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Sportentwicklung

Im Interview: Der TTC Muggensturm

Ein Interview über 307 Kinder bei den mini-Meisterschaften, Vereinsentwicklung und Anmeldungen während der Hochzeitsreise

Der TTC Muggensturm bietet seit Jahren mit seinen herausragenden Zahlen bei den mini-Meisterschaften ein Best-Practice-Beispiel in unserer Sportart. Für Tischtennis Baden-Württemberg Anlass genug, mit dem Präsidenten des TTC, Hartmut Metz, ein kurzweiliges Gespräch über Minis, Herausforderungen und die eigene Hochzeitsreise zu führen.

Herr Metz, der TTC Muggensturm hat, erneut muss man sagen, Schlagzeilen gemacht. 307 Kinder kamen in diesem Jahr zu den mini-Meisterschaften. Ein neuer Rekord! Wie zufrieden sind Sie?

Natürlich sehr. Hatten wir bereits im Vorjahr 284 Teilnehmer, kletterte die Zahl nun noch einmal. Es wird zwar schwer, diesen Rekord zu übertreffen – aber wir haben schon Ideen, indem wir noch ein paar weitere Schulklassen einbinden … Auf jeden Fall ist es stets schön, das Finale mit den besten 80, 90 Kindern durchzuführen. Die Tribüne unserer Halle ist dann stets so proppenvoll, dass mehr Leute zuschauen als das ganze Jahr über bei den Heimspielen meiner ersten Mannschaft. Was auch etwas deprimierend ist … Spaß beiseite: Die Familien fiebern immer mit und drücken ihrem Nachwuchs die Daumen. Es ist auch schön, wenn die Besten dann wie bei Olympischen Spielen auf dem Podest vor guter Kulisse geehrt werden. Ganz besonders fand ich das Finale 2018: Da kam sogar DTTB-Präsident Michael Geiger persönlich! Er wohnt im Nachbarbezirk und zählte mit seinem Sohn Christoph, der bei uns in der Bezirksklasse spielt und auch WM-Schiedsrichter ist, die Endspiele und nahm die Siegerehrungen vor.

Als geneigter Vereinsvertreter, der vielleicht auch schon eine mini-Meisterschaft ausgerichtet hat, fragt man sich zunächst: Wie gelingt es Ihnen Jahr für Jahr, solch unglaubliche Zahlen zu erreichen?

Bei uns im Bezirk hat der TTV Bühlertal um seinen umtriebigen Vorsitzenden Peter Ganter, der auch die Mini-Meisterschaften im Bezirk seit zig Jahren organisiert, bereits früher ähnliche Teilnehmerzahlen verzeichnet! Wir führen zwar schon seit mehr als zehn Jahren Mini-Meisterschaften durch – aber für den Quantensprung in diese Dimensionen benötigten wir auch glückliche Umstände. Unser Jugendtrainer und Spitzenspieler Andreas Herrmann ist Leiter der Kindersportschule (KiSS). Die rief er ins Leben, um die Kinder in Muggensturm sportlicher zu machen. Wir unterstützten das löbliche Projekt von Beginn an, während einige anderen Sportvereine noch zögerten wegen der starken Konkurrenz um den Nachwuchs. Inzwischen ist die KiSS nicht nur vom Badischen Sportbund als besonderes Projekt ausgezeichnet worden, sondern wird neben der Gemeinde Muggensturm zudem von der Nachbarstadt Kuppenheim und dem Nachbarort Bischweier finanziell gefördert. Seit Andreas Herrmann dort an den Schulen tätig ist, weiteten wir die Mini-Meisterschaften aus. Dabei wollen wir der TTG Bischweier aber nicht die potenziellen Talente wegnehmen und haben diese insofern eingebunden, dass sie die Teilnehmer aus ihrem Ort zum Training einladen beziehungsweise die Besten auch zum Bezirks-Finale der Mini-Meisterschaften schicken.

Erzählen Sie uns etwas zum Aufwand. Wieviel Vorbereitung steckt dahinter, wie viele Helferinnen und Helfer sind am Veranstaltungstag selbst vor Ort?

Die Vorrunden in den Klassen sind für den TTC Muggensturm selbst überhaupt kein Aufwand. Andreas Herrmann organisiert diese im Sportunterricht. Die Besten erhalten danach eine Einladung zum Finale, das er perfekt organisiert – ich bin jedes Jahr aufs Neue erstaunt, wie er all die Spiele trotz des Gewusels in der Halle über einen Gewinnsatz locker abwickelt und einträgt. In 2,5 Stunden ist alles inklusive Siegerehrung und Fotos über die Bühne. Ich kümmere mich um die Vor- und Nachberichte sowie ums Sponsoring mit der VR-Bank in Mittelbaden, die uns schon seit einem Jahrzehnt großzügig mit kleinen Preisen und Geld unterstützt. Am Abend selbst erhalten alle Finalisten eine Einladung zum Schnuppertraining. Wer vier Wochen dabei bleibt, bekommt als Belohnung einen guten Schläger. Wir bieten außerdem durch unseren Festausschuss dem Publikum Kuchen, Würste und Getränke an. Alles in allem hält sich der Aufwand also in Grenzen, weil vieles mittlerweile eingespielt ist.

Stichwort Nachhaltigkeit: Eine mini-Meisterschaft auszurichten ist nur ein Teil der Arbeit. Wie gelingt es Ihnen im Nachgang der Veranstaltung, die Kinder dauerhaft in der Halle zu halten und ins Training zu integrieren? 

Das ist wirklich am schwierigsten. Eigentlich bin ich als alter Statistiker ein Verfechter der großen Zahl – indes ist es leider nicht so, dass 300 Kinder in der Halle einen Zulauf von 50 Kindern in den Folgewochen versprechen. Wir hatten schon Jahre, als wir klein mit 15-20 Kindern begannen, da blieben mehr Jugendliche hängen. Dieses Jahr sind es bis dato auch nur eine Handvoll – wobei die Qualifizierten für die Bezirksebene auch teilweise erst kurz davor ins Training einsteigen. Wenn wir ein halbes Dutzend Kinder gewinnen, hat sich der Aufwand für uns auf jeden Fall gelohnt. Es bleiben auch eher die Talente hängen. Mit den Kindern vom Vorjahr haben wir inzwischen eine exzellente U13-Schülermannschaft gebildet, die kurz vor der Bezirksmeisterschaft steht.

Dass die Talente aber bis in den Erwachsenenbereich durchhalten, das bleibt leider schwierig. Wir hatten bisher fünf Teilnehmer, die sich über Bezirksebene und Südbaden bis für das Bundesfinale der Minis qualifizierten. Das hört sich nach viel an – aber wenn man sich unter jeweils 150 im Ortsentscheid durchsetzen muss, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man auch danach dominiert. Im Vorjahr kamen sogar mit Michel Walkowiak und Mia Warth beide von uns auf die Deutsche! Doch Letztere hatte keine Lust auf Tischtennis, und Walkowiak ist so der einzige aktuelle DM-Teilnehmer, der bei uns noch spielt. Das ist bedauerlich – aber das Problem kennt sicher jeder Verein. Immerhin hat er jetzt die Endrangliste der U12 im Bezirk gewonnen und trainiert entsprechend eifrig. Bei den Mädchen gelingt es uns dabei besser, sie bei der Stange zu halten. So wurden wir in den letzten Jahren dank einiger Talente zu einer kleinen „Mädchen-Hochburg“, die mittlerweile so gut sind, dass sie sich lieber in der Liga der Jungs oder gleich bei den Damen fordern lassen.

Welche sind für Ihren Verein die größten Mehrwerte bei der Durchführung der mini-Meisterschaften?

Den Nachwuchs für Tischtennis zu begeistern und unseren Sport kurzzeitig in den Fokus zu rücken, gelingt damit sehr gut. Zudem, glaube ich, schaffen wir mit diesen mini-Meisterschaften auch ein gutes Image für den Verein, sowohl bei anderen aktiven Tischtennisspielern als auch den Sportinteressierten im Ort sowie bei den Sponsoren. Das registrieren viele. Wir werden häufig auf den Erfolg mit den Minis angesprochen. Eigentlich überschätzen uns sogar einige deswegen und meinen, alles liefe super bei uns im Nachwuchsbereich. Wir mühen uns dafür allerdings ebenso mit einem Ferienspaß-Angebot in den Sommerferien und unterstützen mit einem Bufdi eine ganzjährige Tischtennis-AG an der Grundschule. Außer dem Image hat der TTC Muggensturm langfristig Mitglieder hinzugewonnen. Bevor wir damit anfingen, vergrößerten wir uns schon von 100 auf 150 Mitglieder. Als ich mal in einem Anflug von Großspurigkeit die Zahl von 200 Mitgliedern als Ziel meiner Präsidentschaft ausgab, um danach abtreten zu können, schmunzelten alle. Ende 2018 hatten wir plötzlich 199 Mitglieder, wie unser Schriftführer Jonathan Körber vermeldete – Ehrensache, dass ich da sofort meine Frau Tea von unserer Hochzeitsreise auf den Seychellen aus direkt als Nummer 200 anmeldete, bevor noch etwas schiefgehen konnte ...

Herr Metz, wir wünschen Ihrem Verein weiterhin viel Erfolg und ein gutes Händchen bei der Ausrichtung der mini-Meisterschaften!

Das Interview führte TTBW-Referent Dirk Lion

Fotos: TTC Muggensturm

 

Reges Treiben herrscht in der TTC-Halle.

Ließ es sich 2018 nicht nehmen, die Minis selbst zu ehren: DTTB-Präsident Michael Geiger

Christoph Geiger ehrt die Medaillengewinner und zählte als aktueller WM-Schiedsrichter wie sein Vater, DTTB-Boss Michael Geiger, zur Freude der Kinder einige Halbfinals und Endspiele. Amelie Wieber (links) gehört nun zu den hoffnungsvollsten Talenten des TTC Muggensturm.

Gold für Marie Graf: Schulrektor Johannes Hermann gratuliert zum Erfolg bei den älteren Mädchen, die maximal zehn Jahre alt sind.

Die Sieger der Wettkampfgruppe 1 um den achtjährigen Iven Dohm (Zweiter von links) strahlen um die Wette.

Muggensturms Schulrektor Johannes Hermann zeichnet die besten Mädchen der Wettkampfgruppe 1 mit Medaillen aus. Gold geht an Marie Graf (Mitte).

Viel Spaß auch nach dem Turnier haben die Sieger der Wettkampfgruppe 2 um Kian Krupp.

Die Wettkampfgruppe 2 führen Sophie Kovalenko (mitte) und Luisa Fritz (links) an.

Positiv TT-Verrückt: Hartmut Metz und Dimitrij Ovtcharov

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