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Pressemitteilung

Albert Türk

Tischtennissenior des VfL Herrenberg wird 80

Albert Türk – Sportliche Bescheidenheit garniert mit unermüdlichem Kampfgeist

Albert Türk und der Tischtennissport, das ist eine Symbiose, die passt. Und das schon seit gefühlten Ewigkeiten. Als eines der Urgesteine in der Herrenberger Tischtennisabteilung ist Albert Türk bereits die Hälfte seines Lebens für den Seniorensport spielberechtigt. Am 27. März feiert der gebürtige Feuerbacher bei bester Gesundheit seinen 80. Geburtstag. Und ohne die Corona-bedingten Absagen wäre er einen Tag später mit dem VfL-Team in der Kreisliga wieder seinem größten Hobby nachgehen.

„Ich spür das Alter eigentlich noch gar nicht“, sagt Albert Türk, der Anfang März noch, wie jeden Dienstagabend, den Schläger aus der Sporttasche packte, um mit dem Herrenberger Dominic Diechle die ersten Ballwechsel zu absolvieren. „Probleme habe ich hauptsächlich, wenn ich mich nicht ausreichend bewege“, ergänzt der VfL-Oldie, der regelmäßig die Trainingsabende besucht und dabei die Wegstrecke von seinem Wohnort in Böblingen ins Gäu nicht scheut. „Man muss sich einfach viel bewegen, sonst rostet man ein. Als alter Mann tue ich natürlich etwas langsamer und man merkt auch, dass Geschwindigkeit und Reaktionsschnelligkeit nachlassen. Aber trotz meiner zwei kaputten Wirbel macht mir der Tischtennissport immer noch großen Spaß. Außerdem zwingt mich das Training dazu, unter die Leute zu gehen, so dass ich nicht zuhause versaure.“ Dass in derselben Halle deutlich jüngere und spielstärkere Mitglieder ihrem Hobby frönen, stört Albert Türk nicht. „Natürlich schaut man gerne zu, zu welchen Leistungen beispielsweise unsere Männer der ersten Mannschaft im Stande sind, das ist natürlich ein anderes Spielniveau. Aber ich versuche immer auf meinem Level, das Beste zu geben.“ Auch in der aktuellen Saison ist Albert Türk, der sich seit jeher dem Abwehrspiel verschrieben hat, für die fünfte Mannschaft in der Kreisliga B am Tisch aktiv. „Bislang lief es allerdings noch nicht so berauschend, das wurmt mich“, konstatiert Türk, der mit seiner Mannschaft unbedingt die Klasse halten möchte und keine Probleme damit hat, wenn in den entscheidenden Partien dann besseren Spielern der Vortritt gelassen wird. „Wenn’s der Sache hilft, dann haben andere Vorrang“, erweist sich der Defensivkünstler als Teamplayer.  

Überhaupt war es nie das primäre Anliegen des leidenschaftlichen Skatspielers, auf der Karriereleiter des Tischtennissports weit nach oben zu klettern. „So gut war ich nicht, dass ich in höheren Klassen an den Start gegangen wäre“, sagt Albert Türk, „ich war immer in den unteren Klassen mit Aufstieg und dann auch wieder Abstieg zugange.“ Was man dem kommenden Jubilar allerdings nicht abstreiten kann, sind der unermüdliche Kampfgeist und die Disziplin, die schon immer an den Tag gelegt wurden. Im Alter von 21 Jahren wurde der Korkschläger, der gelegentlich im Freibad benutzt wurde, gegen einen „richtigen“ Schläger ausgetauscht, kurz nach dem Herrenberger Vereinseintritt im Jahre 1965 wurde dann auch das erste Punktspiel bestritten. „In diesen nunmehr 55 Jahren habe ich vielleicht zwei Mal gefehlt“, berichtet Albert Türk nicht ganz ohne Stolz, „Urlaub oder der Geburtstag der Schwiegermutter waren für mich keine Gründe, den Punktspielen fernzubleiben. Das ist in der heutigen Zeit leider etwas anders, wo es doch viele Teilzeitspieler gibt.“  

Dass man auf Albert Türk in jeder Hinsicht zählen kann, bestätigen seine langjährigen Weggefährten. Allen voran Michael Schrottwieser, der seit gut und gerne vierzig Jahren an seiner Seite die Ligaspiele bestreitet. Und auch mit der einen oder anderen Anekdote aufwarten kann. „Als selbstständiger Elektromeister hatte Albert natürlich immer viel zu tun und kam oft erst fünf Minuten vor Spielbeginn in die Halle, aber man konnte sich immer hundertprozentig auf ihn verlassen“, erinnert sich Schrottwieser und erzählt von einem Auftritt in Warmbronn. Damals hatte die Partie bereits begonnen und alle waren anwesend – bis auf Albert Türk. „Wir haben uns natürlich gewundert, wo Albert denn wohl bleibt. Und nach wenigen Minuten öffnete sich doch noch die Hallentür“, schildert Michael Schrottwieser das Szenario, „Albert wusste lediglich, dass wir in einem Ort mit dem Anfangsbuchstaben W spielen würden. Er war dann zuerst in Waldenbuch und hat es im zweiten Versuch in Warmbronn versucht. Also fuhr er durch den ganzen Bezirk und landete im zweiten Versuch dann den Volltreffer.“ Mit leichter Verspätung konnte Albert Türk dann doch noch seinen Beitrag zum Spielgeschehen liefern.

Der nach wie vor unerbittliche Kampfgeist beim vereinstreuen Herrenberger ruft bei den VfL-Kameraden immer wieder Bewunderung hervor. „Albert gibt keinen Ball verloren, egal, ob im Training oder beim Punktspiel“, sagt Teamkapitän Werner Hettler, „manchmal erläuft er Bälle, die schon 50-jährige nicht mehr erreichen. Albert will immer noch alles aus sich rausholen. Und ärgert sich über leichte Punktgewinne der Gegner, zum Beispiel durch glückliche Netz- oder Kantenbälle.“ Werner Hettler, langjähriger Jugendleiter beim VfL, kennt den (noch) 79-jährigen Albert Türk seit knapp zwanzig Jahren und weiß um die Eigenarten seines Teamkollegen: „Bei Albert weiß man immer, wo man dran ist. Er ist direkt und sagt gerade heraus, was er denkt. Er ist sehr zuverlässig und springt auch mal in anderen Mannschaften ein, wenn es mit dem Personal klemmt. Als Doppelpartner bruddelt er zwar manchmal, wenn man einen Fehler macht, aber das ist dann schnell wieder vergessen.“ Michael Schrottwieser kann dies unumwunden – und mit einem Augenzwinkern – bestätigen. „Im Doppel ist Albert zugegebenermaßen manchmal etwas störrisch und als Doppelpartner muss man immer um seine Schuhgröße 46 herumlaufen. Aber es gibt wenige Doppel, auch gegen vermeintlich stärkere Gegner, die man zusammen mit Albert verliert, da er eine sehr niedrige Fehlerquote hat“, sagt Schrottwieser.

Zahlreiche Erfolge im Mannschaftsbereich bejubelte Albert Türk mit seinen Teamkollegen Günter Baier, Udo Fröschle, Erich Roob und Michael Schrottwieser, die gemeinsam viele Jahre lang als eingeschworenes Team galten. Im Einzelsport freute sich der VfL-Routinier unlängst über den Vize-Bezirksmeistertitel in seiner Altersklasse. Auch im außersportlichen Bereich war Albert Türk aktiv: Im Rahmen des Herrenberger Stadtfestes leistete er bei der Technik und beim Bühnenaufbau und später beim Ausschank wichtige Arbeit. Ein wenig vermisst der Herrenberger Oldie das Zusammenkommen mit den Gleichgesinnten, vor allem nach Training oder Punktspielen, wo in früheren Zeiten viel Skat gespielt wurde. „Die Zeiten haben sich inzwischen geändert, die jüngeren Leute gehen oftmals direkt nach Hause zu ihren Computern“, übt Türk leise Kritik. Der „Lifetime“-Sportart Tischtennis möchte Albert Türk noch möglichst lange erhalten bleiben. „Ich spiele, solange mich die Jungs noch wollen und solange es meine Knochen noch hergeben. Wenn es mal nicht mehr für den Mannschaftssport reichen sollte, dann trainiere ich in der VfL-Hobbygruppe weiter“, nennt der Jubilar seine Pläne.

Den runden Geburtstag feiert er im kleinen Kreis mit seiner Gattin. „Der Geburtstag hat bei mir nicht so den hohen Stellenwert“, sagt Albert Türk. Seine oftmals an den Tag gelegte Bescheidenheit ist somit auch in diesem Fall oberstes Gebot.

Text: Thomas Holzapfel   Foto: VfL Herrenberg

 

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