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Evelyn Simon bei Ihrer Verabschiedung

Wettkampfsport

Evelyn Simon

Abschied aus dem TEAM BaWü

Evelyn Simon – eine neunjährige Erfolgsgeschichte im Schwabenland geht zu Ende

Von Thomas Holzapfel

Evelyn Simon und das Nachwuchskaderteam von Tischtennis Baden-Württemberg – das war neun Jahre lang eine perfekte Symbiose. Nur für wenige im Stützpunktkader von TTBW war die Rheinländerin einfach nur eine Trainerin, für die meisten war sie eine wichtige Ansprechpartnerin und zuweilen auch Vorbild und gute Freundin. Nun, da die 36-jährige ihre Zelte im Schwabenland wieder ab- und zu neuen Ufern aufbricht, wurde sie im Kreise ihrer liebgewonnenen Tischtennistalente gebührend verabschiedet.

Dass hierbei die eine oder andere Träne fließen würde, war abzusehen. „Ich will eigentlich gar nicht so viel an den allerletzten Trainingstag denken“, sagte Evelyn Simon im Vorfeld, „das könnte durchaus etwas emotional werden.“ Und so kam es: In einem knapp halbstündigen Video, erstellt von Alexandra Kaufmann, einem ihrer langjährigen Schützlinge, wurden im Böblinger Tischtenniszentrum noch einmal zahlreiche Höhepunkte in Evelyn Simon’s Ära dargeboten. Sequenzen aus dem wöchentlichen Training, aus Teilnahmen an internationalen Lehrgängen wie in Serbien oder Japan, aus erfolgsgekrönten Veranstaltungen wie dem renommierten Deutschlandpokal, der in diesem Zeitraum bei acht Teilnahmen sieben Mal gewonnen wurde – das und vieles mehr ließen die Anwesenden noch einmal Revue passieren. Neben den Honorartrainern, die zusammen mit Evelyn Simon die Übungsstunden organisieren, ließen es sich auch Baden-Württembergs Sportdirektor Sönke Geil und TTBW-Vizepräsident Frank Tartsch nicht nehmen, der gebürtigen Leverkusenerin die Ehre zu erweisen.

Rückblende: Im zarten Alter von fünfzehn Jahren spielte Evelyn Simon, Linkshänderin und ausgestattet mit guten Aufschlägen und einem strammen Vorhand-Topspin, bereits in der zweiten Bundesliga beim TuS Jahn Soest. „Als meinen Heimatverein würde ich hingegen den TTC Bärbroich bezeichnen, bei dem ich mit zwölf das erste Mal in einer Erwachsenenmannschaft gespielt habe. Dort war auch meine erste Trainerstation“, blickt Evelyn Simon zurück. Schon während ihrer Schulzeit legte sie erfolgreich die Prüfungen zur C- und B-Lizenz ab. Später ließ sie die A-Lizenz und die Diplomtrainerausbildung an der Trainerakademie des DOSB folgen. „Da ich früh Geld verdienen wollte, habe ich als Vereinstrainerin angefangen, parallel wurde ich von meinem Trainervater Dirk Huber gefragt, ob ich nicht Landesstützpunkttrainerin in Köln werden wollte.“ Und so nahm alles seinen Lauf. Nicht ganz ohne Stolz fügt Evelyn Simon heute hinzu: „Mein erster Schüler war Benedikt Duda, er gehört aktuell zu den besten fünfzig Spielern der Welt.“

Als eigenwillig sollte man die Trainingsmethoden von Evelyn Simon nicht bezeichnen, doch versucht sie seit jeher, den Übungsstunden eine besondere Note zu verleihen. „Evelyn geht viel auf die individuellen Spielertypen ein, das ist kein 08/15-Training bei ihr“, sagt Markus Senft aus dem Trainerteam. Der stellvertretende Geschäftsführer von Tischtennis Baden-Württemberg ergänzt: „In puncto Trainingsplan und dessen Umsetzung habe ich viel von ihr gelernt.“ Der Ursprung ihres professionellen Denkens, ihres außerordentlichen Engagements und der Leidenschaft für den Sport geht wohl auch auf ihre Zeit als junge Schülerin in den USA zurück. In Houston, Texas, besuchte sie über mehrere Monate das College, trat zudem dem dortigen Basketball-Team bei, was ihr Verständnis für professionellen Sport enorm beeinflusste. „Alle gaben alles! Ich wurde von all dem total mitgerissen und es gab mir ein gutes Gefühl, ein Teil des Ganzen zu sein“, sagt Evelyn Simon rückblickend.

Die Trainerarbeit von Evelyn Simon war schon früh geprägt von der individuellen Betreuung ihrer Talente. „Nur wenn eine vertrauensvolle Spieler-Trainer-Beziehung besteht, kann ein Spieler sein volles Potenzial ausschöpfen“. Getreu diesem Motto, das auch in ihren bisher drei veröffentlichten Tischtennisbüchern zur Sprache kommt, erfuhr ihr damaliger Schützling Benedikt Duda quasi eine Rundumbetreuung. „Darunter litt dann auch mein ursprüngliches Ziel, ein Lehramtsstudium abzuschließen.“ Bei all den nationalen Turnierteilnahmen im Traineramt beim Westdeutschen Tischtennisverband lernte sie den Böblinger Sönke Geil kennen, der ihr nach dem gemeinsamen Besuch der Europameisterschaften in Stuttgart 2010 ein Jahr später einen Job als Landestrainerin in Baden-Württemberg anbot. Dies als Nachfolgerin von Volker Ziegler, den es später zu den Para-Tischtennisspielern verschlug.

Unter Sportdirektor Sönke Geil und dem engagierten Trainerteam mit Evelyn Simon nahmen die baden-württembergischen Talente in den vergangenen Jahren eine erfreuliche Entwicklung. Gemeinsam konnten zahlreiche Erfolge eingefahren werden, vor allem beim Deutschlandpokal, dem einzigen bundesweiten Teamwettbewerb von Verbands-Auswahlmannschaften. Zu Evelyn Simon’s Schützlingen gehörten zuletzt unter anderem Wenna Tu und Lea Lachenmeyer, beide derzeit in der dritten Bundesliga in Neckarsulm und Süßen aktiv. Und Annett Kaufmann von der SV Böblingen, mit gerade einmal vierzehn Jahren die derzeit jüngste Erstligaspielerin und zuletzt Gewinnerin des europäischen Top-10-Turniers im U 15-Bereich. „Die zweiwöchige Japanreise mit Annett gehört sicherlich zu den Highlights während meiner Zeit hier in Baden-Württemberg“, so Evelyn Simon.

Ganz allmählich reifte bei der beliebten Trainerin der Wunsch, wieder zurück ins Rheinland zu gehen. „Ich bin kein Typ, der sein ganzes Leben den gleichen Job machen möchte, zumal ich in dem deutschen Tischtennissystem nicht so viel bewegen kann wie vermutlich in meiner kommenden Rolle“, sagt Simon, die ihre TTBW-Zeit keineswegs missen möchte. „Ich hatte alle Freiheiten, die ich brauchte, um erfolgreich mit den Spielerinnen zu arbeiten. Dafür bin ich dankbar. Allerdings war man schon viel unterwegs und das eigene Leben kam zeitweise etwas zu kurz. “ Zukünftig wird die Natur- und Tierliebhaberin als Coach für eine Europäische Stiftung arbeiten mit dem Ziel, junge Trainertalente und ganz junge Spieler zu erspähen, mit denen langfristig Erfolge möglich sind. Sportdirektor Sönke Geil: „Vielleicht werden dann Kinder gefunden, die langfristig mal in der Lage sind, die Chinesen zu schlagen. Und wir erhoffen uns neue Gesichter für das TTBW-Team. Für Annett Kaufmann wird Evelyn weiterhin als Mentorin und Personal Coach zur Verfügung stehen.“  

In der kleinen Einliegerwohnung in Weil der Stadt sitzt Evelyn Simon auf ihren gepackten Koffern. „Evelyn hat hier wirklich exzellente Arbeit geleistet“, meint Sönke Geil, der im selben Haus wohnt, „sie hat zwar auch mal den Laden aufgemischt und für etwas Reibung gesorgt, die dann aber in positive Energie umgewandelt wurde. Wir geben Evelyn nicht gerne weg.“

Nachfolgerin von Evelyn Simon ist Zhujun Shen, jahrelang Trainerin am Stützpunkt Karlsruhe und als Nationaltrainerin in Luxemburg und in der Schweiz tätig. „Ein absoluter Profi“, sagt Evelyn Simon, die ihre bisherige Position gut besetzt sieht. Und noch einmal wehmütig an die Verabschiedung im Kreise ihrer Schützlinge zurückdenkt. Bestückt mit einem Geschenkkorb, gefüllt mit schwäbischen Leckereien, verließ die langjährige Trainerin unter dem Applaus der Jugendlichen die Halle. Um dann beim Wegfahren noch einige Luftballons in den Böblinger Himmel absenden zu dürfen. Luftballons, die einen neuen Weg für Evelyn Simon weisen, aber keineswegs die letzten neun Jahre mit der baden-württembergischen Tischtennisjugend in Vergessenheit geraten lassen sollen.

Shen Zhujun wird als Nachfolgerin von Evelyn Simon vorgestellt.

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