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Wettkampfsport

Bericht: BaWü-EM der Damen und Herren

Zwei Titelträger: Ein Wiederholungssieger und der Triumph einer 11-jährigen

Die erst 11-jährige Annett Kaufmann vom TTC Bietigheim-Bissingen war in Iffezheim die Größte, zur Überraschung vieler sicherte sie sich den Titel bei den baden-württembergischen Meisterschaften der Damen. Bei den Männern stand mit Julian Mohr von der Neckarsulmer Sportunion ein Spieler ganz oben, der das Erlebnis eines Titelgewinns bereits vor zwei Jahren erleben durfte. 

Vielen ist Iffezheim vor allem durch die Galopprennbahn und die alljährlich stattfindenden Pferderennen bekannt. Einigen Tischtennisspielern und –spielerinnen wird der Ort nunmehr auch als gute Adresse für den schnellen Sport mit dem kleinen Ball ein Begriff sein. Im übertragenen Sinne saßen bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften vor allem Annett Kaufmann und Julian Mohr fest im Sattel, die beiden galoppierten der Konkurrenz in beeindruckender Manier davon. Bevor diese beiden Akteure den Pokal in den Händen halten konnten, ging in Iffezheim ein sehenswertes zweitägiges Turnier über die Bühne, das zumeist Favoritensiege, aber zuweilen auch überraschende Ergebnisse offenbarte.

Der erste Turniertag stand ganz im Zeichen des Qualifikationsturniers, zudem Bernd Kaltenbach immerhin 84 Männer und 21 Damen begrüßen konnte. Der Vizepräsident Sport von Tischtennis Baden-Württemberg zeigte sich zu Beginn der Woche vor dem Turnier noch enttäuscht über die Anmelderesonanz, war nach einem Meldeaufschwung an den letzten Tagen dann aber doch zufrieden. Kaltenbach: „In den letzten drei Jahren waren es deutlich weniger Teilnehmer, insofern freuen wir uns über die positive Entwicklung.“ Über die Vorrundengruppen und diverse KO-Runden wurden am Samstag die jeweils acht Viertelfinalisten ermittelt, die sich für das Hauptturnier am zweiten Tag qualifizierten. Bei den Männern waren dies dann bis auf eine Ausnahme auch die Spieler, die im Tischtennisranking (Quartalswert) ganz oben auf der Liste standen: Nico Wenger (SC Staig), Tom Mayer (TSG 1845 Heilbronn), Carlos Dettling, René Steffens, Uros Bojic (alle DJK Sportbund Stuttgart), Salomon Brugger (FT V. 1844 Freiburg), Marcel Neumaier (TTSF Hohberg) und Christian Metzler (TV Calmbach). Bei den Damen setzten sich Elisabeth Bittner (SV Weitenung), Melissa Friedrich (TTG Neckarbischofsheim), Nicole Gaiser (SSV Schönmünzach), Nina Merkel (TTF Rastatt), Celine Schädler (TTF Stühlingen), Kristin Timmann (TTC Frickenhausen), Sarah Hafner (TTC Beuren a. d. Aach) und Ramona Betz vom DJK Sportbund Stuttgart durch.

Für hochklassigen Tischtennissport wurde dann am zweiten Turniertag garantiert, an dem auch die Vornominierten und somit Topfavoriten ins Geschehen eingriffen. Bei den Damen war Alexandra Schankula, die ehemalige Bundesligaspielerin der SV Böblingen und jetzige Nummer eins von Regionalliga-Tabellenführer TSV Betzingen, an oberster Stelle gesetzt. Im fünften Monat schwanger, ließ es sich die Angriffsspielerin nicht nehmen, noch einmal bei den Landesmeisterschaften zu starten, wenngleich im Erfolgsfall die Teilnahme an den „Deutschen“ nicht realisierbar gewesen wäre. „Ich wollte einfach mal wieder ein Turnier spielen und mich zudem auf das kommende Regionalligaspiel vorbereiten“, begründete Alexandra Schankula ihre Teilnahme. In der Bewegung ein wenig eingeschränkt, musste Schankula dann im Viertelfinale einer clever spielenden Anna Lasarzick (TTF Stühlingen) gratulieren. In der oberen Turnierhälfte war dann der Weg frei für die Offenburgerin Jana Kirner, die nach Erfolgen über Ramona Betz, Rebecca Matthes (NSU Neckarsulm) und Anna Lasarzick den Sprung ins Endspiel schaffte. Youngster Annett Kaufmann gelang im Achtelfinale die Wiedergutmachung gegen Kathrin Hessenthaler (NSU Neckarsulm), gegen die sie in der dritten Liga zuletzt noch klar unterlag, danach folgten Siege über Ronja Mödinger (DJK Sportbund Stuttgart) und im Halbfinale über Lisa Mayer (TTV Weinheim-West), gegen die es im vierten Satz eine heikle Phase zu überstehen galt. Im Finale setzte sich dann der kleine Wirbelwind aus Bietigheim-Bissingen in sieben Sätzen gegen Jana Kirner (Foto oben) durch. Und war dabei auch ein kleines Vorbild in Sachen Fairness. Beim Stand von 9:8 im vierten Satz wies Kaufmann den Schiedsrichter auf einen Kantenball des Gegners hin, der Punkt ging somit an Kirner. Trainer Florian Grünenwald: „Das Finale war etwas komisch. Erst gab es einige klare Satzausgänge, dann wurde es wieder spannender. Annett ist heute im Endspiel sehr ruhig geblieben für ihre gerade einmal elf Jahre. Bei einem 2:3-Satzrückstand gelang es ihr, ein 1:7 im sechsten Durchgang aufzuholen und auch im entscheidenden fünften Satz machte sie ein 0:4 wett. Sie hat heute sehr druckvoll gespielt und hatte eine geringe Fehlerquote. Genau daran hatten wir die letzten zwei Wochen intensiv gearbeitet.“           

Wenna Tu von der Neckarsulmer Sportunion, die im Einzel-Achtelfinale gegen Melanie Hug (DJK Offenburg) etwas überraschend die Segel streichen musste, hatte wenigstens im Doppelwettbewerb Grund zur Freude. Gemeinsam mit Teamkollegin Rebecca Matthes ergatterte sie den baden-württembergischen Meistertitel. Im Endspiel waren die beiden gegen Lisa Mayer/Kathrin Hessenthaler beim 11:6, 11:6 und 11:9 obenauf.

In der Vorrunde des Männer-Hauptturniers sorgten neben den arrivierten Spielern auch Nico Wenger und der erst 15-jährige Uros Bojic für Furore. Wenger, beim SC Staig in der Verbandsliga aktiv, holte sich den Gruppensieg, Uros Bojic überraschte ebenfalls mit dem Weiterkommen in die KO-Runde. In einer anderen Gruppe setzte sich Carlos Dettling vor Tom Mayer durch. Das Kuriose: Mayer hatte zuvor noch im Schwarzwald im Hause Dettling übernachtet. Ansonsten setzten sich in den Gruppen vorwiegend die Favoriten durch, unter anderem mit Kay Stumper der dreifache deutsche Schülermeister im Einzel. In der Endrunde ging es dann ans Eingemachte, wobei unter anderem die Grünwettersbacher Defensivkünstler Florian Bluhm und Daniel Kleinert bei ihren Auftritten für zahlreiche Ah’s und Oh’s auf den Rängen sorgten. Nicht zum ersten Mal musste Florian Bluhm in der Vorschlussrunde kapitulieren, in einem sehenswerten Spiel unterlag er Julian Mohr in vier Sätzen. Titelverteidiger Jens Schabacker („Ich rede nicht um den heißen Brei herum, ich will meinen Titel verteidigen) musste im Viertelfinale gegen Sven Happek und danach gegen Liang Qiu (TTC Frickenhausen) über die volle Fünfsatzdistanz gehen, zog aber verdietermaßen ins Finale ein. In diesem kam es zwischen den beiden Neckarsulmer Drittligaspielern zur Wiederauflage des Vorjahresfinales. Nur mit anderem Ausgang: Hatte Schabacker zuletzt in Königsbach-Stein noch glatt in vier Sätzen die Nase vorn, ließ diesmal Julian Mohr beim 4:1 (11:6, 12:10, 3:11, 11:8, 11:5) nicht viel zu und holte sich den Titel. 

Die Abwehrformation Florian Bluhm/Daniel Kleinert sicherte sich den Meistertitel im Doppel, nach einem 1:2-Satzrückstand drehten sie gegen Kay Stumper/Pekka Pelz (SV Salamander Kornwestheim/TTC Bietigheim-Bissingen) den Spieß noch um und gewannen mit 11:7, 10:12, 8:11, 13:11 und 11:7.

Was die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Berlin betrifft, ist das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen. Fakt ist: Annett Kaufmann löste das Ticket für die nationalen Wettkämpfe, zudem hatten Julian Mohr, Jens Schabacker und Florian Bluhm bereits das Ticket in der Tasche. Bernd Kaltenbach: „Das Nominierungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, der eine oder andere darf sich noch Hoffnungen auf eine Nominierung machen.“ Positiv fand der TTBW-Vizepräsident, dass „gerade bei den Männern einige Spieler in Iffezheim mitmachten, obwohl sie sich bereits für die DM qualifiziert haben.“ Weiterhin nicht ausschließen möchte Kaltenbach, dass sich am Modus dieser Meisterschaften etwas ändern wird: „Unter anderem könnte auch nächstes Jahr das gemischte Doppel wieder kommen.“

Bereits zum dritten Mal fanden die Titelkämpfe der Damen und Herren in Iffezheim statt. Die Turnierleitung um Klaus Scherzinger (Vizepräsident Sport Südbadischer Tischtennisverband) sowie Bettina Seiser und Helmut Peter vom TTC Iffezheim sorgte für einen insgesamt reibungslosen Ablauf des prestigeträchtigen Turniers. Rolf-Dieter Merkel, seit 2002 erster Vorsitzender des gastgebenden TTC mit etwas 230 Mitgliedern, konnte sich in und um die  Halle auf sein eingespieltes Team verlassen. „Solche Veranstaltungen schweißen zusammen. Wir hatten hier zahlreiche Mitglieder im Arbeitseinsatz, die in Schichten ihre Aufgaben erledigten. Vor allem Verlass war wieder einmal auf unser Rentnerteam, das sich zu keiner Arbeit zu schade war“, so Merkel. Nicht ganz passend fand der TTC-Vorsitzende die Startgebühr von 20 €. „Aus meiner Sicht ist dieser Betrag zu hoch, auch wenn es sich um ein großes Turnier handelt. Manche Spieler haben halt nur drei Einzel und müssen dann wieder die Heimreise antreten. Das ist ein falsches Signal.“

Unter Leitung von Jürgen Schödel, dem südbadischen Verbandsschiedsrichterobmann, sorgten am ersten Turniertag 24 und am Sonntag 18 Unparteiische für den regelkonformen Ablauf des Turniers. „Die größte Arbeit war es, die Schiedsrichter für das Turnier zu organisieren“, so Schödel, der lediglich am zweiten Tag auf eine „Racket Control“ zurückgreifen konnte. Südbadens Lehrwartin Sibylle Maas freute sich über das erfolgreiche Abschneiden von vier neuen Unparteiischen, die am Rande dieser Meisterschaften  die praktische, mündliche und schriftliche Prüfung zum Verbandsschiedsrichter bestanden. Dies sind Florian Geisser, Dennis Götz (beide TB Bad Rotenfels), Tom Brühl (TTC Borussia Grißheim) und Philipp Meister (TV Gernsbach). 

Autor: Thomas Holzapfel

Fotos: Volker Arnold

Titelträgerin bei den Damen: Annett Kaufmann

Jana Kirner

Nico Wenger

Jens Schabacker

Florian Bluhm

Uros Bojic

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