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Hintergrundberichte   Pressemitteilung  

Serie „Menschen in TTBW“ (13): heute Thomas Huck, TTSF Hohberg (Bezirk Ortenau)

„Ziel: Aufgaben auf möglichst vielen Schultern zu verteilen“

Thomas Huck (geborener Soluk) wurde 1965 in Wolfsburg geboren. Abitur, Wehrdienst, Studium in Göttingen, Abschluss als Diplom-Kaufmann und Wirtschaftsinformatiker. Als Verwaltungsleiter Mitglied der Geschäftsleitung der IHK Karlsruhe. Seit 1998 wohnt er in Bühl (Stadt). Er ist verheiratet mit Karin Huck, zwei Kinder, Alisa (32) und Leon (27). Sein Verein sind die TTSF Hohberg, mittlerweile in Baden eine Tischtennis-Hochburg: Herren I spielen in der Regionalliga, Damen I in der Oberliga. Der Verein hat sechs Erwachsenen-, zwei Damen- und vier Jugendmannschaften.

Haben Sie eine Übersicht über Ihre Aufgaben im Verein?

Die haben sich organisch entwickelt. In meiner Rolle als zweiter Vorstand versuche ich seit 2009 da zu unterstützen, wo ich es für notwendig halte - damit alles rund läuft. Dann gibt es noch Projekte, um die ich mich kümmere: Homepage, Sponsoring, Vereinsarchiv, Herren-Kaderplanung, Saisonheft – eine Gemeinschaftsproduktion vieler motivierter Menschen.

Der intensivste Job?
Am meisten Nerven kostetet die Kaderplanung. Wir wollen die Wünsche eines jeden berücksichtigen. Das erfordert Kompromissbereitschaft. Jeder weiß, dass die Ziele des Vereins über den Interessen des Einzelnen stehen.

Wie kamen Sie zu Ihrem allerersten Ehrenamt?

Ich war bis zum 30. Lebensjahr im Niedersächsischen Tischtennisverband unterwegs. Hier gab es einen wunderbaren Verein: den MTV Hattorf, ein Ort in meiner Heimatstadt Wolfsburg. Der Verein war wie eine zweite Familie für mich. In diesem Umfeld haben sich Freundschaften gebildet. Tischtennis im Verein hat mir wahnsinnig viel gegeben. Es ist Teil meiner Identität. Daher war für mich immer klar, dass ich nach meiner Leistungssportphase diesem Sport, den ich so liebe, etwas zurückgeben werde. Hört sich pathetisch an, ist aber so.

Wie viele Stunden investieren Sie pro Woche ins Ehrenamt?
Fünf bis zehn. Ich empfinde es aber – meistens - nicht als Arbeit.

Sie haben als Sportchef der TTSF Hohberg mit dafür gesorgt, dass der Verein zu einer Tischtennis-Hochburg geworden ist.
Das ist nicht der eine große Geniestreich, sondern es musste an vielen Stellschrauben gedreht werden. Wir wollten nicht zu denen gehören, die ständig jammern, dass früher alles besser war. Früher war es halt anders. Basis war ein klares Leitbild, eine gute Organisation. Hier sind wir gut aufgestellt. Viele Dinge sind heute einfacher, man denke an die Digitalisierung oder die Kommunikation.

Die größten Herausforderungen?
Wir haben viel Zeit dafür aufgewandt, die Aufgaben auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Jedes aktive Mitglied muss bei uns mindestens einmal einen Bewirtungsdienst und regelmäßig die Betreuung von Jugendmannschaften übernehmen. Das Prinzip: ‚Viele machen wenig anstatt wenige viel.‘ Klappt ganz gut, muss man aber dranbleiben (lächelt). Auch in unserem Verein gibt es keine Perfektion.

Was ist für Sie der besondere Reiz eines Ehrenamtes?
Grundvoraussetzung: Man muss Menschen mögen. Der Reiz lag für mich immer im Gestalten. Ich hatte ein Idealbild im Kopf: Ehrenamtliche Arbeit sollte keine Last sein. Das Ganze sollte so effizient organisiert sein, dass sich die motivierten Ehrenämtler nicht mit Bürokratie rumschlagen müssen, nicht zehnmal das Gleiche diskutieren müssen. Ich kann nur jedem jungen Menschen empfehlen, in einem Verein mitzuarbeiten. Die Erfahrungen kann man woanders sehr gut gebrauchen.

Wie viele Trainer/Übungsleiter sind im Einsatz?
Etwa zehn. Worauf wir stolz sind: Diese spielen in unseren Teams - bis hoch zu Damen I und Herren I. Ein Erfolgsfaktor! Wenn ich diesen Tipp geben darf: Liebe Vereine, bildet nicht nur eure Spieler aus, sondern auch eure Trainer.

Wie spielt der Partner mit, die Familie?
Da habe ich volle Rückendeckung, wofür ich dankbar bin. Meine Frau Karin wie auch mein Sohn Leon sind ebenfalls tischtennisbegeistert. Leon ist als Schatzmeister ebenfalls im Vorstand und koordiniert zudem die Schiedsrichter in der Region. Karin, die der Grund war, dass ich im Badischen gelandet bin, ist schon seit ihrer Kindheit in der Tischtennisszene, unter anderem beim TV Bühl. 2025 gab es eine Premiere: Wir sind alle drei in einem Verbandsligaspiel gemeinsam aufgelaufen.

Wie oft haben Sie für Ihre Tätigkeit schon Lob von Dritten geerntet?
Wer ein Ehrenamt nur deshalb übernimmt, um ständig auf die Schulter geklopft zu bekommen, wird wahrscheinlich nicht lange durchhalten. Natürlich ist Anerkennung wichtig, sie tut auch gut. Aber sie sollte nie der eigentliche Antrieb sein. Dankbarkeit bekommt man im Verein oft auf vielfältige Weise gezeigt - etwa wenn man sieht, wie stolz ein Jugendspieler nach seinem ersten Sieg ist, oder wenn nach einem Heimspieltag alle noch zusammenhocken und man merkt, wie wohl sich die Leute fühlen.

Sie spielen selbst noch Tischtennis – und immer noch gut.

Ich versuche zweimal in der Woche zu trainieren, sofern es meine Hüfte zulässt. Mir macht Tischtennis immer noch sehr viel Spaß und tut mir gut. Insbesondere da wir zu dieser Saison entschieden haben, alle Hohberger TT-Veteranen in unserem Verein in die dritte Mannschaft zu stecken. Wir sind mit einer echten Oldie-Truppe gerade in der Verbandsliga Herbstmeister geworden. Das macht Spaß!

Wann hatten Sie Ihren ersten Schläger in der Hand?

Den habe ich mir auf dem Flohmarkt gekauft. Der „Belag“ war mit einem Filzstift „verziert“ – für jeden Schwimmbadschläger eine Beleidigung (lacht).

Auf welche sportlichen Erfolge sind Sie besonders stolz?

Highlight war mein Sieg bei einem Turnier in Esbjerg/Dänemark in der zweithöchsten Kategorie, damals das größte Turnier in Europa mit einem 1024er-Feld – Wahnsinn. Das Verrückteste: Ich stand im Finale meinem besten Freund Peter Wode gegenüber. Er hat auch das Turnier seines Lebens gespielt. Gegen den besten Kumpel in so einem Rahmen das Finale zu spielen, das vergisst man nicht. Mein schönster Einzelerfolg war gegen Richard Prause im hessischen Pokalfinale, gegen FTG Frankfurt. Gerade haben wir mit Bruno Lehmann, Achim Stoll und Michael Feißt, drei waschechten Hohbergern, Bronze bei den Deutschen Ü60-Mannschaftsmeisterschaften geholt – in dieser Konstellation etwas Besonderes.

Und welche Niederlage nagt bis heute?

Die gegen Helmut Hampl, den Trainer von Timo Boll. Ich spielte damals für den ESV Jahn Kassel, und es ging im Spitzenspiel der 2. Liga gegen die FTG Frankfurt. Ich war im Flow, führte hoch im Entscheidungssatz, machte einen weiteren sehr guten Punkt, den mein Gegner nur noch ins Netz spielen konnte – so dachte ich, drehte mich um und jubelte. Der Ball sprang aber gegen das Netzgestell und dann im hohen Bogen auf die Platte. Ich konnte nur noch entsetzt zusehen, wie der Ball auf meine Seite seelenruhig auftippt. Danach war ich so von der Rolle, dass ich das Spiel verlor.

Was sollten Vereine tun, um Jugendliche zu gewinnen?
Die Jugendlichen in die Halle zu bekommen ist nicht so schwierig, etwa mit Schul-AGs oder Ferienfreizeiten. Aber wie hält man die Jugendlichen? Noch schwieriger: Wie schafft man den Übergang in den Erwachsenensport? Man muss dafür sorgen, dass sich die Schützlinge kontinuierlich entwickeln. Der Spaß am Spiel bleibt meist nur, wenn sie merken: Es geht sportlich voran. Zweitens muss den Kindern und Jugendlichen mehr geboten werden als nur Platte und Schläger. Ideal, wenn die Kinder in die Halle kommen, um Freunde zu treffen.

Gibt es Tischtennisregeln, die man ändern sollte?

Wenn ich eine Sache sofort ändern könnte, dann die Ungerechtigkeit beim Doppel-Aufschlag. Mein Vorschlag: Man sollte wie beim Tennis einmal von links und einmal von rechts aufschlagen, damit Chancengleichheit herrscht. Die jetzige Regelung ist ein klarer Vorteil für bestimmte Spielertypen, etwa bei der Ballannahme für Linkshänder, die eine starke Vorhand besitzen. Auch beim eigenen Aufschlag müssen sich Rechtshänder stark umstellen, Linkshänder kaum.

Und gibt es Regeln, die man einführen sollte?
Neue Spieler sollten nicht während der Saison geholt werden dürfen. Das ist wettbewerbsverzerrend und ein Vorteil für finanzstarke Vereine.

Sie haben neben Tischtennis ein weiteres Hobby.
Richtig, eine weitere Leidenschaft ist die Musik. Ich spiele seit 15 Jahren in der Band „Generations“, mit der wir hin und wieder auftreten, wenn es die Zeit erlaubt - eine Band, die aus unserem Verein heraus entstanden ist: ein riesiger Spaß und auch ein echtes Gemeinschaftserlebnis.

die Hohberger Oldie-Truppe
Thomas Huck mit Frau Karin und Sohn Leon

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