Karl Vochezer ist geboren am 27. Februar 1951 in Wangen im Allgäu, gelernter Betriebsschlosser, Weiterbildung REFA, zuletzt stellvertretender Abteilungsleiter Arbeitsvorbereitung mit Schwerpunkt Projektplanung, Zeitwirtschaft und Arbeitsplatzgestaltung. Er ist verwitwet, hat eine Tochter und zwei Enkel. Seine Partnerin ist ebenfalls verwitwet, hat zwei Kinder und fünf Enkel. Neulich wurde Karl Vochezer für seine langjährigen Verdienste um den Tischtennissport und sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement die Sport-Ehrenmedaille 2025 der Stadt Wangen verliehen.
Hast du eine Übersicht über all deine Ehrenämter?
Klassenleiter im Bezirk Allgäu-Bodensee: Das war 1995 mein erstes Ehrenamt. 2000 wurde ich Seniorenwart im Bezirk, von 2002 an Seniorenausschuss im TTVWH. Von 2003 bis heute, mit kurzen Unterbrechungen, bin ich Ressortleiter Seniorensport im Verband, inzwischen TTBW.
Du bist in Sachen Tischtennis gerade im Seniorensport stark engagiert. Was ist da vor allem zu tun?
Das Organisieren des gesamten Seniorensports - mit dem Ziel, den Seniorinnen und Senioren den Stellenwert im Verband zu verschaffen, den sie verdienen, sowohl im Breitensport als auch im Leistungssport.
Neulich fanden in Laupheim wieder die baden-württembergischen Titelkämpfe statt. Warst du mit der Veranstaltung zufrieden?
Es war eine der Top-Veranstaltungen, die ich als Ressortleiter erleben durfte. Es haben rund 190 Senioren und 80 Seniorinnen teilgenommen.
Nehmen da auch richtige ehemalige „Stars“ teil?
Alexandra Schankula und Detlef Stickel waren da so die Aushängeschilder.
Wie kamst du zu deinem allerersten Ehrenamt?
Durch meinen Verein. Tischtennis und das Drumherum haben mich schon immer interessiert.
Wie viele Stunden investierst du in der Regel pro Woche ins Ehrenamt?
Unterschiedlich. Ich würde sagen, im Schnitt so drei bis fünf Stunden. Ganz besonders zeitintensiv sind die drei Monate vor der baden-württembergischen Einzelmeisterschaft. Da laufen die ganzen Informationen bei mir zusammen.
Welche waren das in der Hauptsache?
Die ganzen Anmeldungen, Nachfragen wegen der Turnierlizenz. Viele lesen auch die Ausschreibung nicht und fragen lieber, hauptsächlich ältere Senioren, die mit dem Computer ihre Probleme haben.
Was ist für dich der besondere Reiz eines Ehrenamtes?
Die vielen tollen Begegnungen mit TT-Senioren, die Freude, sich wiederzusehen und den Sport gemeinsam auszuüben. Daraus sind wertvolle Freundschaften entstanden.
Wie spielt die Partnerin mit?
Sie ist mein großer Rückhalt. Beispiel: Vor dem letzten Landesverbandstag war die Position des Ressortleiters Seniorensport zu besetzen. Rainer Franke, der bekanntlich als Präsident kandidiert hat, rief mich deswegen an. Noch bevor ich antworten konnte, hat meine Partnerin ihm die Zusage für mich gegeben.
Wie oft hast du für deine Tätigkeit schon Lob von Dritten geerntet?
Schon öfters mal. Man schätzt an mir, wie ich zu hören bekomme, besonders meine Geradlinigkeit und meinen Gerechtigkeitssinn. Es gibt keine Bevorzugungen oder Ähnliches. Letztlich muss ich mich immer vor mir selbst rechtfertigen und am nächsten Tag auch noch in den Spiegel schauen können.
Apropos Schmerzgrenze: Wie oft kam schon der Gedanke: „Jetzt reicht’s?“
Man denkt schon öfter mal daran, wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie man es sich erhofft hatte. Und vor allem dann, wenn ‚von oben herab‘ Entscheidungen kamen, die nicht im Sinne der Senioren waren.
Fällt dir da was ganz Gravierendes ein?
Nur ein Beispiel: Kürzung der Zuschüsse zur Deutschen Meisterschaft ohne Rücksprache mit mir. Ich aber muss es dann den Teilnehmern ‚verkaufen‘.
Hast du Ehrenämter außerhalb des Tischtennis?
Ich bin bei den Modelleisenbahnfreunden Wangen als Schriftführer tätig. In meiner Kindheit war die Eisenbahn ein großes Thema für mich. Dies ist eingeschlafen, bis meine Enkel Freude an dem Hobby gefunden haben. Da sie bei mir im Haus wohnen, höre ich öfters den Satz: ‚Opa, wir wollen Eisenbahn spielen.‘
Gab’s noch weitere Ehrenämter?
Ich war bis vor zwei Jahre noch etwa zehn Jahre im Bürgerforum (BF) Wangen in der Vorstandschaft tätig. Mit seinen über 30 Gruppen und fast 1.000 Mitgliedern ist es ein Verein für Senioren ab 55 Jahre, die in unterschiedlicher Weise aktiv sein wollen.
Du spielst selbst noch regelmäßig im Verein Tischtennis.
Ja! Mein erster Spielerpass wurde mit Datum 1. Oktober 1961 ausgestellt. Im kommenden Oktober bin ich also 65 Jahre Mitglied im Verein. Bis auf eine ganz kurze Zeit, da ich für den VfB Friedrichshafen spielte, stand ich immer für meinen Heimatverein am Tisch. Heute noch spiele ich mit unserer 2. Herrenmannschaft in der Bezirksklasse.
Wann hattest du deinen ersten Schläger in der Hand?
Mit Tischtennis kam ich durch meinen Bruder in Berührung. Er war in meiner Kindheit beim TTC Wangen der Spitzenspieler. Folglich spielte auch ich Tischtennis.
Auf welchen sportlichen Erfolg bist du besonders stolz?
2002 gelang mir meine erste Deutsche Meisterschaft der Senioren, ich wurde Vizemeister im Herrendoppel der Altersklasse AK 50. 2003 wurde ich württembergischer Meister in derselben Altersklasse.
Und welche Niederlage nagt an dir bis heute?
Keine. Wenn du so lange Tischtennis spielst und sämtliche Höhen und Tiefen eines Vereins miterlebt hast, haut dich nichts mehr um.
Warum bist du nicht Nationalspieler geworden?
Dazu fehlten mir die technischen Möglichkeiten.
Gibt es Lieblingsgegner?
Das sind Angriffsspieler, die nicht gleich mit dem ersten Ball den Punkt machen. Als Abwehrspieler - ähnlich meinem Vorbild Eberhard Schöler - finde ich es toll, Bälle so lange abzuwehren, bis mein Gegner den Fehler macht.
Welchen Anteil an deinem sportlichen Werdegang hatten deine Eltern?
Meine Eltern waren nicht sportlich unterwegs. Letztlich habe ich alles meinem Bruder zu verdanken, der früh mein Potential erkannt und mich gefördert hat.
Wie oft gab es schon Momente, da du dir sagtest: ‚Ich denke, jetzt ist es am besten, mit dem Tischtennis aufzuhören‘?
Solche Gedanken gab es schon mal, ja. Ernsthaft waren sie aber nicht. Einzig nach neuem Knie und neuer Hüfte fragst du dich schon mal: ‚Komme ich nochmals zum Tischtennisspielen - oder war es das?‘
Welches ist der beste baden-württembergische TT-Spieler aller Zeiten?
Ich will keinen hervorheben. Aber die frühere Mannschaft des SSV Reutlingen, mit Stellwag, Schlüter, Grumbach usw., hat mich schon beeindruckt.
Was sollten Vereine tun, um neue Mitglieder, zumal Jugendliche, zu gewinnen?
Ich will mal ein Beispiel geben: Seit etwa fünf Jahren haben wir eine Hobbygruppe, die mittlerweile auf über 60 neue Mitglieder für den Verein angewachsen und voll integriert im Verein ist. Daraus hat sich eine Gruppe gebildet, die am aktiven Spielbetrieb teilnehmen wollte. Diese, unsere 5. Mannschaft spielt seit dieser Runde in der untersten Klasse mit, zwar noch ohne Erfolg, aber mit größter Begeisterung. Diese Mannschaft hat vom Verein aktive Spieler zur Seite gestellt bekommen, damit sie diesen Weg überhaupt gehen konnte. Einer davon bin ich, und es macht einen Riesenspaß zu sehen, wie die Spieler unsere Hilfe annehmen. Da bin ich schon stolz darauf. Diese Gruppe, unsere Stadtmeisterschaft für Hobbyspieler sowie Aktionstage an und mit Schulen verschaffen uns die Möglichkeit, die eingeschlafene Jugendarbeit neu zu beleben. Unsere aktuelle Jugendleiterin und-trainerin kommt aus dieser Hobbygruppe. Eines weiß ich aber auch: Wir haben die Kapazitäten der Halle und im Hintergrund eine Stadt Wangen mit einem OB Michael Lang, der voll hinter dieser Sache steht. Nicht jeder Verein hat diese Möglichkeiten.
Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?
Für mich gehört die Aufschlagregel geändert. Viele Spieler haben sich im Aufschlagspiel derart spezialisiert, dass sie daraus einen Vorteil ziehen, ich nenne mur mal die verdeckten Aufschläge. Was mich daran hauptsächlich stört: Wenn ich darum bitte, solche Aufschläge zu unterlassen, bin in der Regel immer ich der Böse – und leider nicht derjenige, der die verdeckten Aufschläge macht. Es gab schon Ansätze, nur Rückhandaufschläge zu erlauben, leider wurde das nicht weiterverfolgt.
Und gibt es sonstige Regeln, die man einführen sollte?
Da fällt mir auf Anhieb keine ein. Dennoch bin ich dafür, von der obersten bis zur untersten Spielklasse ein einheitliches Spielsystem einzuführen. Selbst ich, der ich schon so lange in der Szene bin, verstehe auf Anhieb nicht jedes System und muss mich dann erst mal einlesen.
Was hat dir der Tischtennissport ganz persönlich gebracht?
Freude, Kameradschaft und Gesundheit.


