehender Ideen. Und so haben wir uns dann für die Schulsport-Initiative entschieden.

 

Und wie lief es bisher?

Zunächst haben wir die Vereine in unserem Bezirk abtelefoniert, um herauszufinden, wo denn überhaupt Interesse besteht. Ein paar Vereine haben direkt abgelehnt, wir haben aber auch etwas mehr als eine Hand voll kleinerer Vereine für das Projekt gewinnen können. Wir haben eine Ausschreibung, einen Bewerbungsbogen und Broschüren mit einer Übersicht zu den Aktionsmöglichkeiten und einem beispielhaften Ablauf einer Schulaktion erstellt. Damit wollten wir den Vereinen den Einstieg in das Projekt so leicht wie möglich machen. Manchmal waren wir überrascht, wie aufwendig so eine Schulaktion von den Vereinen wahrgenommen wurde. An der Stelle haben wir dann versucht, alle Grundvoraussetzungen für das Projekt so transparent wie möglich zu machen und die Vereine finanziell voll zu unterstützen. 

Die Vereine, die am Projekt teilgenommen haben, meldeten uns auch positive Entwicklungen in ihrem Jugendtraining zurück. Für uns war wichtig, dass die Vereine auch längerfristig aktiv bleiben und Folgeaktionen in Angriff nehmen, deswegen hat es uns sehr gefreut, dass manche im Anschluss dann auch noch mini-Meisterschaften organisierten. Insgesamt hätten wir uns natürlich gewünscht, dass mehr Vereine im Projekt mitwirken, aber über die positive Entwicklung der Vereine, die mitgemacht haben, sind wir glücklich.

 

Was sind für Dich wichtige Erfolgsfaktoren für solch ein Projekt und auch für die Sportentwicklung im Allgemeinen?

Das Ganze mag am Anfang erst einmal überfordernd wirken, gerade dann, wenn man bei Null beginnt. Aber entscheidend ist, weiterzumachen, wenn man angefangen hat. Für eine erste Schulaktion kann man sich in der Organisation Hilfe holen, sei es vom Verband, Bezirk oder Nachbarverein mit Erfahrung. Die meisten Schulen sind über solche Aktionstage froh, weil es die Lehrkräfte entlastet und den Kindern eigentlich immer Spaß macht. Das Timing einer solchen Schulaktion ist natürlich auch wichtig. Die Kinder sollten die Möglichkeit haben, bereits wenige Tage nach dem Aktionstag beim Verein ins Training zu kommen. Im besten Fall hat man auch schon eine Folgeaktion im Sinn, wie z. B. die mini-Meisterschaften, auf die man die Kinder dann in den ersten Trainingswochen vorbereiten und zusätzliche Werbung in den Schulen machen kann. Kontinuität ist hier das Stichwort. Einmaleffekte, wie man sie von Schulaktionen kennt, holen vielleicht in den ersten zwei Wochen viele Kinder in die Halle, aber binden sie nicht langfristig und sorgen auch nicht für Nachschub.

Wenn man dann einen Schwung neuer Kinder im Training hat, geht es darum, diese so gut es geht zu integrieren. Anfangs sollten sie schon noch getrennt von den besseren Spielerinnen und Spielern behandelt werden und der Spaßfaktor sollte im Vordergrund stehen. Mit der Zeit wird es dann aber immer wichtiger, die neuen Kinder in den regulären Trainingsbetrieb einzubinden, damit die Motivation erhalten bleibt. Für Vereine mit wenig Trainerpersonal ist das oft sehr herausfordernd, deshalb sind Kreativität und Struktur gefragt. Zum einen sollten unabhängig von der Vereinsgröße klare Abläufe und Vorgaben vermittelt werden, sodass man sich als Trainerin oder Trainer auf den Inhalt des Trainings konzentrieren kann. Zum anderen kann ich Defizite im Personal aber auch ausgleichen, indem ich den älteren bzw. besseren Spielerinnen und Spielern schon früh Aufgaben im Training gebe und ihnen damit Verantwortung übertrage.

Dieses Prinzip gilt auch für Wettkämpfe: Um Kinder langfristig ans Tischtennis zu binden, sollte man sie früh genug an den Spielbetrieb heranführen. Dabei ist es auch wieder hilfreich, Abläufe und Strukturen klar zu kommunizieren und auch den Eltern z. B. eine Handlungsanleitung mitzugeben. Genauso wichtig ist es aber, auch hier bestimmte Aufgaben direkt an die Kinder zu übertragen. Den Spielbericht ausfüllen, die Begrüßung vortragen, das sind Kleinigkeiten, die mit der Zeit das Selbstbewusstsein der Kinder stärken können.

Grundsätzlich dürfen Trainerinnen und Trainer auch streng sein, wenn es um Organisation geht, sie sollten dafür aber sanft im persönlichen Umgang mit den Kindern sein. Als Vorbildfunktion hat man die Möglichkeit, den Kindern viele wertvolle Dinge zu vermitteln. Keine Angst vor Wettkämpfen, keine Angst vor Fehlern oder Verantwortung. Aber auch Aspekte wie Pünktlichkeit im Training und Zuverlässigkeit in der Mannschaftsplanung kann man vorleben. Der Spaß am Tischtennis ist aber letztendlich ausschlaggebend und diesen können alle Vereinsmitglieder mit nachkommenden Generationen teilen!

Vielen Dank für die Inspiration, David!

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Und tatsächlich hat uns diese Ludwigsburger Initiative inspiriert, die bereits vorhandenen Maßnahmen und Erfahrungswerte in der hier folgenden Grafik zusammenzusammenzufassen - im Sinne einer Inspiration für unsere Vereine in Tischtennis Baden-Württemberg: 

Initiative "Starker Nachwuchs - Starke Vereine" - Tischtennis Baden-Württemberg

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