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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (15): heute Sascha Reiß, DJK Offenburg (Bezirk Ortenau)

„Tischtennis und Fußball: Ich hatte eine Zeit lang jeden Tag Training oder Spiele“

Sascha Reiß ist geboren am 25. Mai 1982 in Pfullendorf, er wohnt in Kehl, Fachhochschulreife, Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann, tätig als Mediaberater beim Reiff-Verlag in Offenburg. Reiß ist verheiratet, die beiden erwarten demnächst Zwillinge. TB Bad Rotenfels war sein erster Verein, jetzt spielt er für die DJK Offenburg. Seine Besonderheit: Er ist außerdem Sportlicher Leiter des Frauenfußball-Zweitbundesligisten SC Sand (Ortsteil von Willstätt/Ortenaukreis).

Du spielst bei der DJK Offenburg Tischtennis: In welcher Liga?

In der Bezirksliga, wir stehen aktuell auf Platz fünf. Wir sind gut in die Runde gestartet, konnten nicht immer komplett antreten, sind aber zufrieden, wie es läuft.

Wie oft trainierst du?

Leider sehr unregelmäßig. Beruflich und durch meine Tätigkeit beim SC Sand gelingt es mir meist nicht, mehr als zwei- bis dreimal im Monat ins Training zu kommen. Ich halte mich quasi durch die Spiele auf dem Niveau und nutze, wenn ich im Training bin, dann sehr konzentriert die Zeit an der Platte. Aktuell stehe ich bei 1720 Punkten.

Wann hattest du deinen ersten Schläger in der Hand?

Unser Dachboden zu Hause war nicht ganz ausgebaut, so konnte ich die Fläche als Spiel- und Sportzimmer nutzen. Wir haben als Kinder alte Matratzen als Fußballtor genutzt, mit der Zeit wurde dort auch eine Tischtennisplatte aufgestellt. Der Weg zur Tischtennis-AG war nicht weit. Als mir ein gewisses Talent bescheinigt wurde, sind meine Eltern mit mir zum TB Bad Rotenfels. Dort war meine Realschule und der Weg ins Training nicht weit.

Hast du all die Jahre bis heute durchgespielt?

Nachdem ich als Kind und Jugendlicher sehr ambitioniert war und sogar ins Fördertraining nach Steinbach durfte, musste ich mich mit 16 Jahren leider zwischen Fußball und Tischtennis entscheiden. Als ich ein Angebot vom SC Freiburg bekam und ins Fußballinternat durfte, war die Entscheidung gefallen: Ich habe Tischtennis aufgegeben und exakt 20 Jahre eine TT-Pause eingelegt. Ich war danach aber mental sehr ausgeruht vom TT-Sport und konnte mit voller Motivation zurückkehren.

Auf welche Tischtennis-Erfolge bist du besonders stolz?

Auf den 3. Platz im Doppel als Kind bei den südbadischen Meisterschaften und die Teilnahme an den baden-württembergischen Meisterschaften. Generell freue ich mich einfach, wieder zu spielen und Freude an dem Sport zu haben.

Warum bist du nicht Tischtennis-Nationalspieler geworden?

Hätte ich weitergemacht, würdest du heute mit einem ehemaligen Profi sprechen. Spaß beiseite: Das ist völlig vermessen. In beiden Sportarten hätte aus mir ein guter Amateurspieler werden können. Im Fußball aber hat mir der rechte Fuß gefehlt, im Tischtennis die Rückhand.

Welchen Anteil an deinem Tischtennis-Werdegang hatten deine Eltern?

Ich bin ihnen sehr dankbar. Sie haben mir beide Sportarten ermöglicht und sind für mich in jungen Jahren immer wieder zu irgendeinem Training gefahren. Fußball oder Tischtennis: Ich hatte eine Zeit lang jeden Tag Training oder Spiele.

Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?

Ich bin gegen Anti-Beläge - zu viele schlechte Erfahrungen für mich.

Was hat der Tischtennissport dir ganz persönlich gebracht?

Viel Spaß, viele tolle Bekanntschaften, der Tischtennissport ist eine der besten Sportarten, um abzuschalten.

Nun besteht bei dir, wie bereits angedeutet, eine besondere Konstellation: Du hattest schon früh auch ein besonderes Faible für den Fußballsport.

Ich hatte einfach schon immer Spaß an Ballsportarten.

Du warst auch als Trainer tätig.

Ich war nach meiner Spielerlaufbahn Spielertrainer beim VFB Bühl und bin von der Landesliga in die Verbandsliga aufgestiegen. Danach kam der Sprung zum SV Linx, gleichzeitig meine erste reine Trainerstelle. In Linx hatten wir mit dem Aufstieg in die Oberliga und dem Klassenerhalt eine tolle Zeit, welche mit dem südbadischen Pokalsieg und dem Einzug in den DFB-Pokal gekrönt wurde. Doch gerade auch als aktiver Fußballer hatte ich eine sehr schöne Zeit. Die Zeit beim SC Freiburg, bei den Junioren und danach bei den Amateuren, hat mich geprägt. Die Jahre beim Offenburger FV haben mich dann in der Ortenau sesshaft werden lassen. Der Abschluss beim SV Stadelhofen war vielleicht sogar die schönste Zeit - ein Verein mit vielen tollen Menschen und in einem Team damals, mit dem auch außerhalb des Platzes viel Spaß geboten war.

Seit geraumer Zeit bist du im Fußball sogar ganz weit oben zugange: als Sportlicher Leiter des SC Sand, eines Frauenteams in der Zweiten Bundesliga: Wie groß ist der Aufwand?

In einem Verein gibt es immer Tagesgeschehen, und in einer laufenden Runde wird es einem nie langweilig. Hauptsächlich bin ich für die Kaderplanung zuständig, und da geht vor allem in den Transferphasen die Post ab. Die größte Herausforderung ist das ganze Business. Wir sind ein kleiner Dorfverein, der seit 40 Jahren sehr viel für den Frauenfußball tut. Ich finde den Boom im Frauenfußball toll, aber es macht es für uns als kleinen Verein nicht leicht, Schritt zu halten. Jeder Männer-Bundesligist baut sich gerade sein eigenes Frauenteam auf und subventioniert das über den Gesamtverein. Große Städte, große Vereine: Infrastruktur und finanzielle Mittel sind da komplett anders. Wir hingegen können nur mit Erfahrung, Expertise und vielleicht ein wenig Zauberei entgegenwirken. Aktuell gelingt uns das in der 2. Bundesliga aber ganz gut.

Ist deine Tätigkeit ein Ehrenamt – oder gut besoldet?

Ich bekomme eine Aufwandsentschädigung. Als Trainer in der Verbands- oder Oberliga der Herren war die Besoldung deutlich höher.

Du träumst davon, den SC Sand eines Tages wieder in der 1. Liga zu sehen, wo er schon war?

Der Traum lebt, in dieser Saison haben wir alle Möglichkeiten. Wir haben ein tolles Trainerteam, eine homogene und talentierte Mannschaft und auch den nötigen Zusammenhalt, um in engen Begegnungen über den Teamgeist Spiele auf die eigene Seite zu ziehen.

Ganz oben, in der 1. Bundesliga, ist die Luft dünn: Ohne potente Sponsoren ist da wohl kaum was zu machen.

Wie gesagt: Der Frauenfußball bekommt von Jahr zu Jahr mehr Sichtbarkeit und Reichweite. Die großen Vereine pushen ihre Teams und veranstalten Ihre Spiele in den großen Stadien. Da kommen auch schon mal 50.000 Zuschauer. Das zeigt, wie sehr der Frauenfußball mittlerweile angenommen wird. Alle Ligaspiele werden über Magenta Sport live gezeigt. Auch unser DFB-Pokal-Viertelfinale am 10. März bei Carl Zeiss Jena wird live bei Sky gezeigt. Um weiter Schritt zu halten, benötigt es natürlich neue Großsponsoren, die die Chance erkennen, sich bei einem kleinen Verein zu engagieren, um so die Story vom ‚gallischen Dorf‘ weiterzuschreiben.

Die Ortenau ist im Vergleich zu anderen Regionen wirtschaftlich gut aufgestellt: Wie sehr wünschst du dir, dass Firmen einen Sponsoren-Pool bilden? Auf dass ein Bundesligist – auch die DJK Offenburg war im Tischtennis mal erstklassig - gestemmt werden könnte?

Das wünsche ich mir als Sportler schon seit Jahren, und mir wäre die Ballsportart zunächst mal egal. Ein Bundesligist wäre ein Aushängeschild und Leuchtturm für eine Region, die sich gerne als Sportregion bezeichnet. Die notwendigen Budgets sind heute im siebenstelligen Bereich, hier kann es nur über einen Zusammenschluss von mehreren Sponsoren gehen. Als SC Sand sind wir gerade auf einem sportlich guten Weg, an das Tor zur Bundesliga anzuklopfen. Um die Liga dann wettbewerbstauglich spielen zu können, benötigt es aber genau diesen Sponsorenpool.

Seinerzeit ist es im Handball nicht gelungen, die Kräfte zu bündeln – auf dass die Ortenau gerade in dieser Sportart wieder erstklassig wird.

Ich selbst war zu dieser Zeit noch nicht in der Region, habe es aber Anfang der 2000er-Jahre mitbekommen. Es zentralisiert sich leider fast in jeder Sportart, wir lesen in den Tabellen fast nur noch die gleichen großen Städte und Vereine.

Wie gelingt es dir, Fußball, Tischtennis, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Der Sport ist meine große Leidenschaft, und hierfür geht jegliche Freizeit drauf. Zum Glück spielen meine Frau, Familie und Freunde mit. Sie sind mir alle selten böse, wenn ich wegen des Sports Termine absagen muss.

Apropos Schmerzgrenze: Kam schon mal der Gedanke: „Jetzt reicht’s“?

Bisher nicht, der Sport war auch immer mein Ausgleich. Ohne ihn gäbe es zwar sicherlich andere schöne Dinge zu erleben, aber noch brennt in mir der Ehrgeiz, und die Freude, die ich aus dem Sport ziehe, ist noch sehr groß.

Wie oft hast du für deine Tätigkeit schon Lob von Dritten geerntet?

Das kommt schon vor und bestätigt einen natürlich. Jeder hat sein Ego und hört das gerne.

Sascha Reiß

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