Fusion

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Baden-Württemberg-Verband mit Baden oder ohne?

Ein Meinungsartikel von Hans-Jürgen Walther

Im Folgenden dokumentieren wir die Einschätzung von Hans-Jürgen Walther, Rechtsausschuss-Vorsitzender im Badischen Tischtennis-Verband, zur Verschmelzung der drei baden-württembergischen Landesverbände.

Historie zum Antrag, die drei Landesverbände Baden, Südbaden und Württemberg-Hohenzollern zu einem Tischtennis-Verband Baden-Württemberg zu verschmelzen

Im Jahr 1995, also vor 24 Jahren, standen die Verantwortlichen in den Landesverbänden vor der gleichen Frage und Entscheidung wie am 29. Juni 2019: Bilden wir einen gemeinsamen Verband? Damals stimmten die Vereine im BaTTV fast einstimmig für einen Zusammenschluss, ebenso in Württemberg. In Südbaden wurde die erforderliche Mehrheit nicht erreicht.

Das Ziel der gewählten Präsidiumsmitglieder aller drei Verbände aber blieb bestehen, die sportlichen Aktivitäten im Leistungssport und auf Baden-Württemberg-Ebene zusammenzuführen. Deshalb wurde vier Jahre später als Vorbereitung für einen gemeinsamen Verband die ARGE Baden-Württemberg gegründet. Diese Vorgehensweise war zudem Bedingung für die Leistungssport-Bezuschussung durch den Landessportverband Baden-Württemberg (LSV). Im Jahr 2015 folgte auf die ARGE der Tischtennis Baden-Württemberg e. V. Im letzten Schritt der nun vorgeschlagenen Verbandsverschmelzung geht es um die Zusammenführung der Verwaltung. Der Beirat in Südbaden bzw. der Verbandsausschuss in Württemberg-Hohenzollern haben sich für den Fall der Fälle einstimmig für eine Fusion auch mit nur einem anderen der beiden Landesverbände ausgesprochen.

Hans-Jürgen Walther hat die geschilderte Entwicklung verfolgt, war in dieser Zeit in verschiedenen Funktionen für den Badischen Verband tätig. Mit diesem Blick fasst er seine Sicht der Dinge und in dieser Zeit wiederkehrende Argumente zusammen, betrachtet dabei beide Szenarien aus Sicht der Vereine – in einem gemeinsamen Verband Baden-Württemberg oder zukünftig in einem eigenständigen BaTTV:

Persönliche Stellungnahme von Hans-Jürgen Walther

- Ehrenamtliche: Dieser Punkt erscheint mir bei der zu treffenden Entscheidung der wichtigste Aspekt zu sein. Schon in der Vergangenheit war es schwierig, alle Ämter zu besetzen. Jeder, der sich für ein Amt zur Verfügung stellte, wurde mangels Wahlmöglichkeit auch gewählt. Hier befürchte ich, dass zukünftig im BaTTV nicht mehr alle Ämter ehrenamtlich besetzt werden können und die Aufgaben von bezahlten Kräften erledigt werden müssen. Aufgrund der höheren Anzahl von Vereinen und der sportpolitischen Bedeutung des dann zweitgrößten Verbandes im DTTB wird es in TTBW leichter, kompetente Verantwortliche für den Verband zu finden.

- Verwaltung: Ebenso von Bedeutung ist die Besetzung und Erreichbarkeit der Geschäftsstelle. Bei Urlaub oder Krankheit ist unsere BaTTV-Geschäftsstelle nicht besetzt. Wenn Alfons Enichlmayr ausfällt, erscheint eine weitere Kraft in der Geschäftsstelle unumgänglich. Die dann anfallenden Kosten müssten auf die wenigen Vereine Badens umgelegt werden. Dagegen ist eine Baden-Württemberg-Geschäftsstelle ständig besetzt, auch im Falle von Urlaub und Krankheit einzelner Mitarbeiter. Die Zukunfts-Themen Sportentwicklung, Vereinsservice, Aus- und Fortbildung sowie Newsletter können durch die besser besetzte Geschäftsstelle geleistet werden.

- Sportentwicklung: Die Aufgaben Sportentwicklung, Vereinsservice, Aus- und Fortbildung und Newsletter können von der derzeitigen BaTTV-Geschäftsstelle nicht geleistet werden, hierfür wäre eine bezahlte Zusatzstelle erforderlich. In einer TTBW-Geschäftsstelle sind die personellen Voraussetzungen für diese Aufgaben bereits vorhanden.  [Die Mehrwerte einer Sportentwicklung für die Vereine in Baden-Württemberg zeigt dieses Video auf: Bitte hier klicken]

- Finanzen: Der BaTTV hat im Jahr 2018 einen Verlust von ca. 13.000 € gemacht. Zukünftige Verluste müssen auf die wenigen Vereine verteilt werden. Der TTBW-Haushalt 2018 gestaltete sich ausgeglichen. Aufgrund der unterschiedlichen Finanzstrukturen sind Änderungen erforderlich. Die führen für die Vereine zu geringfügigen Kostensenkungen oder Erhöhungen. Eine Verschmelzung führt zu Synergieeffekten (70.000 Euro). Daraus resultierende Einsparungen können für die Unterstützung der Vereine verwendet werden.

-Leistungssport: Gegenüber der heutigen Situation entstehen mit einem Nein zum gemeinsamen Baden-Württembergischen Verband eine Reihe von Nachteilen: Die Badenliga entfällt, es gäbe keine Veranstaltungen und keinen sportlichen Vergleich auf BaWü-Ebene mehr. Aufgrund der dann neuen Trainer-Situation erwarte ich einen Leistungsabfall wie in den anderen kleinen Verbänden Pfalz, Rheinland, Rheinhessen usw. Im Jugendbereich ist eine Fortsetzung der Zusammenarbeit aufgrund der LSV-Zuschüsse im Interesse aller drei Landesverbände, aber nicht sicher. Bislang zahlen wir als BaTTV weniger ein, als wir für die Finanzierung des Leistungssports erhalten. Diese Differenz von ca. 39.000 €/Jahr (Stand heute) müssten wir von Seiten des BaTTV dann zukünftig selbst aufbringen.

- Satzung: Im Gegensatz zur aktuellen BaTTV-Satzung hätten die Bezirke im Landesverbandsausschuss eines TT-Verbandes Baden-Württemberg die absolute Mehrheit. So können die Interessen der Vereine innerhalb des Verbandes noch besser vertreten werden. Zudem sieht die neue Satzung ein Delegierten-System vor. Dieses bietet die Möglichkeit, am Verbandstag als Delegierter teilnehmen zu können, aber dies als Vereinsvertreter nicht mehr zu müssen.

- Wettspielordnung: Die neu konzipierte TTBW-WO erforderte wie bei jedem Zusammenschluss Kompromisse, wobei Baden die wenigsten eingehen musste. Bei zukünftigen Änderungen im DTTB hätten wir als kleiner BaTTV praktisch keinen sportpolitischen Einfluss mehr.

- Bezirke: Die bisherige Struktur mit eigenständigen Finanzen bleibt erhalten.

Ich sehe nach Abwägung der aufgeführten Argumente keine Gründe für die Rückkehr zu einem komplett eigenständigen Verband.

Zu einer Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile Badens bei Eigenständigkeit und bei Fusion.

Hans-Jürgen Walther, Rechtsausschuss-Vorsitzender Badischer Tischtennis-Verband

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